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       # taz.de -- Aus des Verbrennungsmotors: Kompromiss bis Freitag nötig
       
       > Die FDP droht damit, das Aus für neue Verbrennerautos ab 2035 platzen zu
       > lassen. Es ist nicht das einzige Thema, bei dem die Partei blockiert.
       
   IMG Bild: Die FDP verteidigt den Verbrenner, obwohl er ein Viertel der gesamten CO2-Emissionen verantwortet
       
       Im von der FDP neu entfachten Streit über das Aus für neue Autos mit
       Verbrennermotor ab 2035 muss bis Freitag eine Lösung stehen. Sonst platzt
       der mühsam ausgehandelte Kompromiss auf EU-Ebene. Die Koalitionspartner,
       die Bundesregierung und die EU-Kommission ringen um eine Verständigung.
       „Die Bundesrepublik Deutschland sollte auf europäischer Ebene verlässlich
       agieren und sich an getroffene Zusagen halten“, sagte
       Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne).
       
       Die [1][EU will die Neuzulassung von Pkws und kleinen Nutzfahrzeugen mit
       Verbrennermotor ab 2035] verbieten. [2][Nach Angaben der EU-Umweltagentur
       gingen 2019 rund ein Viertel der gesamten CO2-Emissionen] in der Union auf
       den Verkehr zurück. Am Dienstag soll der EU-Minister:innenrat über das
       Verbot abstimmen. Bereits am Freitag findet die vorbereitende Sitzung der
       EU-Botschafter:innen statt. Zur Abstimmung steht ein mühsam ausgehandelter
       Kompromiss, der von der FDP jetzt wieder in Frage gestellt wird. „Diese
       Regelung sollten wir jetzt auch verlässlich umsetzen und nicht in letzter
       Minute davon abrücken“, sagte Lemke.
       
       FDP-Chef Lindner hat seine Kritik am geplanten Verbot von
       Verbrenner-Motoren in Neuwagen ab 2035 bekräftigt. „Es ist unser Ziel, dass
       in Deutschland auch nach 2035 noch Neuwagen mit Verbrennungsmotoren
       zugelassen werden“, sagte Lindner am Donnerstag den Zeitungen der Funke
       Mediengruppe laut Vorab-Bericht. Neu zugelassene Verbrennerfahrzeuge würden
       nach 2035 allerdings eine Ausnahme bleiben und müssten mit Öko-Sprit
       betrieben werden. Die EU-Kommission habe leider keine Anstalten
       unternommen, bei ihren Verbotsplänen ernsthaft Ausnahmen für solche
       Verbrennungsmotoren zu prüfen, die ausschließlich mit Öko-Sprit fahren. Wie
       sich die FDP laut Lindner in der Abstimmung dazu verhalten würde, blieb
       offen.
       
       Der Hintergrund: Im vergangenen Juni hat das EU-Parlament das Aus für
       Verbrennerautos beschlossen. Damit es in Kraft treten kann, müssen aber
       auch noch die EU-Länder zustimmen. Nach der Abstimmung im EU-Parlament
       waren FDP-Chef Christian Lindner und sein Parteifreund
       Bundesverkehrsminister Volker Wissing [3][mit der Ansage vorgeprescht, die
       deutsche Regierung werde dem Verbot nur zustimmen, wenn es eine Ausnahme]
       für nur mit E-Fuels betankbare Autos geben würde. E-Fuels sind synthetische
       Kraftstoffe, die mittels Strom aus Wasser und Co2 hergestellt werden. Das
       ist extrem energieintensiv. Die FDP argumentiert, dass mit E-Fuels betankte
       Autos klimaneutral sind. Das stimmt so aber nicht, zeigt etwa eine Studie
       der Denkfabrik Transport & Environment.
       
       ## Rückenwind von Autoindustrie
       
       Wissing begründet das Drängen auf die Ausnahme auch damit, dass E-Fuels für
       die ab 2035 noch fahrenden Autos mit Verbrennermotor gebraucht werden.
       „Wenn wir schon E-Fuels brauchen in großer Menge, um die Bestandsflotte
       klimaneutral zu halten, dann spricht doch alles dafür, dass wir auch über
       2035 hinaus Verbrennungsmotoren zulassen, wenn diese ausschließlich mit
       synthetischen Kraftstoffen betrieben werden“, sagte er am Mittwoch in der
       ARD. Rückenwind bekommt die FDP vom Verband der Autoindustrie und vom
       Bundesverband der Deutschen Industrie. Umweltverbände lehnen E‑Fuels ab,
       auch weil E-Mobilität sehr viel effizienter ist.
       
       Auf Drängen der FDP hat die EU-Kommission im Sommer zugesagt, zu prüfen,
       wie Ausnahmen für Verbrenner möglich gemacht werden können. Jetzt fordert
       Wissing, dass die Kommission vor dem beschlossenen Verbot und nicht nach
       der Entscheidung einen Weg dafür aufzeigt. Nach Angaben des
       Bundesumweltministeriums ist das üblich. Angekündigte Aktivitäten der
       Kommission erfolgen erst dann, wenn der dazugehörende Beschluss
       verabschiedet ist.
       
       Ob sich die FDP auf eine Lösung etwa in Form einer Absichtserklärung
       einlässt, ist offen. Bleibt sie bei ihrem Nein, ist das Verbot gestoppt.
       Weil das ihrem Ansehen auf EU-Ebene schaden würde, sucht die
       Bundesregierung auf höchster Ebene eine Lösung.
       
       Das Verbrennerverbot ist nicht das einzige Vorhaben, bei dem sich die FDP
       querstellt. Auch das Energieeffizienzgesetz blockiert sie. Dieses Gesetz
       hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Zuge der Laufzeitverlängerung der
       Atomkraftwerke versprochen. Die Liberalen wollen keine verbindlichen
       Vorgaben für Unternehmen.
       
       (mit reuters)
       
       2 Mar 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /EU-besiegelt-Verbrenneraus/!5912669
   DIR [2] https://www.eea.europa.eu/publications/transport-and-environment-report-2021
   DIR [3] /Koalitionsstreit-wegen-Verbrennerverbot/!5859861
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anja Krüger
       
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