URI:
       # taz.de -- Von Notz (Grüne) zu Reichsbürger-Razzien: „Wir müssen wachsam bleiben“
       
       > Umsturzpläne müssen ernst genommen werden, fordert der Grünen-Abgeordnete
       > Konstantin von Notz und lobt die Entschlossenheit der
       > Sicherheitsbehörden.
       
   IMG Bild: Polizisten mit einem Verdächtigen bei einer Razzia bei Reichsbürgern in Berlin am 7. Dezember
       
       taz: Herr von Notz, [1][Reichsbürger] sollen [2][einen gewaltsamen Umsturz
       geplant] haben. Wie gefährlich war das Netzwerk, das nun in einer groß
       angelegten Razzia ausgehoben wurde, Ihrer Einschätzung nach? 
       
       Konstantin von Notz: Viele haben Reichsbürger lange als harmlose „Spinner“
       abgetan. Das ist brandgefährlich. Der Generalbundesanwalt hält die
       Planungen offenbar für so konkret und fortgeschritten, dass er nun diese
       massiven Maßnahmen veranlasst hat. Die fraglichen Personen haben oft Zugang
       zu Waffen und ihre bekannt gewordenen Umsturzpläne sind offensichtlich weit
       fortgeschritten. Ich kann allen Beteiligten nur raten, diese Gefahren sehr
       ernst zu nehmen und wachsam zu bleiben.
       
       Es geht also um mehr als nur ein paar Spinner? Vieles, was über die Gruppe
       bekannt ist, klingt skurril. 
       
       Vieles, was Donald Trump die letzten Jahre gesagt hat, klang auch skurril
       bis hart abwegig. Das ändert nichts an der Ernsthaftigkeit und der
       Massivität der Umsturzpläne gegen eine gefestigte Demokratie, wie wir sie
       [3][am 6. Januar 2021 in den USA] gesehen haben.
       
       Thesen von Extremisten klingen eben häufig abwegig, das ändert wenig an den
       von ihnen ausgehenden tödlichen Gefahren, ob bei dem Mord an Walter Lübke,
       an einem Polizisten in Georgensgmünd oder den rassistischen und
       antisemitischen Anschlägen von Hanau und Halle. Vom Blick in unsere eigene
       Geschichte ganz zu schweigen.
       
       Das [4][Netzwerk scheint weit verzweigt zu sein]. Verbindungen gibt es
       offenbar zur Gruppe, die die Entführung von SPD-Gesundheitsminister Karl
       Lauterbach plante. Wie viel unsichtbares Gefahrenpotential könnte es in der
       Szene noch geben? 
       
       Die heutigen Durchsuchungen haben gezeigt, dass die Sicherheitsbehörden
       hier durchaus entschlossen agieren. Mit den jetzigen Durchsuchungen ist es
       aber zweifellos nicht getan. Die Behörden müssen am Ball bleiben und die
       genauen Hintergründe, aber auch Verbindungen zu anderen Netzwerken nun sehr
       entschlossen weiter aufklären.
       
       Diesen Aufgaben müssen sich alle Verantwortlichen stellen – auch das
       Parlament. Daher haben wir Grüne für die kommende Sitzungswoche
       entsprechende Berichte in den zuständigen Ausschüssen und Gremien auf die
       Tagesordnung gesetzt.
       
       Wieder mal gibt es Verbindungen zur Bundeswehr. Reichen die bisherigen
       Maßnahmen gegen Rechtsextreme in den Sicherheitsbehörden und [5][vor allem
       beim Kommando Spezialkräfte (KSK)] nicht aus? 
       
       Das werden die weiteren Ermittlungen zeigen. Klar ist aber doch, dass
       gerade diejenigen, die unseren Staat dienen und ihn repräsentieren, in
       einer ganz besonderen Verantwortung stehen. Ihre Integrität darf nicht in
       Frage stehen.
       
       Reichen die [6][Sicherheitsvorkehrungen des Bundestags] aus? 
       
       Spätestens seit dem Angriff auf das Kapitol in Washington am 6. Januar 2021
       wissen wir sehr genau, dass antidemokratischer Rhetorik auch schlimmste,
       gegen Demokratie und Parlament gerichtete Taten folgen können. Die Frage
       nach der Sicherheit des Deutschen Bundestags wird, das wurde gerade noch
       einmal deutlich, auch in Zukunft von großer Relevanz bleiben. Das Herz
       unserer Demokratie gilt es bestmöglich zu schützen.
       
       Welches Sicherheitsrisiko stellt die AfD für den Bundestag dar? Berichten
       zufolge hatte die Richterin Frau Malsack-Winkemann als Ex-Abgeordnete der
       AfD immer noch Zugang zu Bundestagsgebäuden. 
       
