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       # taz.de -- Pistorius neuer Verteidigungsminister: „Will die Bundeswehr stark machen“
       
       > Boris Pistorius, künftiger Bundesverteidigungsminister, will die
       > Bundeswehr bei Modernisierungen „ganz eng“ mitnehmen. Am Donnerstag soll
       > er vereidigt werden.
       
   IMG Bild: Boris Pistorius (SPD) war bislang Innenminister von Niedersachsen
       
       Düsseldorf/Hannover afp/dpa | Der künftige Bundesverteidigungsminister
       Boris Pistorius will die Angehörigen der Bundeswehr bei der Modernisierung
       der Truppe „ganz eng“ mitnehmen. Der SPD-Politiker versicherte am Dienstag
       in Hannover, dass er sich vor die Soldatinnen und Soldaten stellen werde.
       Er übernehme das Amt sehr gern und wisse um dessen Bedeutung in schwierigen
       Zeiten. Die Aufgaben für die Truppe seien gewaltig. „Ich will die
       Bundeswehr stark machen“, betonte Pistorius.
       
       Der scheidende Innenminister von Niedersachsen sagte weiter, er gehe das
       neue Amt mit Demut und Respekt an. Es sei eine große Ehre für ihn. Er wolle
       sich vom ersten Tag an zu 150 Prozent in die Arbeit stürzen. Der
       zurückgetretenen Ministerin Christine Lambrecht (SPD) bescheinigte er, dass
       sie den Anfang für die Neuaufstellung der Bundeswehr gemacht habe.
       
       Lambrecht hatte am Montag um Entlassung gebeten. Ihr Nachfolger Pistorius
       soll am Donnerstag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die
       Ernennungsurkunde erhalten und im Bundestag vereidigt werden.
       
       Pistorius gilt als erfahrener Politmanager. Im Kreis der Innenminister von
       Bund und Ländern hat sich Pistorius in den vergangenen Jahren einen Ruf als
       kenntnisreicher Fachpolitiker erworben. Auch wenn er stets in Niedersachsen
       blieb, war er auch an der innenpolitischen Positionierung der Bundes-SPD in
       Wahlkämpfen und an Koalitionsverhandlungen beteiligt.
       
       Bei den Innenministerkonferenzen machte es dem als pragmatisch geltenden
       Pistorius immer sichtlich Freude, sich mit Konservativen wie dem früheren
       Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf offener Bühne zu streiten,
       schlagfertig, mit spitzen Bemerkungen, aber nie respektlos. Zur
       Idealbesetzung für den Posten des Verteidigungsministers macht Pistorius
       vielleicht auch sein Alter. Mit 62 Jahren kann ein Politiker schließlich
       ganz entspannt das Chefbüro im Bendlerblock beziehen, das gemeinhin als
       Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller gilt.
       
       Pistorius wurden immer wieder Ambitionen für ein politisches Amt auf
       Bundesebene nachgesagt. Es gab beispielsweise Gerüchte, er könnte
       Bundesinnenminister werden, sofern Nancy Faeser bei der Landtagswahl in
       Hessen als Spitzenkandidatin für die SPD antritt.
       
       Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sieht den künftigen
       Verteidigungsminister als geeignet für das neue Amt an. „Boris Pistorius
       ist ein sehr erfahrener Politiker, der in schwierigen Situationen über die
       nötige Nervenstärke verfügt“, hieß es in einer Mitteilung des Vizekanzlers
       am Dienstag. Er habe Pistorius immer als verbindlich und verlässlich
       erlebt. Der künftige Verteidigungsminister übernehme das Amt in sehr
       entscheidenden Zeiten, betonte Habeck mit Blick auf den Angriff Russlands
       auf die Ukraine. Die Vorzeichen für die Sicherheits- und
       Verteidigungspolitik hätten sich geändert. Es seien auch kurzfristig
       wichtige Entscheidungen zu treffen.
       
       SPD-Chef Lars Klingbeil hat Pistorius als ideale Besetzung für das Amt des
       Verteidigungsministers bezeichnet. Gleichzeitig betonte er, dass die Frage
       der Parität von Männern und Frauen weiterhin wichtig bleibe – dem
       Bundeskanzler und der SPD-Spitze.
       
       „Boris Pistorius ist in dieser herausfordernden Zeit der Richtige für den
       Job als Verteidigungsminister an der Spitze des Ministeriums“, sagte
       Klingbeil am Dienstag vor einer Klausur der bayerischen
       SPD-Landtagsfraktion in München. „Und er wird zeigen, dass er die
       Bundeswehr und die deutsche Sicherheitspolitik durch diese herausfordernde
       Phase der Zeitenwende gut führen kann.“
       
       Pistorius absolvierte eine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Von
       1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er
       Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius ist bereits seit
       2013 Innenminister in Niedersachsen, vor wenigen Monaten begann seine
       dritte Amtszeit. Zuvor war er von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister in
       Osnabrück. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter.
       
       ## Forderungen nach Parität
       
       Zuvor hatte es aus verschiedenen Richtungen konkrete Forderungen an die
       Nachfolgeregelung gegeben. Einige Politiker*innen wurden als möglicher
       Nachfolger*innen gehandelt.
       
       Befragt zu seinen Ambitionen, sagte etwa Hubertus Heil in der ARD-Sendung
       „Hart aber fair“: „Ich bin Bundesarbeitsminister und habe viel vor – und
       zwar in dem Amt.“
       
       Ebenfalls vage über ihre Ambitionen äußerte sich die Vorsitzende des
       Bundestagsverteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP):
       „Es stellt sich nicht die Frage, was man gerne machen würde oder nicht“,
       sagte sie in den ARD-“Tagesthemen“. Die derzeitige Situation sei alles
       andere als schön. Nach dem Rücktritt von Lambrecht müsse man nun „sofort
       den Schalter umlegen und sehen, wer in der Lage ist, dieses Amt zu führen“.
       
       An der Spitze des Verteidigungsressorts müsse jemand stehen, der trotz
       aller Loyalität zum Kanzler „am Kabinettstisch die Interessen der
       Soldatinnen und Soldaten laut vertreten“ könne, sagte Strack-Zimmermann. Es
       dürfe keine Person sein, „die das als Sprungbrett sieht für weitere
       Aufgaben“. Jeder, der jetzt das Amt übernehme, „muss sich der
       Ernsthaftigkeit klar sein“, forderte die FDP-Politikerin.
       
       Auch die Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger verwies auf die
       großen Probleme: „In Zeiten des Krieges auf unserem Kontinent und
       angesichts der komplexen Herausforderungen in dem [1][schwierigsten aller
       Ressorts] braucht es in der Nachfolge jemanden, der oder die die seit
       Jahren bekannten und liegen gebliebenen Probleme endlich anpackt“, sagte
       die stellvertretende Fraktionsvorsitzende dem Redaktionsnetzwerk
       Deutschland.
       
       17 Jan 2023
       
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