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       # taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Noch Zivilisten in Soledar
       
       > Die von Russland verkündete Einnahme der Stadt sei Propaganda, sagt
       > Selenski. Derweil wechselt Moskau seinen Ukraine-Kommandeur aus.
       
   IMG Bild: Hart umkämpfte Region: Das ukrainische Militär nahe Soledar
       
       ## Moskau will Luftlandeeinheiten als Elitetruppen nutzen
       
       Nach monatelangem Einsatz als Bodentruppen will Russland nach britischer
       Einschätzung seine Luftlandeeinheiten in der Ukraine wieder als Elitetruppe
       nutzen. Kommandeure versuchten vermutlich, die Fallschirmjäger im Donbass
       im Osten des Landes sowie im Süden „mehr im Einklang mit ihrer eigentlichen
       Rolle als relativ elitäre schnelle Eingreiftruppe“ einzusetzen, teilte das
       britische Verteidigungsministerium am Donnerstag in seinem täglichen
       Geheimdienst-Update mit.
       
       So würden seit Jahresbeginn offensichtlich Teile der 76.
       Garde-Luftsturm-Division bei Kreminna eingesetzt, da Russland diesen
       Frontabschnitt als besonders verletzlich einstufe, hieß es in London. Nahe
       der Stadt im Gebiet Luhansk, wo ukrainische Truppen angreifen, sowie um
       Soledar im Gebiet Donezk, wo russische Einheiten vorrücken, sei zuletzt
       erbittert gekämpft worden. (dpa)
       
       ## Noch Zivilisten in Soledar
       
       In der ostukrainischen Stadt Soledar harren nach Angaben des Donezker
       Gouverneurs Pawlo Kyrylenko noch 559 Zivilisten aus. Darunter seien 15
       Kinder. Wegen der heftigen Kämpfe sei es unmöglich, sie aus der Stadt zu
       evakuieren. Vor dem Krieg lebten in dem Ort 10.500 Menschen. (rtr)
       
       ## Selenski begrüßt Polens Panzer-Initiative
       
       Der ukrainische Präsident Selenski hat die Initiative Polens, [1][seinem
       Land Leopard-Kampfpanzer zur Verfügung zu stellen], freudig begrüßt.
       „Vielen Dank an Präsident Duda, die polnische Regierung und alle unsere
       polnischen Freunde“, sagte Selenski am Mittwochabend in seiner täglichen
       Videoansprache zu den Ergebnissen seines Treffens mit seinem polnischen
       Kollegen Andrzej Duda und dem litauischen Staatschef Gitanas Nauseda in
       Lwiw. Panzer aus westlicher Produktion seien „das Werk unserer gesamten
       Antikriegskoalition und eine neue Ebene unseres Potenzials“.
       
       Duda hatte nach dem Treffen erklärt, sein Land habe die Entscheidung
       getroffen, im Rahmen einer Koalition mit Verbündeten den Ukrainern
       Leopard-Kampfpanzer für eine Kompanie zu überlassen. Eine Leopard-Kompanie
       ist in Polen wie in Deutschland üblicherweise mit 14 Kampfpanzern
       ausgerüstet. Duda sagte weiter, Voraussetzung sei zum einen „eine ganze
       Reihe von formalen Anforderungen und Genehmigungen“. Zum anderen wolle
       Polen, dass sich dafür eine internationale Koalition bilde, bei der auch
       andere Länder Kampfpanzer beisteuern würden. Nauseda hatte seinerseits
       erklärt, dass Litauen weitere Flugabwehrwaffen an die Ukraine liefern
       wolle. (dpa)
       
       ## Medwedew: Westliche Panzer bald rostiges Altmetall
       
       Die westlichen Panzer in der Ukraine werden nach Meinung des früheren
       russischen Präsidenten Dmitri Medwedew bald „rostiges Altmetall“ sein. Die
       Kampfwagen würden den zerfallenden „künstlichen Staat“ Ukraine nicht
       retten, kommentierte der Vize-Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats
       Russlands.
       