       Deutlich wird, dass Privilegien wie der Zugang zum Parlament von
       amtierenden und ehemaligen Abgeordneten ausgenutzt werden können, auch um
       Personen in die Gebäude zu bringen, denen Demokratie, Parlamentarismus und
       frei gewählte Abgeordnete ein Dorn im Auge sind. Nach ähnlichen
       Vorkommnissen in der Vergangenheit, bei denen immer die AfD-Fraktion eine
       Rolle spielte, wurden die Sicherheitsvorkehrungen und Zugangsbeschränkungen
       bereits angepasst. Ob es angesichts der jüngsten Vorfälle weiterer
       Restriktionen bedarf, gilt es nun sehr genau zu prüfen.
       
       8 Dec 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /taz-Serie-Die-Reichsbuerger/!t5352138
   DIR [2] /Razzia-bei-Reichsbuergern/!5901865
   DIR [3] /Der-Sturm-auf-das-Kapitol/!5741580
   DIR [4] /Umsturzplaene-von-Reichsbuergern/!5901989
   DIR [5] /Rechtsextreme-im-KSK/!5693760
   DIR [6] /Rechte-bei-der-Bundestagspolizei/!5827253
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Tobias Schulze
       
       ## TAGS
       
   DIR Reichsbürger
   DIR Schwerpunkt Rechter Terror
   DIR Razzia
   DIR GNS
   DIR Schwerpunkt Rechter Anschlag in Hanau
   DIR Schwerpunkt Rechter Terror
   DIR Schwerpunkt Rechter Terror
   DIR Schwerpunkt Rechter Terror
   DIR Reichsbürger
   DIR Schwerpunkt AfD
   DIR Schwerpunkt Rechter Terror
   DIR Schwerpunkt Rechter Terror
   DIR Schwerpunkt Rechter Terror
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Rechtes Attentat in Hanau: Ausschuss bekommt lesbare Akten
       
       Der hessische Untersuchungsausschuss zum Terror von Hanau erzielt einen
       Erfolg gegen die Bundesanwaltschaft. Er bekommt ungeschwärzte Akten.
       
   DIR Ein Ortsbesuch in Thüringen: Immer Ärger mit dem Prinzen
       
       Bei der Razzia im Reichsbürger-Milieu wurde auch das Jagdschloss von
       Heinrich XIII. Prinz Reuß durchsucht. Was sagen seine Nachbarn?
       
   DIR Umsturz-Pläne von Reichsbürgern: Druck auf Verfassungsfeinde
       
       Bundesinnenministerin Faeser will nach Razzien bei Reichsbürgern das
       Waffen- und Disziplinarrecht verschärfen. Die AfD gerät ins Visier.
       
   DIR Umsturzpläne von Reichsbürgern: Weitere Festnahmen erwartet
       
       Behörden rechnen nach den Razzien bei Reichsbürgern damit, dass weitere
       mutmaßliche Mitverschwörer enttarnt werden. Expert:innen warnen vor der
       Gefahr von rechts.
       
   DIR Razzia bei Reichsbürgern: Die Putschpläne des Prinzen
       
       Rechtsextremen werden Umsturzpläne vorgeworfen. An ihrer Spitze: Ein
       abgedrifteter Adliger.
       
   DIR Terrorrazzia gegen Reichsbürger: Beruhigt euch nicht!
       
       Unsere Gesellschaft hat bisher keine Antwort auf die
       Radikalisierungstendenzen gefunden. Die Gefahr ist deshalb mit der Razzia
       keineswegs gebannt.
       
   DIR Reaktionen auf Razzien bei Reichsbürgern: Entsetzen über Umsturz-Pläne
       
       Steinmeier äußert sich „tief besorgt“ über die aufgedeckten Pläne von
       Reichsbürgern. Die Linke beklagt, dass eine mutmaßlich Beteiligte als
       Richterin arbeiten durfte.
       
   DIR Umsturz-Verdächtige Malsack-Winkemann: Esoterikerin und QAnon-Anhängerin
       
       Sie plante offenbar mit Reichsbürgern die Revolution und sollte danach
       Justizministerin werden: Wer ist Richterin und Ex-AfD-Abgeordnete Birgit
       Malsack-Winkemann?
       
   DIR Razzia gegen Reichsbürger: Ziel war ein Systemwechsel
       
       Reichsbürger sollen einen gewaltsamen Umsturz geplant haben. Acht Personen
       sind laut Generalbundesanwalt in Untersuchungshaft.