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       # taz.de -- Polizist verbreitet rechtsextreme Posts: Duldsame Kolleg*innen
       
       > Ein Hamburger Polizeibeamter veröffentlichte jahrelang rechtsextreme
       > Posts auf Facebook. Viele Kolleg*innen wussten davon – und schwiegen.
       
   IMG Bild: Hamburgs Polizeipräsidenten beschäftigt derzeit eine Beschwerde über die rechten Posts eines Beamten
       
       Ein weiterer Einzelfall, getragen von vielen: Auf Facebook hat ein
       Hamburger Polizeibeamter Posts sogenannter alternativer Medien aus dem
       rechtsextremen Spektrum verbreitet. Über Jahre hat der als bürgernaher
       Beamter eingesetzte Polizist über das soziale Medium Hass und Hetze
       verbreitet.
       
       Die Facebook-Seite war Kolleg*innen aufgefallen. Doch anstatt die
       politischen Aktivitäten zu melden, setzten einzelne von ihnen zustimmende
       Kommentare ab. Erst ein anonymer Hinweis, ein mehrseitiger Brief an die
       [1][Beschwerdestelle der Polizei], habe zu Maßnahmen geführt, sagt Deniz
       Celik. Der innenpolitische Sprecher der Bürgerschaftsfraktion der Linken
       brachte den Vorgang durch eine Kleine Anfrage in die Öffentlichkeit.
       
       Im Innenausschuss der Bürgerschaft wollte Celik am Dienstag wissen, was
       genau der Beamte postete. Doch eine Auskunft erhielt er nicht. Der
       Polizist, der im multikulturell geprägten Stadtteil Wilhelmsburg auch in
       Schulen als sogenannter [2][Cop4U], also als Ansprechpartner für
       Schüler:innen und Lehrpersonal, wirkte, wurde versetzt. Die
       Disziplinarabteilung der Polizei ermittelt. Der Staatsschutz war
       zwischenzeitlich ebenfalls mit der Sache befasst, hatte in den
       Facebook-Posts aber keine strafrechtliche Relevanz erkannt. Sieben weitere
       Profile von Beamten seien ebenfalls überprüft worden
       
       „Zu dem laufenden Disziplinarverfahren kann ich nichts sagen“, sagt
       Polizeipressesprecher Holger Vehren, da dieses eben noch liefe. Nach
       Abschluss würde sich zeigen, ob und wenn ja welche disziplinarischen
       Schritte geboten seien, so Vehren zur taz. Zu überprüfen sei, ob ein
       Verstoß gegen die politische Neutralitätspflicht oder die Pflicht zur
       Verfassungstreue vorliege und ob der Beamte gegen das Mäßigungsgebot oder
       die Wohlverhaltenspflicht verstoßen habe. Im Innenausschuss hieß es, das
       Verfahren werde bald abgeschlossen.
       
       Die Versetzung sei nicht bloß ein „falsches Signal“, sagt indes der
       Abgeordnete Celik. Er vermisst ein „klares und deutliches Zeichen gegen
       rechts“. Personen mit menschenfeindlichen Positionen müssten [3][aus dem
       Polizeidienst entfernt werden], so der Bürgerschaftsabgeordnete. Und die
       Fraktion der Linken erwartet von der Behörde eine „umfassende Aufklärung
       über die Situation am PK 44“, dem Kommissariat in Wilhelmsburg, wo der
       Polizeibeamte Dienst tat.
       
       Den Vorfall hatte Celik im ersten Tätigkeitsbericht der Dienststelle
       „Beschwerdemanagement und Disziplinarangelegeheiten“ der Polizei Hamburg ab
       Seite 70 entdeckt. Dort wird ausgeführt, dass der Polizeibeamte den
       Hinweisgebenden auffiel, weil er auf seinem privaten Profil über Jahre
       regelmäßig Beiträge mit rechten Posts als auch solche mit „dienstlichem
       Bezug“ veröffentlicht hatte. Auf dem öffentlichen Profil habe der Beamte
       zudem rechtsextreme Kommentare Dritter nicht gelöscht oder diesen
       wenigstens widersprochen.
       
       Über Facebook seien „eine Vielzahl“ von Kolleg*innen aus dem
       Polizeikommissariat 44 mit ihrem Kollegen verbunden gewesen, heiß es in
       Celiks Kleiner Anfrage. Sie hätten folglich zwangsläufig einen großen Teil
       der Posts zumindest wahrgenommen.
       
       „Insgesamt ergab sich für den Beschwerdeführenden der Eindruck, das gesamte
       PK kenne die Einstellung des hier beschwerten Beamten und begrüße sie
       womöglich“, fasst Celik in der Kleinen Anfrage zusammen.
       
       In der Antwort erklärt der Senat, dass „das gesamte Führungspersonal des PK
       44“ bereits eine „mehrstündige Fortbildung“ erhalten habe. Deren Ziel:
       „Erhöhung der Sensibilität im Umgang mit politisch motiviertem
       Fehlverhalten“. In der Fortbildung, die allein von der Polizei
       ausgerichtet wurde, sei auch über die Folgen eines „gesellschaftlichen
       Vertrauensverlusts in die Polizei“ in einem „migrantisch geprägten
       Stadtteil“ diskutiert worden.
       
       23 Dec 2022
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Speit
       
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