URI:
       # taz.de -- Midterm-Wahlen in den USA: Demokraten können aufatmen
       
       > Die Midterms bestätigen die tiefe Spaltung der USA. Doch Präsident Joe
       > Biden geht gestärkt, Donald Trump hingegen geschwächt daraus hervor.
       
   IMG Bild: Nicht so begeistert: modisch übermotivierter Trump-Anhänger am Wahlabend in Arizona
       
       Eines steht fest: eine [1][Trump-Lawine] ist nicht über die USA gerollt.
       Die Republikaner haben am Dienstag zwar Zugewinne erzielt. Aber im
       Vergleich zu den Erfolgen von Oppositionsparteien bei früheren
       Midterm-Wahlen nehmen sich diese Erfolge gering aus. Und sie bleiben weit
       hinter den republikanischen Erwartungen zurück.
       
       Bis zu einem kompletten Ergebnis der [2][Midterm-Wahlen] in den USA können
       Tage, möglicherweise – falls in Georgia erneut eine Stichwahl nötig sein
       sollte – sogar Wochen vergehen. Aber in der Wahlnacht sind zumindest ein
       paar Dinge deutlich geworden, die die US-amerikanische Politik der nächsten
       Jahre bestimmen werden.
       
       Donald Trump geht geschwächt aus den Wahlen hervor. Er hat sich in der
       zurückliegenden Kampagne stärker engagiert, als es je ein Ex-Präsident bei
       Midtermwahlen vor ihm getan hat. Er ist kreuz und quer durch das Land
       geflogen, um seine Favoriten und – vor allem – seine eigenen Ambitionen auf
       eine neue Kandidatur für das Weiße Haus im Jahr 2024 zu bewerben. Doch von
       den radikalen Kandidaten, die er unterstützt hat, sind einige kläglich
       gescheitert. Und vielerorts haben ihn seine Wähler von 2016 und 2020 im
       Stich gelassen.
       
       Der Dämpfer für Trumps persönliche Ambitionen ist freilich nicht
       gleichbedeutend mit dem Ende seines Siegeszugs durch die Republikanische
       Partei und die Institutionen des Landes. Denn zahlreiche seiner Kandidaten
       haben die Wahl geschafft. Ihre Präsenz auf allen gewählten Ebenen ist eine
       Garantie dafür, dass Konfrontationen im Stil von Trump im US-Kongress
       künftig zunehmen werden und dass die Gefahren für die Demokratie in den USA
       gerade auf der Ebene der Bundesstaaten keineswegs gebannt sind. Abgesehen
       davon ist auch von Ron DeSantis, dem wiedergewählten [3][Gouverneur von
       Florida] und Trumps gegenwärtig aussichtsreichstem republikanischen
       Konkurrenten für 2024, lediglich ein anderer persönlicher Stil, aber keine
       grundsätzlich andere Politik zu erwarten.
       
       Die Demokraten können aufatmen, weil ihre Verluste geringer ausgefallen
       sind als befürchtet. Sie konnten sowohl Abgeordnete als auch Gouverneure
       halten, die gefährdet schienen. Und sie konnten – mit dem heiß umkämpften
       Wahlsieg von John Fetterman [4][in Pennsylvania] – einen Sitz im Senat
       dazugewinnen. Aber sie haben einige zentrale Figuren eingebüßt – darunter
       solche, die besonders engagiert an der [5][Aufklärung über den Sturm aufs
       Kapitol] beteiligt waren. Mit weniger Abgeordneten wird es den Demokraten
       noch schwerer fallen, ihre Reformen im Kongress durchzusetzen. Für die
       Demokraten bringen diese Midterms auch die Gewissheit, dass sie zwei
       Bundesstaaten, die noch kürzlich Swing States waren, verloren haben. Sowohl
       Florida als auch Ohio stimmten mit großen Mehrheiten republikanisch.
       
       Dennoch geht Präsident Joe Biden gestärkt aus den Midterm-Wahlen hervor.
       Zentristen seiner Partei werten die relativ glimpflichen Verluste der
       Demokraten als Bestätigung seiner Politik. Sie rufen ihn jetzt dazu auf, im
       Jahr 2024 erneut für das Weiße Haus zu kandidieren.
       
