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       # taz.de -- Bewegungstermine in Berlin: Danke, letzte Generation!
       
       > Diskussionen über Aktionsformen hin oder her – Wenn Proteste inmitten der
       > Klimakrise kriminalisiert werden, bedarf es einer solidarischen Antwort.
       
   IMG Bild: Volle Fahrt auf 4 Grad: Trotz Farbspritzer scheint die SPD die Klimakrise weiter zu ignorieren
       
       Es ist eine absurde Situation: Obwohl es wissenschaftlicher Konsens ist,
       dass die Klimakrise langfristig eine ernsthafte Bedrohung für das
       Fortbestehen der menschlichen Zivilisation darstellt, unternimmt die
       Bundesregierung [1][keine ernsthaften Schritte], um dieses Szenario zu
       verhindern. Die Bevölkerung, deren eigene Zukunft gefährdet ist, [2][stört
       sich kaum an diesem Nichtstun]. Lediglich eine kleine, bisher ungehörte
       Gruppe von Aktivist:innen, klebt sich ab und an Straßenkreuzungen fest und
       bewirft hinter Glasscheiben geschützte Gemälde mit Kartoffelbrei, um
       freundlich darauf aufmerksam zu machen, dass man doch schleunigst ins
       Handeln kommen sollte, um den Enkeln noch einen halbwegs lebenswerten
       Planeten zu hinterlassen.
       
       Was sorgt an diesem Szenario für die meiste Aufregung? Richtig, weder das
       Ausmaß der Klimakrise, noch die Untätigkeit der Politik, sondern die Frage
       ob das ungefragte Festkleben an Autobahnen eine akzeptable Protestform ist.
       
       Der Gegenwind, den die Letzte Generation derzeit erfährt, ist daher absolut
       unverhältnismäßig. [3][Vergleiche mit einer „Klima-RAF“ und Forderungen
       nach härteren Strafen], wie sie derzeit aus der Politik zu hören sind,
       zielen einzig darauf ab, die Repression gegen Aktivist:innen noch zu
       verschärfen.
       
       ## Zeichen der Solidarität
       
       Auch wenn es innerhalb der Bewegung eine ständige Debatte darüber geben
       sollte, w[4][elche Aktionsformen zielführend sind und welche nicht,] ist es
       einer Situation, wo legitimer Protest kriminalisiert zu werden droht,
       wichtig, geschlossen und solidarisch hinter der Letzten Generation zu
       stehen. Eine Möglichkeit dazu wird es am Freitag geben. Alle Klimabewegten
       sind aufgerufen mitzumachen, nähere Infos gibt es am Mittwoch um 19 Uhr auf
       dem [5][Telegram Channel von Climate Justice Berlin]. (Freitag, 17,
       November, 19 Uhr, Ort wird bekanntgegeben).
       
       An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal als taz-Bewegungsredakteur
       nochmal ausdrücklich positionieren: Danke Letzte Generation für eure
       Hartnäckigkeit, das ihr trotz aller Shitstorms weitermacht, das kreative
       Ausprobieren neuer Aktionsformen und vor allem, dass ihr die Politik nicht
       mit ihrem verhängnisvollen Weiter-wie-bisher davonkommen lasst.
       
       Im Fokus staatlicher Repression steht derzeit auch die Aktivist:innen
       der Gruppe „Unfreiwillige Feuerwehr“. Diese [6][blockierten im September
       das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde]. Da zwei der Aktivist:innen sich
       weigerten ihre Personalien abzugeben, blieben sie seit der Blockade in
       Untersuchungshaft. Am Freitag kommt es zum Prozess am Amtsgericht Cottbus,
       Unterstützer:innen rufen zur solidarischen Prozessbegleitung auf.
       (Freitag, 17. November, 8:30 Uhr, Amtsgericht Cottbus, Gerichtsplatz 2,
       Cottbus).
       
       Erbaulich absurden Zeiten ist es sich mit Menschen zu umgeben, die die
       Ungerechtigkeit nicht stillschweigend akzeptieren. So wehrt sich die
       Kreuzberger Initiative [7][Bizim Kiez] seit Jahren lautstark gegen
       Verdrängung und Gentrifizierung in ihrem Viertel. Ein mittlerweile schon
       zur Tradition gewordene Aktion ist der „widerständige Laternenumzug gegen
       Verdrängung“ der jedes Jahr im November stattfindet. (Samstag, 19.
       November, 16:30 Uhr, Rio-Reiser-Platz).
       
