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       # taz.de -- Habeck und Lindner streiten per Brief: Viel Spaß beim Bundeshaushalt 2024
       
       > Grüne und FDP zeigen sich deutlich uneins in Sachen Finanz- und
       > Haushaltspolitik. Und Pistorius braucht zusätzliche Milliarden für die
       > Bundeswehr.
       
   IMG Bild: Finanzminister Lindner und Wirtschaftsminister Habeck im Bundestag
       
       Berlin taz | Das Papier der FDP-Bundestagsfraktion hat es in sich. Unter
       der Überschrift „Wirtschaftliche Freiheit [1][anstatt Subventionen]“ stehen
       einige Lieblingsvorhaben der Liberalen, darunter Senkungen der
       Unternehmens- und Einkommensteuer – teilweise gegenfinanziert durch eine
       höhere Mehrwertsteuer.
       
       „Die Gesamtbelastung der Unternehmen muss dringend reduziert werden“,
       erklärte FDP-Fraktionsvize Christoph Meyer gegenüber dem Handelsblatt.
       
       Die Veröffentlichung lässt sich als jüngste Episode des [2][Konflikts
       zwischen FDP und Grünen in der Bundesregierung] sehen. Die beiden Parteien
       sind gerade dabei, sich auch in der Finanz- und Haushaltspolitik zu
       verhaken – neben Auseinandersetzungen über die Energie- und
       Verkehrspolitik. Anlass ist die Aufstellung des Bundeshaushalts 2024, in
       dem unterschiedlichen Angaben zufolge momentan eine Lücke von zwischen 12
       und 70 Milliarden Euro klafft.
       
       Inhaltlich hält sich die SPD-Spitze erstmal raus. „Das öffentliche
       Austauschen von Briefen ist ein Ritual, bei dem alle Beteiligten
       verlieren“, sagte SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert dem Spiegel. Damit
       kritisierte er, dass Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und
       [3][Christian Lindner (FDP)] zwei Schreiben veröffentlichten, die den
       Konflikt belegen.
       
       ## Frostige Briefe zwischen Habeck und Lindner
       
       Habeck schrieb kürzlich an seinen FDP-Kollegen, er könne „die Eckwerte“ für
       den Haushaltsplan 2024 „so nicht akzeptieren“. Lindner solle „keine
       Vorfestlegungen treffen, die einseitig weitere Ausgaben priorisieren“.
       Habeck hat Sorge, dass sonst zu wenige Mittel für grüne Vorhaben vorhanden
       sind. Als Lösung schlug er unter anderem vor, „darüber zu beraten, wie wir
       Einnahmen verbessern“ und „den Abbau umweltschädlicher Subventionen
       vorantreiben können“.
       
       Lindner wies alles zurück. Die im vergangenen Jahr beschlossenen Eckpunkte
       bildeten die gemeinsame Grundlage des Haushalts 2024, steht im Brief des
       Finanzministers. Und weiter: „Stellvertretend für die von den Freien
       Demokraten geführten Ministerien darf ich feststellen, dass
       Steuererhöhungen oder sonstige strukturelle Mehrbelastungen für die
       Bürgerinnen und Bürger oder die Wirtschaft vom Koalitionsvertrag
       ausgeschlossen sind.“
       
       Mitte März soll das Bundeskabinett die Eckpunkte des nächsten Etats
       beschließen. Aber die finanzpolitische Lage ist kompliziert. In diesem Jahr
       kann der Bund 476 Milliarden Euro im normalen Haushalt ausgeben, davon
       stammen 46 Milliarden aus neuen Schulden und 41 Milliarden aus einer
       Rücklage. Weitere Kredite sind wegen der Schuldenbremse offiziell
       unmöglich.
       
       Aber: Es gibt einen schuldenfinanzierten Nebenhaushalt mit 200 Milliarden
       Euro, um die hohen Energiekosten abzufedern. 2024 sollen dagegen nur 424
       Milliarden Euro im normalen Haushalt zur Verfügung stehen, wobei lediglich
       12 Milliarden aus zusätzlichen Schulden und acht Milliarden aus der
       Rücklage kommen. Die Schuldenbremse gilt, aber es gibt keinen neuen
       Nebenhaushalt.
       
       ## Pistorius beansprucht noch etwas mehr für die Bundeswehr
       
       Zwar ist mit höheren Steuereinnahmen zu rechnen. Gleichzeitig existieren
       jedoch jede Menge weiterer Ausgabewünsche, etwa für die
       Kindergrundsicherung, Pflegereform, Klimapolitik, das Wohngeld und das
       Bürgergeld. Auch die Ausgaben für die Schuldzinsen des Bundes steigen. Und
       Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) beansprucht wohl 10 Milliarden
       Euro mehr für die Bundeswehr. Wollte er das Nato-Ziel einhalten, müssten es
       eher 15 Milliarden pro Jahr zusätzlich sein.
       
       Im bisherigen Rahmen der Haushaltsplanung geht das alles nicht auf. Wobei
       es Lösungen gäbe. Erstens: Die 200 Milliarden Euro für die Gas- und
       Strompreisbremse werden wegen gesunkener Energiepreise wahrscheinlich nicht
       komplett gebraucht; man könnte sie teilweise umwidmen. Doch Finanzminister
       Lindner dürfte da skeptisch sein – er will die Neuverschuldung ja drücken.
       Zweitens: Einnahmeerhöhungen beispielsweise durch die Anhebung der Diesel-
       auf das Niveau der Benzinsteuer. Das aber erscheint unrealistisch, weil die
       FDP Steuererhöhungen ausschließt. Wobei die Liberalen in ihrem Papier doch
       ein kleines Türchen geöffnet haben: „fragwürdige Steuerermäßigungen“ könne
       man einschränken, heißt es.
       
       17 Feb 2023
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Hannes Koch
       
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