       Gestärkt gehen auch die Parteilinken aus den Zwischenwahlen hervor. Sie
       haben mehrere zusätzliche Wahlkreise erobert. Im künftigen
       Repräsentantenhaus werden sie lauter vernehmbar sein.
       
       Die Midterms bestätigen die tiefe Spaltung der USA rund um die beiden
       einzigen Parteien, die ihre Politik bestimmen. Aber in einem Punkt waren
       sich die Wähler am Dienstag über die Parteigrenzen hinweg einig: Sie wollen
       am Recht auf Abtreibung festhalten. In mindestens vier Bundesstaaten, in
       denen Referenden über dieses Recht stattfanden, scheinen sich die Wähler
       mehrheitlich dafür ausgesprochen zu haben.
       
       9 Nov 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Halbzeitwahlen-in-den-USA/!5890588
   DIR [2] /Midterm-Wahlen-in-den-USA/!5889128
   DIR [3] /Migranten-in-den-USA/!5884554
   DIR [4] /Midterm-Wahlen-in-den-USA/!5889128
   DIR [5] /Vor-den-Midterms-in-den-USA/!5890131
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dorothea Hahn
       
       ## TAGS
       
   DIR USA
   DIR Midterms
   DIR Joe Biden
   DIR Donald Trump
   DIR GNS
   DIR Midterms
   DIR USA
   DIR Midterms
   DIR Schwerpunkt Rassismus
   DIR USA
   DIR Midterms
   DIR Midterms
   DIR Midterms
   DIR Schwerpunkt Rassismus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Folgen der Stichwahl in Georgia: Completely lost
       
       Nach der Wiederwahl von Raphael Warnock bei der Stichwahl in Georgia können
       die Demokraten aufatmen. Die Republikaner stehen vor einem Scherbenhaufen.
       
   DIR US-Präsident Biden will zweite Amtszeit: Bitte nicht weitermachen!
       
       Joe Biden denkt laut darüber nach, 2024 erneut für das Präsidentenamt zu
       kandidieren. Das sollte er besser lassen – er ist einfach zu alt.
       
   DIR Zwischenwahlen in den USA: Rechte Enttäuschung
       
       Noch sind nicht alle Stimmen gezählt, doch es zeichnet sich ab: Die
       Republikaner haben weniger Zugewinne als erwartet.
       
   DIR Midterms in Florida: Gefährlich wie Trump, nur schlauer
       
       Gouverneur DeSantis räumt bei den Zwischenwahlen ab. Sollte er für die
       Präsidentschaftswahlen antreten, müsste Trump zittern. Und auch die
       Demokratie.
       
   DIR US-Republikaner Kevin McCarthy: Biden Steine in den Weg legen
       
       Republikaner Kevin McCarthy strebt die Mehrheit im Repräsentantenhaus an.
       Damit könnte er Präsident Bidens Sozialreform stoppen.
       
   DIR Midterms in den USA: Keine „rote Welle“ in den USA
       
       Die Republikaner*innen übernehmen vermutlich die Kontrolle des
       Repräsentantenhauses, aber knapp. Der Ausgang der Senatswahlen ist weiter
       offen.
       
   DIR Zwischenwahlen in den USA: Tonnenweise Wahlzettel
       
       Wahltag in den USA: Die sogenannten Midterms finden statt. Doch was wird
       überhaupt gewählt? Und welche Ergebnisse sind zu erwarten? Ein Überblick.
       
   DIR Vor den Midterms in den USA: Zu zaghaft gegen Putschisten
       
       Die Demokraten haben der Radikalisierung der Republikaner in den letzten
       zwei Jahren wenig entgegengesetzt. Das könnte ihnen zum Verhängnis werden.
       
   DIR Midterm-Wahlen in den USA: Von Tür zu Tür im „Dairyland“
       
       Bei den Midterms könnte Wisconsin entscheidend sein. Unterwegs mit einer
       Schwarzen Wählerinitiative, die die Menschen mobilisieren will.