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       # taz.de -- Gedenkfeier zur Schlacht um Stalingrad: Der Diktator als Opfer
       
       > Am 80. Jahrestag gedenkt Putin des sowjetischen Siegs in der Schlacht von
       > Stalingrad. In seiner Rede mutiert Russland vom Aggressor zum
       > Verteidiger.
       
   IMG Bild: Putin nimmt an einer Gedenkfeier des 80. Jahrestages der Schlacht von Stalingrad teil
       
       Eins muss man Wladimir Putin lassen: Russlands Präsident hat ein Händchen
       für Gedenktage – vor allem dann, wenn sie für viele Russ*innen immer noch
       in hohem Maße identitätsstiftend und daher politisch leicht zu
       instrumentalisieren sind. So gesehen hält sich der Erkenntnisgewinn in
       Grenzen, was die Rede des Kremlchefs zum 80. Jahrestag der [1][Schlacht um
       Stalingrad] angeht. Dort ließen bekanntlich auch viele ukrainische Soldaten
       ihr Leben, was die Kreml-Propaganda geflissentlich ausblendet.
       
       Doch Ignoranz ob Putins Auftritt wäre absolut fehl am Platze. Denn von dem
       Ort des Sieges über Nazi-Deutschland, dem heutigen Wolgograd, führt der Weg
       direkt in die Ukraine. Dort kämpft Russland nicht nur einen heldenhaften
       Kampf gegen vermeintliche Faschisten – eine abstruse Behauptung, die seit
       fast einem Jahr als Begründung für Moskaus Angriffskrieg gegen den Nachbarn
       herhalten muss und auch in einschlägigen westlichen Kreisen immer noch auf
       fruchtbaren Boden fällt.
       
       Nein, mittlerweile ist Moskau im Krieg mit dem „kollektiven Westen“, der
       sein hässliches faschistisches Antlitz zeigt und das Land, auch [2][mit
       deutschen Leopard-Panzern], bedroht. Putins Reich ist vom Aggressor zum
       Verteidiger mutiert. Die perfekte Umdeutung einer Täter-Opfer-Relation – so
       einfach ist das.
       
       Wer, so das offizielle Narrativ, in einer derart hehren Mission unterwegs
       ist und sich im Besitz der Wahrheit wähnt, kann gar nicht anders agieren
       denn nach dem Grundsatz: Der Zweck heiligt die Mittel. Dabei legitimiert
       der Rückgriff auf Geschichte Gewalt – und das immer wieder aufs Neue. Will
       heißen: Ukrainische Städte und Dörfer werden weiter dem Erdboden gleich
       gemacht, Leben von Zivilist*innen ausgelöscht. Russische Soldaten
       werden ohne Rücksicht auf Verluste sinnlos verheizt, Kritiker*innen der
       sogenannten Spezialoperation im eigenen Land mit brutalsten Methoden zum
       Schweigen gebracht.
       
       Wo soll da noch Raum für Verhandlungen sein? Das mögen diejenigen erklären,
       die diese Option immer noch für einen gangbaren Weg halten und sie
       lautstark einfordern. Und sie müssten eins dazu sagen: Dass sie bereit
       wären, um des lieben Friedens willen, die Ukraine zu opfern. Und nicht nur
       sie.
       
       3 Feb 2023
       
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