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       # taz.de -- Ägyptischer Aktivist im Hungerstreik: Warten auf das Echo der Welt
       
       > Um die Menschenrechtssituation in Ägypten steht schlecht. Der lange
       > inhaftierte Aktisvist Alaa Abdel Fatah macht jetzt drastisch darauf
       > aufmerksam.
       
   IMG Bild: „Ich habe Angst um Alaa“: Sanaa Seif, Schwester des inhaftierten Aktivisten Alaa Abdel Fatah
       
       Das Regime in Ägypten wollte mit der Weltklimakonferenz COP27 in Scharm
       al-Scheich in aller Welt glänzen. Mit über 100 angereisten Staats- und
       Regierungschefs war die Rechnung auch zunächst aufgegangen.
       
       Sicher, die Welt hatte schon irgendwie gehört, dass es mit der
       Menschenrechtssituation in Ägypten nicht zum Besten steht, doch mit Beginn
       der Konferenz hat sie einen Namen und ein Gesicht bekommen. Denn der seit
       neun Jahren fast ununterbrochen im Gefängnis sitzende ägyptisch-britische
       Demokratie-Aktivist Alaa Abdel Fatah entschied sich [1][zu einem
       ultimativen Schritt]: Nach 200 Tagen, in denen er aus Protest nicht mehr
       als 100 Kalorien am Tag zu sich genommen hatte, beschloss er am Tag der
       Eröffnung der COP27 am vergangenen Sonntag, überhaupt nichts mehr zu sich
       zu nehmen, auch keine Flüssigkeit. Sein gegenwärtiges Schicksal im
       Gefängnis ist unbekannt: Niemand weiß, ob er noch lebt oder ob er, an ein
       Bett gefesselt, zwangsernährt wird.
       
       Seine Schwester Sanaa und andere Aktivisten nutzen die Weltklimakonferenz,
       um mit Alaa als Symbol auf die Menschenrechtslage im Land aufmerksam zu
       machen. Klimaexperten, -Aktivisten und -Journalisten unterbrachen ihre
       Arbeit und hörten der verzweifelten Sanaa zu. „Ich habe Angst um Alaa, ich
       habe auch Angst um mich selbst. Ich kann hier meinen Bruder verlieren.“ Das
       waren Sätze, denen sich niemand entziehen konnte.
       
       Vor Beginn der Konferenz hatten Menschenrechtsgruppen lange über einen
       Aufruf [2][zum Boykott der Konferenz] debattiert. Gewonnen hatten
       schließlich jene, die stattdessen dafür plädierten, die COP27 als Bühne zu
       nutzen. Viele von ihnen hatten dennoch Angst nach Scharm al-Scheich zu
       kommen. Dann kam Alaa mit seinem Mut der Verzweiflung und weigerte sich zu
       trinken. Ab da wussten alle: jetzt oder nie. Sie rufen mutiger denn je –
       und warten, welches internationale Echo zurückkommt und ob es reichen wird,
       damit Alaa seine Gefängniszelle lebend verlässt.
       
       9 Nov 2022
       
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