       Bei dem Treffen in Lwiw, das nach Medwedews Meinung bald als Lemberg nach
       Polen zurückkehren werde, seien Panzer wie der Leopard, modernisierte T-72
       oder auch britische Panzer „angebetet“ worden. „Aber all dieses Eisen wird
       auf jeden Fall in Kürze zu rostigem Altmetall“, sagte Medwedew. (dpa)
       
       ## Selenski: Russische Propagandaaktion bei Soledar
       
       Die von russischer Seite verkündete Einnahme der [2][schwer umkämpften
       ostukrainischen Kleinstadt Soledar] ist nach den Worten des ukrainischen
       Präsidenten Selenski ein Propagandamanöver. „Die Front im Donezk-Gebiet
       hält“, sagte Selenski in seiner täglichen Videoansprache. „Die Kämpfe gehen
       weiter, und wir unternehmen alles, um die ukrainische Verteidigung zu
       stärken.“
       
       Auch der ukrainische Generalstab hatte russische Berichte über die
       Eroberung von Soledar dementiert. „Die Kämpfe dauern an“, hieß es in einer
       Mitteilung.
       
       Am Dienstag hatte der Chef der russischen Söldnertruppe Wagner, Jewgeni
       Prigoschin, behauptet, dass die Kleinstadt im Gebiet Donezk fast erobert
       und etwa 500 ukrainische Soldaten eingeschlossen seien. Die russische
       Militärführung schwieg dazu. Kremlsprecher Dmitri Peskow erwähnte im
       Gespräch mit der Nachrichtenagentur Interfax lediglich eine „positive
       Dynamik beim Vorankommen“. (dpa)
       
       ## Moskau wechselt erneut Kommandeur für Ukraine-Krieg aus
       
       Rund zehneinhalb Monate nach Kriegsbeginn hat Russlands
       Verteidigungsminister Sergej Schoigu Generalstabschef Waleri Gerassimow
       [3][zum neuen Kommandeur der russischen Truppen] in der Ukraine ernannt.
       Der bisherige Kommandeur Sergej Surowikin, der den Posten erst im
       vergangenen Oktober übernommen hatte, solle Gerassimows Stellvertreter
       werden, teilte das Ministerium am Mittwoch in Moskau mit.
       
       Schoigu ernannte mit General Oleg Saljukow und Generaloberst Alexej Kim
       zudem noch zwei weitere Stellvertreter. Moskau begründete die
       Neuaufstellung mit einer „Ausweitung des Ausmaßes der zu lösenden Aufgaben“
       sowie der Notwendigkeit einer engeren Kooperation der einzelnen Armeeteile.
       (dpa)
       
       ## Malta und Griechenland frieren kaum russische Gelder ein
       
       Malta und Griechenland liegen beim [4][Einfrieren russischer
       Vermögenswerte] im Zuge der Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs einem
       internen EU-Dokument zufolge deutlich hinter den anderen Ländern in der
       Europäischen Union. So hat Malta demnach bislang insgesamt 147.000 Euro
       eingefroren. Auch Griechenland liegt mit 212.000 Euro deutlich hinter
       anderen Staaten, wie aus dem Dokument hervorgeht, in das die
       Nachrichtenagentur Reuters Einblick erhielt.
       
       Dagegen hätten die 27 Mitgliedsstaaten zusammen etwa 20,3 Milliarden Euro
       an Werten eingefroren. Deutschland, Italien, Irland, Frankreich, Spanien,
       Belgien, Österreich und Luxemburg hätten dabei je mehr als eine Milliarde
       Euro gemeldet. Vertreter von Griechenland und Malta bestätigten die
       vergleichsweise niedrigen Summen. „Das Investitions-Umfeld in Griechenland
       begünstigt nicht den Zufluss von Kapital aus Russland und von ausländischen
       Unternehmen“, sagte ein griechischer Vertreter. (rtr)
       
       12 Jan 2023
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.reuters.com/world/europe/poland-plans-give-ukraine-leopard-tanks-part-coalition-2023-01-11/
   DIR [2] /Schwere-Kaempfe-in-der-Ukraine/!5908224
   DIR [3] /Putin-formiert-Oberkommando-neu/!5886599
   DIR [4] /Expertin-ueber-Geldwaesche-in-Dubai/!5855866
       
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