URI:
       # taz.de -- Von der Kiezversammlung im Wedding: Applaus für alle Streikenden
       
       > Es gibt kämpferische Reden und persönliche Berichte von Aktivisten auf
       > der Kiezversammlung von „Genug ist genug“. Und viele Gemeinsamkeiten.
       
   IMG Bild: Demos gegen Mietenwahnsinn gab und gibt es in Berlin-Wedding immer wieder (ein Archivbild) +++ dpa-Bildfunk +++ Aufnahmedatum 30.04.2019 Bildnachweis picture alliance/dpa | Jörg Carstensen
       
       Berlin taz | Der große Saal im City Kino Wedding war am Montagabend bis auf
       den letzten Platz gefüllt. Es gab allerdings keinen Film zu sehen, dafür
       über zwei Stunden kämpferische Reden und auch sehr persönliche Berichte von
       Aktivist*innen aus verschiedenen sozialen und gewerkschaftlichen
       Initiativen. Das Bündnis „Genug ist genug“ (GiG) hatte zur Kiezversammlung
       gegen hohe Preise und den Mietenwahnsinn in das Kino aufgerufen.
       
       Das Bündnis GiG hat es sich zum Ziel gesetzt, unterschiedliche linke
       politische Initiativen mit Gewerkschafter*innen und Beschäftigten zu
       verbinden, die aktuell in Tarifkämpfen für höhere Löhne und bessere
       Arbeitsbedingungen streiten. Wie schon bei der ersten von GiG organisierten
       Berliner Stadtteilkonferenz im Oktober 2022 in Neukölln funktionierte auch
       im Wedding das Konzept der Vernetzung sehr unterschiedlicher Gruppierungen
       und Menschen hervorragend.
       
       Nach einen jungen Redner der [1][Kiezkommune Wedding], der für eine
       antikapitalistische Perspektive plädierte, sprach ein Mitbegründer der
       Initiative „Wir sind Armutsbetroffene“, der für ein Programm der sozialen
       Reformen für die einkommensarme Bevölkerung eintrat und statt dem
       49-Euro-Ticket ein Recht auf Mobilität für alle forderte.
       
       Besonders kräftig applaudiert wurde den Beschäftigten der
       Krankenhausbewegung, der Berliner Stadtreinigung (BSR) und der Post, die
       sich aktuell in Tarifauseinandersetzungen befinden. Die Warnstreiks der
       Postzusteller*innen waren erst der Anfang, erklärte eine Kollegin in
       einer kämpferischen Ansprache. Schließlich wolle man eine Lohnerhöhung von
       15 Prozent durchsetzen, weil die Post in der Zeit der Pandemie massive
       Profite gemacht habe. Sie rief alle Anwesenden zur Solidarität auf. Für ein
       Handyfoto wurden vorbereitete Plakate hochgehalten, die zur Solidarität mit
       den Postzusteller*innen aufriefen.
       
       ## Kampf gegen hohe Mieten
       
       Im Wedding unterstützen außerparlamentarische Linke wie die
       Stadtteilinitiative „Hände weg vom Wedding“ bereits seit Jahren
       gewerkschaftliche Kämpfe; Clemens berichtete über den „Solidaritätstreff
       Soziale Arbeit im Kapitalismus“, der sich vor drei Jahren gründete. Jeden
       dritten Mittwoch im Monat treffen sich im [2][Kiezhaus Agnes Reinhold]
       Sozialarbeiter*innen aus ganz Berlin.
       
       Der Kampf gegen hohe Mieten wurde beim Kieztreffen von einen Mieter der vom
       Abriss bedrohten Häuserzeile Habersaathstraße 40–48 in einer engagierten
       Rede angesprochen. Er verwies auch darauf, dass die einst kommunalen
       Gebäude erst 2006 privatisiert wurden. Damals regierte in Berlin eine
       Koalition aus SPD und Linke. Daran wurde die Landesgeschäftsführerin der
       Berliner Linken, Katina Schubert, nach ihrer kurzen Rede erinnert. Die
       Partei gehörte zu den Mitorganisator*innen der Konferenz. Schubert
       setzte sich für die schnelle Umsetzung des Volksbegehrens für die
       Enteignung von Deutsche Wohnen ein.
       
       Eine Besucherin sagte der taz, sie habe die Bereitschaft der
       unterschiedlichen Gruppen beeindruckt, an diesem Abend die Gemeinsamkeiten
       und nicht das Trennende in den Mittelpunkt zu stellen. Sie hofft, dass es
       in der nächsten Zeit auch wieder mehr Straßenproteste geben wird.
       
       Bereits am kommenden Samstag mobilisiert das [3][autonome Krisenbündnis
       „Der Preis ist heiß“] zu einer Demo gegen hohe Preise und Mieten,
       Kriegspropaganda und Umweltzerstörung. Sie soll am 4. Februar um 17 Uhr am
       Hermannplatz in Neukölln starten.
       
       31 Jan 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://kiezkommune.noblogs.org/post/2020/04/15/corona-nachbarschaftshilfe-im-wedding/
   DIR [2] https://www.kiezhaus.org/
   DIR [3] https://derpreisistheiss.noblogs.org/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Peter Nowak
       
       ## TAGS
       
   DIR Arbeitskampf
   DIR Streikrecht
   DIR Gentrifizierung
   DIR Berlin-Wedding
   DIR Warnstreik
   DIR Lohnerhöhung
   DIR Kolumne Bewegung
   DIR Vivantes
   DIR Kunsträume Berlin
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Weitere Warnstreiks bei der Post: Briefe und Pakete bleiben liegen
       
       Die Angestellten bei der Deutschen Post streiken auch Dienstag für bessere
       Löhne. Die Zustellung von vielen Briefen und Paketen verzögert sich.
       
   DIR Tarifkonflikt bei der Deutschen Post: Neue Woche, neue Warnstreiks
       
       Die Beschäftigten der Deutschen Post fordern mit den Warnstreiks weiterhin
       15 Prozent mehr Lohn. Der Arbeitgeber will diese Woche ein Angebot
       vorlegen.
       
   DIR Soziale Bewegungen in Berlin: Organisiert gegen Verdrängung
       
       Die Mühlen der Gentrifizierung mahlen weiter und es ist nur eine Frage der
       Zeit bis zur nächsten Räumung. Dagegen hilft Solidarität und Vernetzung.
       
   DIR Arbeitskampf im öffentlichen Dienst: Die Wahl bestreiken
       
       Tausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes wollen noch vor den Wahlen
       streiken. Im Wahlkampf sagt die Politik Unterstützung zu.
       
   DIR Künstler*innen in Berlin: Wenig hilfreich für Kollektive
       
       Die Stadt wird teurer, Künstler*innen werden weiter verdrängt. Betroffen
       sind auch die Treptow Ateliers, die nun ausziehen müssen.