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       # taz.de -- Maskenpflicht in Fernzügen: FDP will weitere Coronaregeln kippen
       
       > Niedersachsen und Bremen heben die Isolationspflicht auf. Die FDP und der
       > Chef der Gesundheitsministerkonferenz wollen weitere Lockerungen.
       
   IMG Bild: Bis April soll noch in Fernverkehrszügen Maske getragen werden. Oder kippt die Regel früher?
       
       Berlin taz | Bundes- und Landespolitiker*innen machen zunehmend
       Druck, die letzten verbliebenen Regeln zur Coronaeindämmung zu kippen.
       Insbesondere FDP-Politiker*innen fordern ein schnelles Ende der
       Maskenpflicht im öffentlichen Fernverkehr. Im Nahverkehr, wo die Länder
       selbst entscheiden können, gilt eine solche Regelung [1][vielerorts schon
       nicht mehr]. Immer mehr Bundesländer planen auch, die Isolationspflichten
       für Corona-Erkrankte abzuschaffen.
       
       [2][Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP)] hatte sich schon am
       Mittwoch in der ARD dafür ausgesprochen, die Maskenpflicht in Fernbussen
       und Zügen zu beenden. Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz,
       Manne Lucha (Grüne), aus Baden-Württemberg, äußerte sich am Donnerstag
       ähnlich. Es solle ab Februar möglichst bundesweit einheitliche Regeln
       geben, sagte er der Funke Mediengruppe. Auch Bundesjustizminister Marco
       Buschmann (FDP) forderte am Donnerstag auf Twitter ein schnelles Ende der
       Regeln im Fernverkehr.
       
       Bisher ist geplant, diese Pandemiemaßnahmen erst am 7.April auslaufen zu
       lassen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) schließt zwar ein
       vorgezogenes Ende inzwischen nicht mehr aus, will aber noch nicht sofort
       lockern. Er verweist auf die weiter angespannte Lage in vielen Kliniken
       insbesondere durch Grippeviren.
       
       Gewarnt hatte Lauterbach auch, als einzelne Länder im vergangenen Jahr
       angekündigt hatten, die Maskenpflichten im Nahverkehr abzuschaffen. Die
       Länder lockerten trotzdem. In Bayern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein
       ist es bereits erlaubt, ohne Maske den ÖPNV zu nutzen. Auch Berlin,
       Brandenburg, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen planen, die
       Regeln für den Nahverkehr bald zu beenden. Am Donnerstag kam Niedersachsen
       hinzu. Landesgesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) kündigte an, die
       Pflicht im Februar zu kippen.
       
       ## Hintergründe zu Wielers Rücktritt
       
       Zum gleichen Zeitpunkt soll in Niedersachsen auch die Isolationspflicht für
       Coronakranke enden, wie Behrens mitteilte. Sie kam mit dieser Ankündigung
       der Landesregierung in Bremen wenige Stunden zuvor, die am Mittwoch für ihr
       Bundesland ebenfalls das Ende der Isolationspflicht zum nächsten Monat
       ankündigte.
       
       Thüringen plant diesen Schritt schon länger. In Bayern, Baden-Württemberg,
       Hessen und Schleswig-Holstein ist die Isolationspflicht bereits aufgehoben.
       Ohne diese Regelung und ohne die Auflagen für den Nah- und Fernverkehr
       verbleiben vielerorts nur noch die Maskenpflichten für Kliniken, Praxen und
       andere Gesundheitsangebote.
       
       Daran, welche großen Emotionen solche Regeln in der Hochphase der Pandemie
       ausgelöst hatten, erinnerte am Donnerstag die Abschiedsmail vom Präsidenten
       des Robert-Koch-Instituts (RKI), die an die Öffentlichkeit gelangte. Lothar
       Wieler, der tags zuvor seinen [3][Abschied zum April angekündigt hatte],
       begründet den Schritt auch mit dem enormen Druck und indirekt auch
       öffentlichen Anfeindungen. Als Präsident des wichtigsten deutschen
       Gesundheitsinstituts war Wieler in der Pandemie zeitweise zum Feindbild für
       Verschwörungstheoretiker*innen avanciert.
       
       Zuletzt hatte es zudem immer wieder Unstimmigkeiten zwischen Lauterbach und
       der RKI-Führung gegeben. Nachdem das RKI im Januar 2022 entschieden hatte,
       den Genesenenstatus von sechs auf drei Monate zu verkürzen, entzog
       Lautberbach dem Institut die Entscheidungsgewalt darüber. Dies wurde teils
       als Entmachtung gedeutet.
       
       Schon am Mittwoch hatte das RKI aber mitgeteilt, Wielers Rückzug geschehe
       auf seinen eigenen Wunsch und in Absprache mit Lauterbach. In seiner Mail
       schreibt Wieler, er wolle künftig „wieder im wissenschaftlich-akademischen
       Bereich arbeiten – gerne weiterhin unaufgeregt und sachbezogen – aber
       unterhalb des Scheinwerferlichts von Politik und Medien“.
       
       12 Jan 2023
       
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