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       # taz.de -- Inflation verteuert Hamburger Schulessen: Die Frage bleibt: Wer zahlt?
       
       > Wegen steigender Kosten fordert Hamburgs CDU eine Subvention fürs
       > Schulessen. Auch Rot-Grün will helfen, Gespräche dazu mit den Caterern
       > laufen noch.
       
   IMG Bild: Schon im Sommer protestierten Beschäftigte für eine Übernahme der gestiegenen Kosten beim Schulessen
       
       Hamburg taz | Von der Inflation bleibt auch das Schulessen nicht
       verschont. Die Preise etwa für Öl, Quark, Butter, Mehl, Rinderhack, Nudeln,
       Eier und Brötchen sind kräftig gestiegen. Hinzu kommt der seit dem 1.
       Oktober auf zwölf Euro gestiegene Mindestlohn. Ein Anlass für die Hamburger
       CDU, vom rot-grünen Senat mehr Geld fürs Schulessen zu fordern.
       
       „Gutes Essen für 4,15 Euro, das geht unter diesen Bedingungen nicht mehr“,
       sagt die CDU-Politikerin Birgit Stöver. Sie beantragte am Mittwoch in der
       [1][Bürgerschaft], die Stadt Hamburg möge für zwei Jahre je drei Millionen
       Euro zur Schulverköstigung zuschießen. Die Regierungsfraktionen lehnten ab
       und nannten den Antrag überflüssig, da man bereits mit den Caterern rede.
       
       Aber das Schulessen [2][ist ein ewiger Zankapfel]. Schulsenator Ties Rabe
       (SPD) rühmt sich zwar, 280 Kantinen gebaut zu haben, doch für deren Betrieb
       gibt die Stadt wenig dazu. Nur an den Grundschulen sind die Preise sozial
       gestaffelt. Ab Klasse 5 zahlen alle Eltern – mit Ausnahme der
       Hartz-IV-Empfänger – den unsubventionierten Preis.
       
       Und dieser Preis wurde in diesem Jahr bereits zwei Mal erhöht. Zum 1.
       Februar von 3,50 Euro auf 4 Euro, weil die Stadt eine im Hamburg-Wahlkampf
       2020 kurzfristig doch gewährte [3][Subventionierung um 50 Cent wieder
       einsparte]. Und zum 1. August dann auf 4,15 Euro als reguläre Anpassung,
       orientiert am Preisanstieg der vergangenen fünf Jahre.
       
       Doch dies fängt die aktuelle Inflation nicht auf. Andere Städte geben daher
       Geld dazu. In Kiel zum Beispiel bekommen die Schulcaterer aktuell 5,27 Euro
       pro Essen, wovon die Eltern nur 2,40 Euro in der Grundschule und 2,80 Euro
       in der weiterführenden Schule zahlen müssen. In Hannover erhalten die
       Caterer 5,30 Euro, wovon die Eltern 3,80 Euro zahlen. „So eine Preisbremse
       muss es auch in Hamburg geben“, sagt Stöver. Auf keinen Fall dürfe man die
       Familien stärker belasten, „sonst melden Eltern ihre Kinder ab“.
       
       In der Tat verhandeln die Schulcaterer mit der Schulbehörde über eine
       Preisanhebung. Laut Petra Lafferentz von der Initiative Hamburger Caterer
       (IHC) war dies bisher ergebnislos. „Es ist völlig offen, ob es zu einer
       Einigung kommt.“ Laut Schulbehördensprecher Peter Albrecht sind diese
       Gespräche „auf einem konstruktiven Weg“.
       
       Das Problem: Erlaubt die Behörde eine Preiserhöhung, müssen die Eltern das
       zahlen. Ohne eine finanzielle Abfederung durch die Stadt stünde Hamburg
       unsozial da. Laut Albrecht würde die Behörde eine soziale Ermäßigung für
       ältere Schüler begrüßen. Nur koste dies zwölf Millionen Euro – und die
       ließen sich aktuell „nicht finanzieren“.
       
       Allerdings fragen einige Küchenträger, ob nicht Geld durch Umverteilung
       frei werden könne. „An den Grundschulen gibt es – ganz unabhängig vom
       Elterneinkommen – einen Rabatt für Geschwisterkinder“, sagt Clara Mehlhose
       vom Träger „Alraune“. Statt pauschal Geschwister zu begünstigen, könne man
       das Geld für bedürftige ältere Kinder nutzen.
       
       CDU-Frau Stöver findet, Hamburg sollte das Schulessen die zwölf Millionen
       wert sein. SPD und Grüne warfen ihr jedoch vor, sie führe eine
       Scheindebatte. SPD-Politikerin Clarissa Herbst versprach: „Es soll und wird
       in diesem Schuljahr keine finanzielle Mehrbelastung für Hamburgs Eltern
       geben“. Die Grüne Andrea Nunne sagte, die Behörde plane Entlastungen, etwa
       [4][durch „weniger Tierprodukte“]. Schließlich trat Rabe ans Redepult und
       stellte für die Caterer einen „Überbrückungszuschuss“ in Aussicht.
       Eigentlich, räumte er ein, müsse ein Schulessen derzeit fünf Euro kosten.
       
       1 Dec 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/81757/gesundes_und_qualitativ_hochwertiges_schulessen_garantieren_caterer_fair_entlohnen.pdf
   DIR [2] /Hamburg-streitet-ums-Schulessen/!5858174
   DIR [3] /Hamburger-Sparpolitik-waehrend-Corona/!5817779
   DIR [4] /Schulessen-in-Hamburg-und-Bremen/!5871664
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Kaija Kutter
       
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