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       # taz.de -- Väterrechtler stellen sich gegen Ex-Mann: Gekränkter Stolz
       
       > Der „Väteraufbruch für Kinder“ lädt zur „Mahnwache“ vorm Haus des
       > Ex-Mannes einer Prominenten. Die taz war eingeladen, durfte aber doch
       > nicht mit.
       
   IMG Bild: Angefasst wie dieser Bart sind die organisierten Berufsväter von der taz-Berichterstattung über sie
       
       Hamburg taz | Dafür ist die taz nicht gegründet worden: Zunehmend eskaliert
       der öffentlich ausgetragene Streit zwischen einer Frau und ihrem Ex-Mann,
       es sind Kinder involviert im Schulpflicht-Alter. Zuletzt [1][steht der
       Vorwurf im Raum], der Vater habe zwei, wenn nicht drei davon entführt,
       halte sie im benachbarten Ausland fest. Der so Beschuldigte wiederum wirft
       – [2][ebenfalls im RTL-Interview] – der Ex-Frau vor, den Kleinen gegenüber
       gewalttätig geworden zu sein, die deshalb gar nicht zu ihr zurückwollten.
       
       Weil die Frau einer Hamburger Unternehmerdynastie entstammt und inzwischen
       liiert ist mit einer Sport-TV-Größe, erhält der Fall mehr Aufmerksamkeit,
       als möglicherweise sehr viele in der Sache vergleichbare Vorgänge sie
       bekommen würden: Es geht einerseits um Christina Block, eine von drei
       Chef:innen des gleichnamigen Hamburger Steakrestaurant-Imperiums und
       Lebensgefährtin des Sportreporters [3][Gerhard Delling]; andererseits um
       ihren Ex, Stephan Hensel, und sein Haus in Dänemark.
       
       Dort soll es am jetzt anstehenden Samstag eine „Mahnwache“ geben, in
       Anwesenheit Blocks, vielleicht auch Dellings. „Frau Block möchte darauf
       aufmerksam machen, dass ihre Kinder in Dänemark von ihrem Expartner, dem
       Vater der gemeinsamen Kinder, festgehalten wird“: So schrieb es am
       Donnerstag der „Väteraufbruch für Kinder – Landesverein Hamburg e.V.“ in
       einer Einladung an die örtlichen Medien. Und bot Berichterstattenden gleich
       noch an, mitzukommen nach Sonderburg, an Hensels Gartenzaun.
       
       „Unterstützer der ‚Genug Tränen‘-Kampagne nehmen an der Aktion teil“, hieß
       es dann noch; „Genug Tränen“ ist ein „Aktionsbündnis“ mit Sitz in
       Frankfurt/Main, das sich den Kampf gegen die gezielte „Entfremdung“ von
       Kindern und Elternteilen nach einer Trennung auf die Fahnen schreibt.
       „Väteraufbruch für Kinder“ (VAFK) gehört zu seinen Partner- respektive
       Unterstützerorganisationen.
       
       Mit dem VAFK stellt sich da nun also eine ausdrücklich für die Rechte
       getrennter Väter streitende Vereinigung an die Seite einer Frau – die im
       Clinch liegt mit dem Vater der gemeinsamen Kinder. Eine so erst mal nicht
       zu erwartende Konstellation, ein Ins-Tanzen-Bringen dessen, was man über
       die [4][organisierten Väterrechtler] zu wissen glaubte: Das machte die
       leicht nach Kaffeefahrt klingende Ausflugseinladung interessant im
       journalistischen Sinne. Haben die VAFK-Verantwortlichen einfach verstanden,
       dass die Solidarisierung mit Christina Block – wegen der Delling-Connection
       – maximale Aufmerksamkeit generiert? Ist aufrichtiges Mitgefühl mit einer
       Mutter im Spiel, die von ihren Kindern entfremdet zu werden droht?
       
       Die taz hätte das gerne ausgeleuchtet, ja: gerne auch manche Vorstellung in
       den Köpfen mancher Leser:innen ein wenig herausgefordert: Sind das am
       Ende doch keine verbohrten Mütterfeinde und Familienrichterinnenhasser,
       diese im Verein organisierten Berufsväter?!
       
       Aber daraus wird nun nichts. Hatte der Hamburger VAFK sich gefreut über
       unsere Zusage, lud der Bundesvorstand uns am nächsten, also Freitagmorgen
       wieder aus: „Hintergrund ist“, schrieb man, „dass die taz schon seit Jahren
       immer wieder voreingenommen und abseits journalistischer Grundsätze über
       solche Themen berichtet hat.“
       
       Den ehrenrührigen Anteil dieses Anwurfs, das mit dem „journalistischen
       Grundsätzen“, mal beiseite lassend: „Voreingenommenheit“ scheint für den
       VAFK alles darzustellen, was keine Sympathie ist, kein Applaus. Und der
       offenbar „seit Jahren“ immer wieder gekränkte Stolz einer Organisation,
       vielleicht aber auch nur einzelner Funktionsträger darin, scheint dem
       „Väteraufbruch“ wichtiger als die Sache, um die es ihm angeblich geht: das
       Kindeswohl.
       
       2 Dec 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.t-online.de/region/hamburg/id_100078648/drama-um-gerhard-delling-stiefkinder-von-moderator-entfuehrt.html
   DIR [2] https://www.rtl.de/cms/familiendrama-bei-delling-partnerin-ex-von-christina-block-erhebt-schwere-vorwuerfe-5015843.html
   DIR [3] /ARD-Fernsehexperte-zetert-zuviel/!5180725
   DIR [4] /Debatte-alleinerziehende-Maenner/!5530883
       
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   DIR Alexander Diehl
       
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       vertreten wichtige Ortsverbände rechtskonservative Positionen.