# taz.de -- Rechtsstreit um den Soli: Lindner verärgert SPD und Grüne
> Das Finanzministerium schickt keinen Vertreter zur Verhandlung des
> Solidaritätszuschlags am Bundesfinanzhof am Dienstag. Das kritisieren
> seine Koalitionspartner.
IMG Bild: Der Bundesfinanzhof verhandelt über die Verfassungsmäßigkeit des Solidaritätszuschlags
Berlin afp | Politiker von SPD und Grünen kritisieren das Verhalten von
Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) im Rechtsstreit [1][um den
Solidaritätszuschlag]. „Es wäre zu erwarten, dass geltendes Bundesrecht vor
dem obersten Finanzgericht nicht alleine vom beklagten Finanzamt, sondern
auch vom zuständigen Bundesministerium vertreten wird“, sagte der
SPD-Finanzpolitiker Michael Schrodi den Zeitungen der Funke Mediengruppe
vom Dienstag. „Ich hätte mir gewünscht, dass es eine stärkere Trennung
zwischen Parteivorsitz und Finanzminister gibt.“
Der Bundesfinanzhof (BFH) in München verhandelt am Dienstag in einem
Musterverfahren darüber, ob die Erhebung des Soli seit dem Jahr 2020 noch
verfassungsgemäß ist. Das Bundesfinanzministerium war dem Verfahren vor
Lindners Amtszeit als Nebenbeteiligter beigetreten, zog den Beitritt
kürzlich aber wieder zurück. Damit wird kein Vertreter des Ministeriums an
der Verhandlung teilnehmen. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung traf
Lindner die Entscheidung persönlich.
Der Vorgang sei „ungewöhnlich“, kommentierte der Sozialdemokrat Schrodi.
Außerdem seien Steuerausfälle durch eine „Verschonung der obersten
Einkommen“ derzeit nicht zu verkraften. Der Soli wird derzeit nur noch von
Menschen mit besonders hohem Einkommen gezahlt.
„Es hat uns überrascht, dass Christian Lindner vom bisherigen Kurs
abweicht“, sagte die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag,
Katharina Beck, den Funke-Zeitungen zum Rückzug des Ministeriums aus dem
Gerichtsverfahren. Unabhängig von der Gerichtsverhandlung und der Zukunft
des Soli könne der Bund derzeit nicht auf Einnahmen verzichten, betonte
auch sie. Wie das sichergestellt werde, müsse „weiter in der Koalition
beraten“ werden.
Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte den Zeitungen, [2][Minister
Lindner] setze mit der Entscheidung gegen eine eigene Vertretung in dem
Verfahren um den Solidaritätszuschlag nur um, was schon lange seine
Position sei. Die FDP ist für eine vollständige Abschaffung des
Solidaritätszuschlags.
17 Jan 2023
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