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       # taz.de -- Nachverhandlung des Bundeshaushalts: Mehr Geld für Kulturvermittler
       
       > Die Parteien der Koalition einigen sich doch noch auf eine Aufstockung
       > des Etats für auswärtige Kulturpolitik. Das lässt das Goethe-Institut
       > aufatmen.
       
   IMG Bild: Annalena Baerbock mit den Preisträgerinnen der Goethe-Medaille in Weimar am 28. August
       
       Die auswärtige Kultur- und Bildungspolitik geht gestärkt aus den
       Nachverhandlungen zum Bundeshaushalt 2023 hervor. Wie Staatssekretärin
       Susanne Baumann in einem Hintergrundgespräch am Freitagmorgen im
       Auswärtigen Amt in Berlin erläuterte, wird der Bereich der auswärtigen
       Kultur- und Bildungspolitik im Bundeshaushalt 2023 aufgestockt.
       
       Wegen Corona-Pandemie, Energiekrise und russischem Angriffskrieg auf die
       Ukraine ist die Lage angespannt. Dennoch bekommen Kultur- und
       Bildungspolitik 31,3 Millionen Euro mehr im Vergleich zum Haushaltsjahr
       2022 zugesprochen. Der Gesamtetat in diesem Bereich liegt nun bei 1,058
       Milliarden Euro, ein neues Rekordniveau.
       
       „Kürzungen gegenüber dem Haushaltsentwurf sind damit mehr als kompensiert“,
       sagt auch Erhard Grundl, MdB, Sprecher für Kultur- und Medienpolitik der
       Grünen, in einer Presseerklärung. [1][Zuvor war noch von einer
       zehnprozentigen Kürzung] des Gesamtbereichs die Rede.
       
       Die Kürzungen hätte vor allem die auswärtigen Institutionen der
       Kulturvermittlung betroffen, etwa das Goethe-Institut, den Deutschen
       Akademische Austauschdienst (DAAD), das Institut für Auslandsbeziehungen
       (Ifa) oder die Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Insbesondere im
       Goethe-Institut war man alarmiert.
       
       ## Klares Bekenntnis zur Kultur
       
       Die Präsidentin des Goethe-Instituts Carola Lentz sagte nun zu der
       Entscheidung: „Gerade angesichts der angespannten Haushaltslage verstehen
       wir die Rücknahme der Kürzungen als klares Bekenntnis zur Auswärtigen
       Kultur- und Bildungspolitik.“
       
       Mit 158 Instituten in 98 Ländern weltweit ist das Goethe in Krisenregionen
       häufig ein wichtiger Ansprechpartner für die Zivilgesellschaft. Nach der
       Bereinigungssitzung beläuft sich die institutionelle Förderung des
       Goethe-Instituts nun im Jahr 2023 auf rund rund 239 Millionen.
       
       Offenbar sieht man jedoch bei den Koalitionsparteien einen gewissen
       Reformbedarf in der Struktur des Instituts. Die Kosten für die vielen
       Standorte in Westeuropa oder Metropolen Nordamerikas scheinen hoch. Daher,
       so deutete Staatssekretärin Baumann an, sollte das Institut beweglicher
       werden, um auf Krisen besser reagieren zu können. 14 Millionen Euro will
       das Ministerium dem Goethe 2023 erst freigeben, so man sich gemeinsam auf
       Reformen einigt.
       
       Der Generalsekretär des Goethe-Instituts Johannes Ebert sieht dennoch die
       Ergebnisse des Haushaltsverfahrens als einen Vertrauensbeweis des Deutschen
       Bundestags. „Dieses Vertrauen gibt uns Rückhalt für Zukunftskonzepte, die
       unsere Arbeit angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen
       konsolidieren und weiterentwickeln“, so Ebert. Man werde diese nun
       „gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt mit Schwung und Engagement
       vorantreiben“. Es bleibt also spannend.
       
       13 Nov 2022
       
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