URI:
       # taz.de -- Unterbringung von Geflüchteten: Faeser lädt zu Gipfel ein
       
       > Die Zahl der Geflüchteten steigt, ihre Unterbringung ist eine
       > Herausforderung. Innenministerin Faeser plant deshalb einen
       > Flüchtlingsgipfel.
       
   IMG Bild: Kandidiert als Ministerpräsidentin in Hessen, kommt aktuell noch ihren Aufgaben als Innenministerin nach: Nancy Faeser
       
       Berlin dpa | Nach wiederholten Warnungen vor einer Überlastung der Kommunen
       durch [1][steigende Flüchtlingszahlen] hat Bundesinnenministerin Nancy
       Faeser ein neues Spitzentreffen angekündigt. Sie sehe, „dass nach wie vor
       Handlungsbedarf besteht, und deswegen werde ich jetzt wieder alle
       Beteiligten zu einem erneuten Flüchtlingsgipfel zu mir ins Haus einladen“,
       sagte die SPD-Politikerin am Sonntagabend in der ZDF-Sendung „Berlin
       direkt“. Sie werde die Einladungen noch in dieser Woche verschicken, „weil
       ich glaube, wir müssen in einer gemeinsamen Kraftanstrengung alles dafür
       tun, die Kommunen zu entlasten“.
       
       Einen Termin für das Treffen nannte sie nicht. Im Oktober hatte es bereits
       einen Flüchtlingsgipfel von [2][Innenministerin Faeser] mit Vertretern von
       Ländern und Kommunen gegeben.
       
       Die Spitze der Unionsfraktion hatte zuletzt angesichts der zunehmenden
       Schwierigkeiten bei der Unterbringung von Geflüchteten sogar einen Gipfel
       von Kanzler Olaf Scholz (SPD) mit den Bundesländern gefordert. Auch Hessens
       Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte in der ARD-Sendung „Bericht aus
       Berlin“: „Der Bundeskanzler muss das jetzt zur Chefsache machen. Der Druck
       ist enorm.“ Sein Eindruck sei, dass es überhaupt nicht angekommen sei beim
       Bund, in welch [3][schwieriger Lage die Länder und Kommunen] seien.
       
       Rhein forderte in dem Interview, das vor Faesers Ankündigung geführt wurde,
       bei einem solchen Gipfel auch über Geld zu reden. Man müsse aber auch über
       die Möglichkeiten der Bundesregierung sprechen, die Migration zu steuern
       und zu begrenzen.
       
       Faeser sagte im ZDF, ihr Haus stehe im stetigen Austausch mit den
       kommunalen Spitzenverbänden, und betonte: „Wir haben schon einiges getan.“
       So habe der Bund „weit über 300“ Bundesliegenschaften zur Verfügung
       gestellt und helfe finanziell sehr stark. „Wir haben für das letzte Jahr
       allein 3,25 Milliarden für die Kommunen gegeben. Wir haben jetzt für das
       neue Jahr schon 2,7 Milliarden zur Verfügung gestellt. Aber wir drängen
       auch darauf, dass die Länder diese Gelder eins zu eins weiterzugeben, das
       ist nicht in jedem Bundesland der Fall.“ Sie setze sich zudem auf
       europäischer Ebene für eine „solidarischere Verteilung“ von Geflüchteten
       ein.
       
       In Deutschland hatten im vergangenen Jahr so viele Menschen Asyl beantragt
       wie seit 2016 nicht mehr. Knapp 218.000 Menschen stellten laut
       Jahresstatistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge erstmalig in
       Deutschland ein solches Schutzersuchen. Das waren knapp 47 Prozent mehr als
       2021. Die rund eine Million Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, die im
       vergangenen Jahr in Deutschland Aufnahme fanden, mussten keinen Asylantrag
       stellen. Sie erhalten auf Basis einer EU-Richtlinie unmittelbar
       vorübergehenden Schutz.
       
       Filiz Polat, Parlamentarische Geschäftsführerin der
       Grünen-Bundestagsfraktion, forderte zusätzliche Maßnahmen zur Integration
       der Menschen. „Wir wollen endlich, dass Geflüchtete nicht mehr verpflichtet
       werden, in Erstaufnahmeeinrichtungen zu wohnen, obwohl sie bei Verwandten
       unterkommen könnten“, sagte sie der Welt. Damit würden zügig freie
       Kapazitäten geschaffen, die Integration erleichtert und die Unterbringung
       in Turnhallen vermieden. „Wir wollen, dass Arbeitsverbote für Geflüchtete –
       gerade in Zeiten des Arbeitskräftemangels – endlich der Vergangenheit
       angehören“, fügte Polat hinzu. „Die entsprechende Gesetzreform muss die
       Innenministerin nun zügig auf den Weg bringen.“
       
       6 Feb 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Unterbringung-von-Gefluechteten/!5910573
   DIR [2] /Bundesinnenministerin-bei-Landtagswahl/!5913367
   DIR [3] /Geplante-Asylunterkunft-in-Leipzig/!5913595
       
       ## TAGS
       
   DIR Nancy Faeser
   DIR Migration
   DIR Schwerpunkt Flucht
   DIR Innenministerium
   DIR Asylpolitik
   DIR Unterbringung von Geflüchteten
   DIR Geflüchtete
   DIR Landtagswahl in Hessen
   DIR Flüchtlinge
   DIR Geflüchtete
   DIR Nancy Faeser
   DIR Schwerpunkt AfD
   DIR Asylrecht
   DIR wochentaz
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Vor Landtagswahl in Hessen: CDU weit vor Grünen und SPD
       
       In Umfragen sieben Monate vor der Landtagswahl in Hessen hat die
       SPD-Spitzenkandidatin Nancy Faeser wenig Zuspruch bei hessischen Wählern.
       
   DIR Beispielhafte Flüchtlingsaufnahme: Nordhorns Kraftakt
       
       Die kleine Stadt Nordhorn hat alles richtig gemacht. Sammelunterkünfte für
       Flüchtlinge gibt es hier nicht. Ein Ortsbesuch vor dem Flüchtlingsgipfel.
       
   DIR Kommune im Harz sieht sich überfordert: Kurort fürchtet Flüchtlingsstress
       
       Die Landesaufnahmebehörde plant in Bad Sachsa eine Außenstelle des Lagers
       Friedland. Bürgermeister und Rat der Stadt befürchten eine Überforderung.
       
   DIR Geplanter Flüchtlingsgipfel: Forderung nach „Masterplan“
       
       Der Städte- und Gemeindebund fordert vom angekündigten Flüchtlingsgipfel
       klare Ergebnisse. Die Unterbringung von Geflüchteten müsse besser
       organisiert werden.
       
   DIR Politikwissenschaftler über 10 Jahre AfD: „Die AfD verrottet von unten“
       
       Auch in der Opposition richtet die AfD Schaden an, sagt
       Rechtsextremismusforscher Gideon Botsch. Er glaubt aber, dass die
       Brandmauer hält.
       
   DIR Mehr Geld für alleinstehende Geflüchtete: Ein Flüchtlingsheim ist keine WG
       
       Bremen darf das Zusammenleben in einer Gemeinschaftsunterkunft nicht als
       Lebensgemeinschaft werten. So hatte der Senat Leistungskürzungen begründet.
       
   DIR Unterbringung von Geflüchteten: Wer schafft was?
       
       Es kommen wieder deutlich mehr Menschen nach Deutschland. Wie man jetzt die
       Situation für Geflüchtete und deutsche Kommunen verbessern könnte.