# taz.de -- Waldproteste eskalieren: Aktivist:in in Atlanta erschossen
> Bei der Räumung eines Waldes in Atlanta hat die Polizei Manuel Teran,
> eine:n Umweltaktivist:in getötet. Die Beamten erheben
> Terrorismusvorwürfe.
IMG Bild: Polizisten am Einsatzort in Atlanta, wo ein:e Aktivist:in bei der Räumung eines Protestcamps erschossen wurde
Atlanta taz | In Atlanta im US-amerikanischen Bundesstaat Georgia hat die
Staatspolizei eine:n Umweltaktivist:in erschossen. Manuel Teran (26
Jahre) hatte sich mit anderen Aktivist:innen gegen die Rodung des South
River Forests im Südosten der Stadt gewehrt und einen Teil des Waldes
besetzt gehalten. Am Mittwoch war die Polizei nach Angaben der Umweltgruppe
schwer bewaffnet in den Wald eingedrungen, [1][um die Räumung
voranzutreiben].
Staatspolizist:innen und die staatliche Strafverfolgungsbehörde
Georgia Bureau of Investigation erklärten, Teran habe zuerst geschossen und
einen Polizisten verletzt – die Polizei habe sich mit dem tödlichen Schuss
verteidigen wollen. Wie unter anderem [2][das Atlanta Press Collective]
berichtet, stellen die Aktivist:innen die polizeiliche Darstellung in
Frage und fordern, dass die Bodycam-Aufnahmen der Beamt:innen
offengelegt werden. Der Konflikt zwischen den Aktivist:innen [3][und
der Polizei] hatte sich zuvor immer zugespitzt.
2021 gab der Stadtrat grünes Licht für den Bau der sogenannten „Cop City“ –
das landesweit größte Polizeischulungszentrums, auf den Grünflächen des
South River Forests. Geplant sind dort laut der Initiative „Stop Cop City“
unter anderem militärische Ausbildungseinrichtungen, eine Stadtkulisse, auf
der urbane Kriegsführung geübt werden kann, Dutzende von Schießständen und
ein Hubschrauberlandeplatz. Die Ausbildungsstätte soll sich auf über 85
Hektar erstrecken. Große Bereiche des Waldes wurden dafür bereits gerodet.
Seit fast zwei Jahren gibt es Proteste gegen das 90 Millionen US-Dollar
schwere Projekt. „Stop Cop City“ kritisiert, dass die Stadt Atlanta die
Gegenstimmen der mehrheitlich Schwarzen Anwohner:innen ignoriere.
Außerdem handele es sich bei der verpachteten Fläche um gestohlenes Land,
das einst den indigenen Muskogee gehörte. In Anlehnung daran nennen die
Aktivist:innen das Waldgebiet auch bei seinem indigenen Namen,
Weelaunee Forest.
## Gewaltsamer Konflikt zwischen Polizei und Aktivist:innen
Laut den Waldbesetzer:innen ist die [4][Polizei zuletzt immer
gewaltsamer] gegen die Proteste vorgegangen – so die Berichte [5][auf der
Nachrichtenseite The Daily Beast]. Die Polizei hingegen spreche von
zunehmender Gewalt aufseiten der Protestierenden und werfe ihnen vor,
Steine, Glasflaschen und Molotowcocktails auf Streifenwagen geworfen zu
haben. Einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf Manuel Teran wurden sieben
Mitglieder der Umweltbewegung festgenommen und wegen „inländischen
Terrorismus“ angeklagt.
In Gedenken an Teran sind am Donnerstag bereits hunderte Menschen zu einer
Mahnwache in der Innenstadt Atlantas zusammengekommen. Eine zweite
Mahnwache ist für heute, Freitagabend geplant.
20 Jan 2023
## LINKS
DIR [1] /Waldbesetzung-bei-Frankfurt/!5910111
DIR [2] https://atlantapresscollective.com/2023/01/18/press-release-police-murder-protestor-in-atlanta-forest/
DIR [3] /Polizeigewalt-in-Wisconsin/!5709113
DIR [4] /Polizeigewalt-gegen-Schwarze/!5889026
DIR [5] https://www.thedailybeast.com/how-a-police-protest-in-atlanta-over-cop-city-launched-a-domestic-terrorism-warzone
## AUTOREN
DIR Nanja Boenisch
## TAGS
DIR Schwerpunkt Klimawandel
DIR Wald
DIR Besetzung
DIR Polizeigewalt
DIR GNS
DIR Frankfurt/Main
DIR Demonstration
DIR Polizei
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Waldbesetzung bei Frankfurt: Fechenheimer Wald geräumt
Nach Lützerath hat die Polizei auch den Fechenheimer Wald bei Frankfurt
geräumt. „Noch ist es nicht vorbei“, sagen die AktivistInnen dennoch.
DIR Polizeigewalt in Lützerath: Demokratie erleben, Nase gebrochen
Ein politischer Familienausflug endet mit Verletzungen. In Lützerath hat
nicht nur der Kampf gegen den Klimawandel eine Niederlage erlitten.
DIR Gewalt durch Beamt:innen: Polizei erschoss 2022 zehn Menschen
Eine neue Statistik zeigt, dass deutsche Polizist:innen vergleichsweise
selten zur Waffe greifen. Doch Fälle, in denen es passiert, werfen Fragen
auf.