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       # taz.de -- Pittelkow und Riedel „Rechts unten“: Rechte Netzwerke, interne Kämpfe
       
       > „Rechts unten“ von Sebastian Pittelkow und Katja Riedel ist eine
       > langjährige Recherche zur AfD. Und ein Blick auf eine sich
       > radikalisierende Partei.
       
   IMG Bild: „FCK AFD“ – was sonst? Ein Buch gibt Einblick in die sich radikalisierende AfD
       
       Der Verfassungsschutzchef Thomas Haldenwang hat kürzlich gesagt, [1][dass
       er kaum noch Widerstände gegen Rechtsextremismus in der AfD sehe]. Im Buch
       „Rechts unten“ der WDR-Investigativjournalistin Katja Riedel und ihres
       NDR-Kollegen Sebastian Pittelkow erfährt man detailliert, wie es dazu in
       den fast zehn Jahren seit Parteigründung 2013 kam.
       
       Riedel und Pittelkow haben Hunderte Hintergrundgespräche geführt,
       Zehntausende Chatnachrichten gelesen, vertrauliche Mails ausgewertet, sind
       zu Parteitagen gefahren und folgten der Spur des Geldes bis ins Ausland.
       
       Sie redeten mit Rechten, um abzubilden, was hinter den Kulissen der AfD
       läuft, wie sich die Partei radikalisiert, welche Skandale sich abspielen
       und wie hart Machtkämpfe geführt werden und wie die AfD darüber
       hinwegtäuschen will, dass sie eine reine Dagegen-Partei ohne konstruktive
       Politikansätze ist.
       
       ## Abgründe der AfD
       
       Das Buch ist eine Zusammenfassung all ihrer Recherchen und der Titel ist
       Programm: „Rechts unten“ nimmt Leser*innen dorthin mit, wo die meisten
       wohl eigentlich niemals hinwollten – in die Abgründe der sich seit ihrer
       Gründung stetig radikalisierenden AfD. Man bekommt seltene Einblicke bei
       anonymisierten Informant*innen, Hintergrundgesprächen und auf
       Recherchereise quer durch die Republik.
       
       Aufgeschrieben ist das Buch im Stile einer sachlich gehaltenen Reportage
       aus der Wir-Perspektive. Für teilweise absurde Wendungen und einen
       Gruselfaktor sorgt allein schon der Berichtsgegenstand: Man wird Zeuge
       harter Grabenkämpfe, NS-Verherrlichung, antidemokratischer Umsturzfantasien
       und von offenem Rassismus.
       
       Und so lässt es schaudern, wenn die Autor*innen im Original-Wortlaut aus
       internen Mails oder direkt aus der Chat-Gruppe der ersten
       AfD-Bundestagsfraktion zitieren – Triggerwarnung Faschismus.
       
       ## „UNSER Volkskörper“
       
       So heißt es in einer älteren Rundmail des aktuellen Bundesvorstands und
       Abgeordneten Peter Boehringer: „Die Merkelnutte jedoch lässt jeden rein,
       sie schafft das. Dumm nur, dass es UNSER Volkskörper ist, der penetriert
       wird. […] Es ist Genozid, der in weniger als zehn Jahren erfolgreich
       beendet sein wird, wenn wir die Kriminelle nicht stoppen.“
       
       Vor dem Hintergrund, dass Boehringer sich auch an
       verschwörungsideologischen Coronaprotesten beteiligte und an eine
       angebliche „New World Order“ glaubt, scheint es dann auch weniger
       verwunderlich, dass ihm ein gutes Verhältnis zur kürzlich unter
       Terrorverdacht inhaftierten [2][Berliner AfD-Richterin Birgit
       Malsack-Winkemann nachgesagt wird].
       
       Besonders verdienstvoll aber sind die komplexen Recherchen rund um die
       Spendenskandale der Partei und mögliche Einflussnahmen. Es geht um
       verdeckte Wahlkampfspenden über einen Tarnverein, illegale Parteispenden
       und die Rolle von rechten Milliardären wie dem mittlerweile verstorbenen
       August von Finck und dem Schweizer Henning Conle.
       
       Nicht minder interessant ist auch das Netzwerk um den „Politikberater“ Tom
       Rohrböck und dessen parteiintern nie aufgeklärte dubiose Einflussnahme,
       inklusive Einladungen zahlreicher Abgeordneter in Luxushotels – auch der
       AfD-Chefin Alice Weidel. Mit Blick auf die letzten Monate ist aber auch das
       Kapitel über Auslandskontakte spannend: Insbesondere natürlich die
       „Liebesdienste“ für Moskau und Besuche im russischen Einflussgebiet.
       
       ## Detaillierter Überblick über die AfD
       
       Für diejenigen, die sich ernsthaft und ausführlich mit Details,
       Hintergründen, Ausrichtung, Personal und Verbindungen innerhalb der
       rechtsradikalen Partei auseinandersetzen wollen, ist „Rechts unten“
       deswegen unbedingt empfehlenswert und hält auch für langjährige
       Beobachter*innen viel Neues bereit. Wer allerdings nur einen kurzen
       Überblick zur AfD sucht oder sich ins Thema einlesen will, wird angesichts
       der Detailfülle eventuell abgeschreckt sein.
       
       Einer unter vielen Befunden ist am Ende, dass die Teilorganisation des
       offiziell aufgelösten rechtsextremen Flügels von Björn Höcke in der
       Gesamtpartei nahtlos aufgegangen ist und diese inhaltlich anführt. Ob und
       dass sich Kräfte in der AfD Höcke noch in den Weg stellen können, scheint
       den Autor*innen der Partei also ebenso fraglich wie dem Geheimdienstchef
       Haldenwang.
       
       24 Jan 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.tagesschau.de/inland/afd-verfassungsschutz-195.html
   DIR [2] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_100096734/so-gut-war-die-terrorverdaechtige-malsack-winkemann-in-der-afd-vernetzt.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Gareth Joswig
       
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