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       # taz.de -- Grenze zu Kanada: USA schießen weiteres Flugobjekt ab
       
       > Erneut holt die Luftwaffe ein unbekanntes Objekt vom Himmel. Seit dem
       > mutmaßlichen Spionageballon prüft Washington den US-Luftraum genauer.
       
   IMG Bild: Wie das Pentagon mitteilte, hatte das US-Militär das Objekt zuvor fast einen Tag lang beobachtet
       
       Washington afp | Die USA haben am Sonntag im Grenzgebiet zu Kanada ein
       weiteres unbekanntes Flugobjekt abgeschossen. US-Präsident Joe Biden habe
       den Abschuss über dem Huron-See als Vorsichtsmaßnahme angeordnet, sagte ein
       Regierungsvertreter.
       
       Das Objekt sei nicht als militärische Bedrohung, aber als Gefahr für zivile
       Flugzeuge eingestuft worden. Es war bereits das dritte verdächtigte Objekt,
       das innerhalb weniger Tage durch US-Kampfjets vom Himmel geholt wurde.
       
       Das über dem Huron-See abgeschossene Objekt, das von dem
       Regierungsvertreter als achteckige Struktur mit daran hängenden Fäden
       beschrieben wurde, war in einer Höhe von 6.000 Metern über dem Bundesstaat
       Michigan im Nordosten der USA unterwegs und wurde daher als Gefahr für den
       zivilen Luftverkehr eingestuft.
       
       Das US-Militär hatte das Objekt zuvor fast einen Tag lang beobachtet, wie
       das Pentagon mitteilte. Es wurde dann über dem Huron-See abgeschossen, „um
       Auswirkungen auf Menschen am Boden zu vermeiden und gleichzeitig die
       Chancen für die Bergung von Trümmern zu verbessern“.
       
       ## Veränderter Radar
       
       Am Freitag hatte das US-Militär bereits ein unbekanntes Flugobjekt über dem
       Bundesstaat Alaska abgeschossen. [1][Am Samstag wurde ein weiteres Objekt
       bei einem gemeinsamen Einsatz von kanadischen und US-Kampfflugzeugen über
       dem kanadischen Yukon-Territorium zerstört.]
       
       Das Pentagon erklärte am Sonntag, noch sei unklar, worum es sich bei den
       drei Objekten genau gehandelt habe. Der Kommandeur des US-Nordkommandos,
       Glen VanHerck, sagte, es habe sich um „sehr, sehr kleine Objekte“
       gehandelt. Er wollte weder die Form noch die Größe der Objekte beschreiben,
       sagte aber, sie hätten sich sehr langsam fortbewegt, etwa mit
       Windgeschwindigkeit.
       
       Die seit Freitag abgeschossenen Objekte wurden nach Angaben von
       Vize-Verteidigungsministerin Melissa Dalton entdeckt, weil nach dem
       Abschuss eines mutmaßlichen chinesischen Spionage-Ballons vor rund zehn
       Tagen Radareinstellungen verändert wurden, um nach kleineren und
       langsameren Objekten zu suchen.
       
       ## Bergung dauert an
       
       Seit dem Abschuss des Ballons sei der US-Luftraum in der fraglichen Höhe
       genauer überprüft worden, sagte Dalton. Das könne „zumindest teilweise die
       Zunahme an Objekten erklären, die wir in der vergangenen Woche entdeckt
       haben“. Dalton wies darauf hin, dass Flugobjekte in solchen Höhen auch von
       Forschungsinstituten und Privatunternehmen betrieben werden.
       
       Der tagelange [2][Überflug des chinesischen Ballons über die USA] hatte zu
       einem Eklat zwischen Washington und Peking geführt. Der US-Kampfjet schoss
       den Ballon letztlich an der US-Ostküste über dem Atlantik ab. Am Mittwoch
       hatte Washington erklärt, der abgeschossene Ballon habe zu einer ganzen
       Flotte von Spionage-Ballons gehört, die über fünf Kontinente geflogen
       seien.
       
       China hatte nach der Entdeckung des Ballons den Spionagevorwurf
       zurückgewiesen. Peking sprach stattdessen von einem zivilen Ballon für
       meteorologische Zwecke, der vom Kurs abgekommen sei. US-Vertreter haben
       diese Darstellung inzwischen mehrmals entschieden zurückgewiesen und
       bekräftigt, dass es sich um einen Spionage-Ballon gehandelt habe.
       
       Am Sonntag bestätigte Dalton erste „Kontakte“ zu China wegen des Ballons.
       US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hatte nach dem Abschluss vergeblich
       um ein Gespräch mit dem chinesischen Verteidigungsminister gebeten. Peking
       lehnte ein Telefonat aber ab und beschwerte sich über die
       „unverantwortliche“ Herangehensweise Washingtons.
       
       Die Einsätze, um den Ballon und die drei anderen abgeschossenen Objekte zu
       bergen, dauerten nach Angaben Daltons am Sonntag noch an. Die Suche in
       Alaska nahe der Ortschaft Deadhorse gestaltete sich angesichts von Kälte,
       Schnee und Dunkelheit im nördlichsten US-Bundesstaat schwierig.
       Bergungskräfte, die im kanadischen Yukon nach Trümmern suchten, wurden von
       einem kanadischen CP-140-Patrouillenflugzeug unterstützt.
       
       Auch die Bergung der Trümmer des mutmaßlichen Spionage-Ballons vor der
       Küste des Bundesstaats South Carolina dauert noch an. Die USA erhoffen sich
       von der Untersuchung der Trümmerteile weitere Erkenntnisse über das
       chinesische Vorgehen.
       
       13 Feb 2023
       
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