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       # taz.de -- IAEA prüft Moskaus Vorwürfe: Zurück in der Ukraine
       
       > Die Atomenergiebehörde hat erneut Experten in das Land entsandt. Russland
       > behauptet, dort werde an einer „schmutzigen Bombe“ gebaut.
       
   IMG Bild: Rafael Mariano Grossi, Generaldirektor der internationalen Atomenergiebehörde, am 27. Oktober in New York
       
       Erneut ist Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationalen
       Atomenergiebehörde (IAEA), [1][mit einer Delegation von Experten in der
       Ukraine] eingetroffen. Dieses Mal war er von der Ukraine schriftlich
       gebeten worden, das Land zeitnah zu besuchen. Grund der Einladung und des
       Besuchs sind Anschuldigungen aus Russland, die Ukraine [2][würde an zwei
       Orten an einer „schmutzigen Bombe“ basteln]. Das ist ein konventioneller
       Sprengkörper, der bei seiner Explosion radioaktives, chemisches oder
       biologisches Material freisetzt. Gegen Ende der Woche, so Grossi, sei mit
       seinem Bericht über die Inspektionen vor Ort in der Ukraine zu rechnen.
       
       Während die Ukraine und die IAEA nicht mitteilen, um welche zwei Orte es
       sich handelt, berichtet die russische Agentur RBK.ru, die Inspektion werde
       im Institut für Atomforschungen in Kiew und im Staatlichen Kombinat für
       Bergbau und Anreicherung in Schowti Wody durchgeführt. Zuvor hatte der Chef
       der Strahlen-, Chemie- und Biologieschutztruppen der russischen
       Streitkräfte, Generalleutnant Igor Kirillow, erklärt, das russische
       Verteidigungsministerium [3][verfüge über Informationen über Pläne Kiews],
       eine „schmutzige Bombe“ einzusetzen und dies dann Moskau in die Schuhe zu
       schieben.
       
       Und das russische Verteidigungsministerium will gar wissen, dass die
       Ukraine die Arbeiten an dieser Bombe praktisch schon abgeschlossen habe.
       Kiew, so das russische Verteidigungsministerium, könnte radioaktive
       Substanzen aus den abgebrannten Brennelementen des AKWs Tschernobyl zur
       Herstellung verwenden.
       
       ## Nicht ganz sauber
       
       Doch wie glaubhaft ist das? Als Beweis für die Anschuldigung hatte das
       russische Außenministerium auch ein Foto veröffentlicht. Doch ganz sauber
       scheint man beim Außenministerium nicht gearbeitet zu haben. So hatte in
       einer ersten Reaktion auf diese Anschuldigung die slowenische Regierung
       erklärt, dass ein Dia, das die Vorbereitung der Bombe veranschaulichen
       soll, nichts dergleichen zeige. Es stamme aus dem Bildarchiv einer
       slowenischen Agentur, die 2010 radioaktiven Müll fotografiert habe.
       
       IAEA-Generaldirektor Grossi ist indessen weiter sehr beunruhigt über die
       Situation in [4][Europas größtem Atomkraftwerk, dem AKW Saporischschja] in
       Enerhodar. Auf ihrem Portal berichtet die IAEA von einer Explosion einer
       Landmine, die am Montagabend die Hauptstromverbindung zu einem der
       Reaktoren des ukrainischen AKWs Saporischschja unterbrochen hatte. Erneut
       zeige dieser Vorfall, so die IAEA, wie fragil es um die Sicherheit der
       Anlage bestellt sei. Als Folge der Explosion werde nun Reaktor Nr. 4 über
       eine Notstromleitung versorgt. Ein weiterer Grund zur Beunruhigung seien
       die zunehmenden militärischen Aktivitäten um das AKW.
       
       Sorgen bereitet der IAEA auch [5][der zunehmende Stress], dem die
       Mitarbeiter:innen des AKWs ausgesetzt sind. Das Personal, so Grossi,
       arbeite hart und unter schwierigen Bedingungen daran, wiederholte
       Stromausfälle wie Anfang Oktober zu verhindern. Es sei beunruhigend, dass
       die Mitarbeiter:innen des Kraftwerks Saporischschja von Russland
       aufgefordert würden, neue Arbeitsverträge mit einer von Russland
       gegründeten Firma zu unterzeichnen.
       
       1 Nov 2022
       
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