URI:
       # taz.de -- Bayern und Sachsen-Anhalt: ÖPNV-Maskenpflicht wird abgeschafft
       
       > In Bussen und Bahnen ist die Maske noch Pflicht, erste Bundesländer
       > schaffen diese nun aber ab. Andere Länder wollen noch nicht nachziehen.
       
   IMG Bild: Der Söder-Markus reißt sich ab dem 10. Dezember die Maske vom Gesicht, wenn er U-Bahn fährt
       
       München dpa | Erste Bundesländer schaffen die Pflicht [1][zum Tragen der
       Masken] im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ab. Die Kabinette von
       Bayern und Sachsen-Anhalt begründeten ihre Entscheidungen am Dienstag mit
       einer stabilen Infektionslage. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach
       (SPD) kritisierte das Vorpreschen. FDP-Chef Christian Lindner begrüßte es
       hingegen.
       
       Nachdem die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) am Montag keine gemeinsame
       Linie zur [2][Maskenpflicht im Personennahverkehr] vereinbaren konnte,
       gehen nun Bayern und Sachsen-Anhalt voran. Bayerns Gesundheitsminister
       Klaus Holetschek (CSU) sagte zur Begründung, das Coronavirus mache nicht
       mehr den Hauptteil der Viruserkrankungen aus – Influenza und RS-Virus
       hätten viel höhere Anteile bei den Erkrankten in Krankenhäusern. Insofern
       sei eine Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus nicht mehr
       verhältnismäßig. Die Staatsregierung spreche weiterhin eine Empfehlung zum
       Tragen von Masken aus. Bezüglich der Corona-Situation schrieb
       Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf Twitter: „Die Infektionslage ist
       seit langem stabil.“
       
       Auch Sachsen-Anhalt setzt künftig auf Freiwilligkeit beim Tragen von Masken
       im Personennahverkehr. Die Pflicht soll hier schon zum 8. Dezember fallen.
       Darauf hat sich das Kabinett am Dienstag verständigt, wie aus
       Regierungskreisen verlautete. Das Land setze damit auf mehr
       Eigenverantwortung, hieß es.
       
       Schleswig-Holstein will in der nächsten Woche über ein Ende der
       Maskenpflicht in Bus und Bahn entscheiden. Ministerpräsident Daniel Günther
       (CDU) hatte vor drei Wochen bereits als Ziel verkündet, die bis Jahresende
       befristete Maskenpflicht nicht zu verlängern. Nordrhein-Westfalen, Hessen,
       Baden-Württemberg, das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern halten zunächst
       weiter an der Maskenpflicht fest, wie die Landesregierungen am Dienstag
       deutlich machten.
       
       ## Lindner spricht von „guter Entscheidung“
       
       Bundesgesundheitsminister Lauterbach sieht das Ende der Maskenpflicht im
       ÖPNV kritisch. „Ich bin einfach davon nicht überzeugt“, sagte der
       SPD-Politiker am Dienstag in Berlin mit Blick auf die Pandemielage. In der
       GMK hätten er und der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar
       Wieler, am Montag nochmals deutlich gemacht, dass es keine Gründe gebe,
       jetzt zu sagen, man könne auf Masken und auf die Isolation von
       Corona-Infizierten verzichten. Lauterbach verwies auf eine zu erwartende
       ansteckendere Virusvariante, dazu nun auch andere RS-Viren und eine
       Grippewelle.
       
       Anders positionierte sich FDP-Chef Lindner. Es sei eine „richtige
       Entscheidung“, dass Bayern bei den Corona-Schutzmaßnahmen wieder stärker
       auf die Eigenverantwortung setze, schrieb der Bundesfinanzminister am
       Dienstag auf Twitter. „Hoffe, dass dieser Entschluss bald auch bundesweit
       Schule macht“, fügte Lindner hinzu.
       
       Der Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) begrüßt das Aus für die
       Maskenpflicht im ÖPNV. „Es gibt weder aus dem Ausland, wo seit Monaten
       keine Maskenpflicht in Bussen und Bahnen mehr herrscht, noch aufgrund uns
       bekannter wissenschaftlicher Studien Erkenntnisse, dass die
       Infektionszahlen außergewöhnlich steigen, wenn im ÖPNV keine Maske mehr
       getragen wird“, sagte Sprecher Lars Wagner. Zudem sei es immer schwieriger,
       die Maskenpflicht auch tatsächlich durchzusetzen. Wagner wies aber auf
       Probleme für das Personal hin, wenn bei Nahverkehrsverbindungen über
       Grenzen von Bundesländern hinweg unterschiedliche Regeln gelten.
       
       Der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert,
       sprach sich dafür aus, auch in Fernzügen auf die Maskenpflicht zu
       verzichten. „Keiner kann mehr nachvollziehen, warum in den
       Fernverkehrszügen noch Maskenpflicht herrscht“, sagte Burkert der Deutschen
       Presse-Agentur. Während die Bundesländer über eine Maskenpflicht im
       Nahverkehr selbst entscheiden können, ist für den Fernverkehr der Bund
       zuständig. Nach dem aktuellen Infektionsschutzgesetz des Bundes gilt dort
       die Maskenpflicht noch bis April 2023.
       
       6 Dec 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Nachrichten-zur-Coronakrise/!5887883
   DIR [2] /Debatte-ueber-Ende-der-Maskenpflicht/!5894790
       
       ## TAGS
       
   DIR Schwerpunkt Coronavirus
   DIR Maske
   DIR Maskenpflicht
   DIR Fernverkehr
   DIR Öffentlicher Nahverkehr
   DIR Schwerpunkt Coronavirus
   DIR Lesestück Recherche und Reportage
   DIR Schwerpunkt Coronavirus
   DIR Daniel Günther
   DIR Schwerpunkt Coronavirus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Ende der Maskenpflicht im ÖPNV: Ins Private abgeschoben
       
       Die Maskenpflicht in den Öffis ist Vergangenheit. Das ist bedauerlich:
       Masken können Infektionen mit schweren Folgen verhindern.
       
   DIR Krankheitswelle in Deutschland: Bis zum Umfallen
       
       Jeder zehnte Deutsche ist derzeit krank. Was heißt das für den Alltag, für
       den Job, die Kinder, die Familie? Eine Mutter hat für uns Tagebuch geführt.
       
   DIR Debatte über Ende der Maskenpflicht: Im Bus bald oben ohne?
       
       Schleswig-Holstein will die Maskenpflicht im ÖPNV zum Jahresende auslaufen
       lassen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach hält das für unvorsichtig.
       
   DIR Umgang mit der Corona-Pandemie: Kiel will Corona-Regeln lockern
       
       Die Isolationspflicht bei einer Erkrankung soll aufgehoben werden. Ende des
       Jahres soll die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen enden.
       
   DIR Schärfere Corona-Regeln in Berlin: Kritik an Maskenpflicht-Vorstoß
       
       Giffey (SPD) vermisst eine „Datengrundlage“ für die Maskenpflicht. Die
       Bildungsverwaltung fordert regelmäßige Runden zur Infektionslage an
       Schulen.