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       # taz.de -- Midterms in Florida: Gefährlich wie Trump, nur schlauer
       
       > Gouverneur DeSantis räumt bei den Zwischenwahlen ab. Sollte er für die
       > Präsidentschaftswahlen antreten, müsste Trump zittern. Und auch die
       > Demokratie.
       
   IMG Bild: Gegen Genderthemen und rassismuskritische Theorien an Schulen: DeSantis in der Wahlnacht in Florida
       
       Berlin taz | Er ist wohl der strahlendste Wahlsieger dieser
       [1][Zwischenwahlen in den USA]: Floridas republikanischer Gouverneur Ron
       DeSantis. Mit fast 60 Prozent der Stimmen gewann er seine Wiederwahl –
       deutlicher als die erste 2018 und mit höheren Stimmanteilen in Florida als
       Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2020.
       
       Der 44-Jährige gilt schon seit Monaten als größter möglicher Rivale
       [2][Donald Trumps] für die republikanische Präsidentschaftskandidatur 2024.
       DeSantis selbst hat sich zu einer möglichen Kandidatur noch nie klar
       geäußert, hat sie allerdings auch nicht ausgeschlossen. Als er seine
       Siegesrede in der Nacht zum Mittwoch mit den Worten „Und ich habe erst
       begonnen zu kämpfen“ beendete, ließ das also viel Raum für
       Interpretationen.
       
       Wer DeSantis’ mögliche Ambitionen allerdings definitiv ernst nimmt, ist
       Donald Trump. „Ich weiß nicht, ob er antreten wird. Aber wenn er antritt,
       könnte er sich selbst großen Schaden zufügen“, sagte Trump am Montag dem
       Sender Fox News. „Ich denke, er würde einen Fehler machen, ich denke, die
       Basis würde das nicht mögen, ich glaube nicht, dass das gut für die Partei
       wäre“, fügte Trump hinzu.
       
       Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er neben solchen fast ängstlichen
       Kommentaren nicht direkt in die hässliche Offensive ginge. „Ron
       DeSanctimonius“ nannte er DeSantis bei einer Veranstaltung in Pennsylvania
       am Samstag: Ron, den Scheinheiligen. Und er kündigte schmutzige
       Enthüllungen an: „Ich würde euch Dinge über ihn erzählen, die nicht sehr
       schmeichelhaft sind“, sagte Trump. „Ich weiß mehr über ihn als
       irgendjemand, außer vielleicht seiner Frau.“
       
       ## Hartes Vorgehen gegen seine Gegner
       
       Schließlich beklagte sich Trump noch über mangelnde Dankbarkeit von
       DeSantis. In einem Interview mit NewsNation sagte Trump, DeSantis sei 2018
       nicht in der Lage gewesen, überhaupt eine Rolle zu spielen. „Als ich ihn
       dann unterstützt habe, war das Rennen gelaufen. Ich hab ihm die Nominierung
       besorgt. Nicht er, ich“, sagte Trump und fügte hinzu: „Ich dachte, er hätte
       dankbarer sein können, aber das ist seine Sache.“
       
       DeSantis, der vor seinem Eintritt in die Politik 2012 als
       Militärstrafverteidiger tätig war, gehört seinerseits keineswegs zum
       moderaten Teil der [3][Republikanischen Partei] und wäre früher als „zu
       extrem“ angesehen worden. In seiner Siegesrede am Dienstagabend beschwor
       er, Florida verteidige unter ihm die Freiheit gegen den „woken Mob“.
       Florida sei, „wo die Wokeness stirbt“, rief er unter großem Jubel seiner
       Unterstützer*innen.
       
       Als Gouverneur hat er in den letzten Jahren durch zahlreiche radikale
       Aktionen auf sich aufmerksam gemacht: Während der Coronapandemie ließ er
       die Maskenpflicht an Schulen abschaffen und drohte Schulleitungen, die
       darauf bestanden, mit Gehaltssperrungen. Ständig pöbelte er gegen den
       Chefvirologen und obersten Pandemiebekämpfer des Weißen Hauses, Antonio
       Fauci.
       
       Er setzte ein Verbot der Beschäftigung mit der rassismuskritischen
       Critical Race Theory an Schulen durch und untersagte, [4][dass in
       Kindergärten Genderthemen] angesprochen werden. Als der Walt-Disney-Konzern
       ihn deswegen kritisierte, belegte DeSantis das Unternehmen mit Sanktionen,
       und als das Baseballteam der Tampa Bay Rays nach verschiedenen
       Schulmassakern [5][Reformen im Waffenrecht] forderte, sperrte er die
       staatlichen Subventionen für deren Trainingsstätte.
       
       ## Ganz oben auf der Liste
       
       Zuletzt machte DeSantis landesweit auf sich aufmerksam, als er und mehrere
       andere republikanische Gouverneure unter falschen Vorspiegelungen
       Migrant*innen und Asylsuchende aus Florida in demokratisch geführte
       Bundesstaaten bringen und dort vor den Regierungsgebäuden absetzen ließen.
       
       DeSantis ist also keineswegs gemäßigt – manche Analysten beschreiben ihn
       als „gefährlich wie Trump, nur schlauer“. Wenn die Republikaner nach diesen
       Wahlen, bei denen sie ihre Hoffnungen nicht erfüllen konnten, nach
       personellen Alternativen für 2024 suchen, steht DeSantis ganz oben auf der
       Liste.
       
       9 Nov 2022
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Bernd Pickert
       
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