# taz.de -- Buch über die Fußball-Industrie: Den modernen Fußball lesen
> Im Buch „Um jeden Preis“ befasst sich Sportjournalist Christoph Biermann
> mit dem Geschäft um den Fußball. Sein Blick fällt nüchtern aus.
IMG Bild: Sein Wochenverdienst illustriert die Auswüchse des Fußballgeschäfts, Christiano Ronaldo, jetzt vereisnlos
Manchester United steht zum Verkauf. Die Glazer-Familie aus den USA,
welcher der Klub gehört, will ein paar Milliarden Milliarden Pfund dafür.
Kurz vorher hatte sich United von einem seiner Angestellten getrennt,
nachdem dieser sich in einem Interview über die unwürdige Behandlung durch
den Klub beschwert hatte. [1][Cristiano Ronaldo] kann nun bei bei einem
anderen Klub anheuern. Kostet halt was. Bei United soll Ronaldo 560.000
Euro verdient haben – in der Woche. So sehen sie aus die Auswüchse dessen,
was gemeinhin als moderner Fußball bezeichnet wird.
Was aber ist das genau? Und seit wann geht der Fußball diesen Weg der
fortschreitenden Kommerzialisierung? Diesen Fragen hat sich der
Fußball-Publizist Christoph Biermann [2][in seinem neuen Buch] gewidmet.
„Um jeden Preis“ heißt es und beschreibt, wie der Fußball von einer von
Verbänden organisierten Sportart zu einer Industrie geworden ist. Es geht
um die Macht der besten Spieler, die mit ihren Beratern Preise diktieren
können, was dazu führt, dass zwar der Wert eines Klubs steigt, dass aber
das Betreiben eines Klubs eher kein gutes Geschäft ist.
Biermann beschreibt ein „Rattenrennen“ um die großen Geldtöpfe, die von den
Ligen ausgeschüttet werden, die das Geld aus immer teureren Rechtepaketen
an die immer gleichen Großklubs weiterreichen. Und er beschreibt, was es
mit einem Sport macht, bei dem der Kreis der Teams, die einen Titel
gewinnen können, immer kleiner wird.
Es ist ein nüchterner Blick [3][auf das Geschäft], das sich weiter
entfernen wird von dem, was man gemeinhin Fußball nannte. Für den bliebe
dann immerhin noch eine Nische. So wie es für den Amateurfußball Platz
gibt, der schon lange nichts mehr mit dem durch Torlinientechnologie oder
Videobeweis durchtechnisierten Sportbetrieb der großen Ligen zu tun hat.
Christoph Biermann: „Um jeden Preis“. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2022,
265 Seiten, 18 Euro
26 Nov 2022
## LINKS
DIR [1] /Archiv-Suche/!5474933&s=hamann+ronaldo&SuchRahmen=Print/
DIR [2] https://www.kiwi-verlag.de/buch/christoph-biermann-um-jeden-preis-9783462003734
DIR [3] /Beginn-der-Fussball-WM-in-Katar/!5892423
## AUTOREN
DIR Andreas Rüttenauer
## TAGS
DIR Schwerpunkt Boykott Katar
DIR Rezension
DIR Kommerz
DIR Kommerzialisierung
DIR Holstein Kiel
DIR Kolumne Okzident
DIR Fußball
DIR Schwerpunkt Boykott Katar
DIR Hannover
DIR Fußball-EM der Frauen 2022
DIR Serien-Guide
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Knatsch bei Holstein Kiel: Fans sabotieren Werbebande
Bei Holstein Kiel streiten Fans und Vereinsführung über eine Werbebande im
Stadion. Nun eskaliert der Konflikt.
DIR Public Viewing im Privaten: Rudelgucken im 5. Bezirk
Von Österreich aus lässt sich mit wohltuendem Abstand die Fußball-WM in
Katar ganz gut verfolgen. Also im Fernsehen.
DIR Lesen statt WM-Gucken: Wie das alles angefangen hat
Die Fußball-WM 1990 markiert den Beginn dessen, was heute als „moderner
Fußball“ verschrien ist. Ein Buch beschreibt diesen Aufbruch.
DIR Ein Buch anstelle der WM: Durch Spaniens Geschichte radeln
Der Journalist Tim Moore fährt die Vuelta ab. So kann er am besten das Land
und seine Historie verstehen.
DIR Einfluss bei Profivereinen im Fußball: Soll 50+1 im Fußball fallen?
Längst regeln kapitalistische Unternehmen den Profifußball. Ein Pro&Contra
zur 50+1-Regel, die Vereinsmitgliedern ein Mitspracherecht einräumen soll.
DIR Drei Fußball-Akteurinnen über die EM: Das Spiel der Frauen bleibt anders
Der Frauenfußball kann mehr sein als ein Klon des Business der Männer. Auch
eine durchkommerzialisierte EM kann emanzipatorische Kraft entwickeln.
DIR Amazon-Serie „El Presidente“: Aus Liebe zum Geld
Genau zur rechten Zeit: Eine Serie über Kommerz und Korruption im
internationalen Fußball am Beispiel der südamerikanischen Verbände.