# taz.de -- Memo-Studie zur Erinnerungskultur: Ungenügend für den Unterricht
> Dass Jugendliche wenig über die NS-Zeit wissen, liegt nicht an mangelndem
> Interesse. Hitler und Holocaust kommen im Lehrplan zu kurz.
IMG Bild: Berlin, September 2017: Schüler:innen, diskutieren während eines Klassenausflugs zum Holocaustmahnmal
Bei den Bildungsminister:innen sollten sämtliche Alarmglocken
schrillen. Wenn die Hälfte der 16- bis 25-Jährigen nicht den Zeitraum der
NS-Diktatur korrekt benennen kann, läuft gewaltig etwas schief. An
mangelndem Interesse liegt es nicht, wie die Ergebnisse der
[1][Memo-Jugendstudie] zeigen. Drei Viertel der Befragten wünscht sich
sogar mehr Faktenwissen im Unterricht zu Hitler & Holocaust.
Damit ist klar, dass die Älteren es ausnahmsweise mal nicht auf die
angebliche Gleichgültigkeit der jungen Generation schieben können. Es
bleibt nur ein Schluss: Die Wissenslücken hängen mit der Qualität des
Unterrichts zusammen. Natürlich ist der Job nicht unbedingt einfacher
geworden – allein, weil den Schulen die wichtigen Unterstützer:innen
wegsterben.
Lange Zeit konnten die Geschichtslehrer:innen darauf bauen, dass die
Erlebnisse von [2][Holocaust-Überlebenden] und anderer NS-Zeitzeug:innen
schon einen Großteil der Schüler:innen in ihren Bann ziehen würden. Umso
verwunderlicher ist, dass die meisten Bundesländer bis heute nicht mal den
Besuch einer KZ-Gedenkstätte vorschreiben. Dass man Lehrkräfte nicht zu
außerschulischen Angeboten zwingen könne, ist dabei vorgeschoben.
Zumindest von denen, die Geschichte oder Politik unterrichten, muss man
diesen Einsatz erwarten und einfordern dürfen. Wie so oft beim Thema Schule
hängt es vom Engagement einzelner (und nicht nur der Geschichts-)
Lehrkräfte ab, ob sich Jugendliche intensiver mit der NS-Zeit beschäftigen,
ob sie das [3][Tagebuch der Anne Frank] lesen oder Stolpersteine schrubben.
Die Bildungsminister:innen sind also gut beraten, wenn sie für dieses
Engagement mehr Freiräume schaffen – und Themen wie Rassismus,
Diskriminierung oder Ausgrenzung stärker in den Unterricht nehmen.
Schließlich gehört das alles zum Alltag heutiger Jugendlicher – und bietet
wertvolle Anknüpfungspunkte zur NS-Zeit. Es ist gut, dass manche Länder
genau dafür das Schulfach Politik gestärkt haben. Blöd ist nur, wenn das –
wie in Berlin – auf Kosten des Geschichtsunterrichts geht.
21 Feb 2023
## LINKS
DIR [1] https://www.stiftung-evz.de/was-wir-foerdern/handlungsfelder-cluster/bilden-fuer-lebendiges-erinnern/memo-studie/
DIR [2] /Holocaust-Ueberlebende-als-Zeitzeugen/!5827548
DIR [3] /Anne-Frank-Tag-an-deutschen-Schulen/!5856804
## AUTOREN
DIR Ralf Pauli
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