       ## Nicht schweigend zusehen
       
       Leider immer noch notwendig ist auch die Tradition des internationalen
       „Trans Day of Remembrance“, der am Sonntag auch in Berlin begangen wird.
       Der internationale Gedenktag wurde 1998 nach der Ermordung der
       afro-amerikanischen Trans-Frau [8][Rita Hester] ins Leben gerufen, um den
       Opfern transphober Gewalt zu gedenken.
       
       Trotz aller mühsam erkämpften gesellschaftlichen Fortschritte, kommt es
       immer noch täglich zu gewalttätigen Übergriffen gegenüber Trans*-Personen.
       Dass diese nicht selten tödlich enden, zeigt der tragische Tod von Malte
       C., der im August am Rande des CSD in Münster niedergeschlagen wurde. Die
       NGO [9][Trans Murder Monitoring] Projekt zählte allein im vergangenen Jahr
       weltweit 327 ermordete Transmenschen. Die [10][Deutsche Gesellschaft für
       Transidentität und Intersexualität] ruft daher zum [11][„Marsch der
       Stille“] auf, bei dem der Opfer transfeindlicher Gewalt gedacht werden
       soll. (Sonntag, 20. November, 17:45 Uhr, Nollendorfplatz).
       
       Ein weiteres Opfer von Transfeindlichkeit wurde Ella, die sich in einem Akt
       der Verzweiflung im September letzten Jahres selbst verbrannte. Ella floh
       aus dem Iran nach Berlin, doch auch hier war sie massiven Diskriminierungen
       aufgrund ihrer Transidentität und ihrer Herkunft ausgesetzt. Die Antifa
       Nordost ruft zu einer [12][Gedenkkundgebung für Ella und Malte] vor dem
       Krankenhaus auf, indem Ella verstarb. (Sonntag, 20. November, 15 Uhr,
       Warener Straße 1, 12683).
       
       Auch die Amerika-Gedenkbibliothek veranstaltet anlässlich des Gedenktages
       [13][ein vielfältiges Programm] mit Performances, Lesungen und
       Diskussionen. (Sonntag, 20. November, ab 12 Uhr, Blücherplatz 1)
       
       Am Montag findet dann das [14][traditionelle Gedenken an Silvio Meier]
       statt. Meier war ein Aktivist der Ostberliner Hausbesetzer:innenbewegung,
       der 1992 am U-Bahnhof Samariterstraße von einer Gruppe Neonazis
       niedergestochen wurde. Grund für die Auseinandersetzung war, dass Meier
       nicht schweigend hinnahm, dass die Nazis rassistische Symbole in seinem
       Kiez trugen und sie konfrontierte. Auch Malte C. wurde Ziel, weil er sich
       schützend vor mehrere Personen stellte, die der Täter zuvor bleidigt hatte.
       Zivilcourage, die trotz des tragischen Ausgangs inspiriert. (Montag, 21.
       November, 18 Uhr, U-Bahnhof Samariterstraße).
       
       15 Nov 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Olaf-Scholz-auf-UN-Klimagipfel/!5893353
   DIR [2] /Vorwuerfe-gegen-die-Letzte-Generation/!5890172
   DIR [3] /Skandalisierung-als-Klima-RAF/!5891938
   DIR [4] /Klima-Protestaktionen/!5894521
   DIR [5] https://t.me/climatejusticeberlin
   DIR [6] /Blockiertes-Kraftwerk-Jaenschwalde/!5879760
   DIR [7] https://www.bizim-kiez.de
   DIR [8] https://de.wikipedia.org/wiki/Rita_Hester
   DIR [9] https://tgeu.org/tmm/
   DIR [10] https://dgti.org/
   DIR [11] https://www.instagram.com/p/CkzDpCwtWNN/?hl=de
   DIR [12] https://antifa-nordost.org/13467/trans-day-of-rememberance-niemand-ist-vergessen/
   DIR [13] https://www.zlb.de/veranstaltungen/aktuell/kalender/highlight-trans-day-of-remembrance-tag-der-erinnerung-an-die-opfer-von-transfeindlichkeit.html
   DIR [14] https://stressfaktor.squat.net/node/273342
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jonas Wahmkow
       
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