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       # taz.de -- Vom Feilschen mit Handwerkern: Das Heizungsproblem
       
       > Wie Osman seinem Kollegen zu einer „supergünstigen“ neuen Heizungsanlage
       > verhilft. Der muss sich nach dem Ende der Verhandlungen erst mal setzen.
       
   IMG Bild: Neue Heizung fällig: das kann teuer werden
       
       Das Reihenhäuschen von meinem Arbeitskollegen Nedim bekommt heute auch eine
       nagelneue Heizung. Die alte war nicht mal mehr in der Lage, sich selbst zu
       wärmen.
       
       Wir fahren von Halle 4 direkt zu ihm nach Hause, um die neue technische
       Errungenschaft gebührend zu bewundern.
       
       „Für läppische 4.000 Euro, inklusive Montage. Habe ich am Telefon
       abgemacht“, schnalzt Nedim mit der Zunge. „Osman, ich lass mich nicht so
       reinlegen wie du. Ich krieg [1][die neue Heizung] ganze 1.000 Euro
       günstiger, du Opfer“, lacht er selbstgefällig.
       
       Während er für seinen Ford-Transit einen Parkplatz sucht, öffnet mir seine
       Frau Hümeyranim die Tür und ich laufe in den Keller.
       
       ## Fünf leeer Bierflaschen
       
       Der Blaumann ist immer noch eifrig am Rumschrauben. Damit meine ich nicht
       nur seine Arbeitsklamotten. Fünf leere Bierflaschen liegen neben ihm. Er
       selbst ist blauer als seine Kleidung.
       
       „Wooow, so ein toller Heizkörper. Ich bin gespannt, [2][was als
       Montagekosten noch auf uns zukommt]?“, pfeife ich anerkennend.
       
       „Öhm … Montagekosten?“, stammelt er überrascht, wittert aber sofort seine
       Chance. „Für das Montieren des neuen Geräts müsste ich Ihnen tatsächlich
       noch ’ne Kleinigkeit berechnen.“
       
       „Klar, kein Mensch arbeitet umsonst“, bestätige ich sofort.
       
       „Wäre 300 Euro zu viel?“, fragt er zaghaft.
       
       „Keineswegs! Andere gute Handwerker stehen für 300 Euro morgens nicht mal
       auf.“
       
       ## Gleiche Arbeit, gleiches Geld
       
       „Wenn ich ehrlich bin, der neue Tarif liegt auch bei 600 Euro.“
       
       „Und Ihr Kollege? Der muss ja auch was kriegen“, sage ich.
       
       „Der ist heute verhindert. Aber Sie haben recht. Nach dem Gesetz müsste ich
       für ihn das gleiche berechnen“, grinst er.
       
       „Logisch. Gleiches Geld, für gleiche Arbeit. Könnten Sie bitte das alte
       Gerät sofort entsorgen? Gegen Entgelt versteht sich“, frage ich ihn.
       
       „Hätten Sie was dagegen, wenn ich die Entsorgung des alten Geräts mit 400
       Euro berechne?“
       
       „Nicht im Geringsten. Ich wundere mich eher, weshalb das Abmontieren des
       alten Geräts nichts gekostet hat?“
       
       „Was halten Sie denn von 500 Euro?“, schlägt er vor.
       
       „Sehr fair! Wenn Sie mir bitte noch verraten würden, wie hoch der Preis für
       die Endmontage ausfällt.“
       
       „Für die Endmontage mache ich Ihnen einen Freundschaftspreis von nur 450
       Euro.“
       
       ## Plötzlicher Schwächeanfall
       
       „Vielen Dank. Soviel ich weiß, werden die ganzen technischen Teile zum
       Schluss nochmal fachmännisch überprüft, nicht wahr?“
       
       „Für die fachmännische Überprüfung der technischen Teile kommen wir locker
       mit 600 Euro aus. Ist es okay?“
       
       „Völlig okay. Bitte vergessen Sie Ihren Kollegen nicht.“
       
       „Klar. Also 1.200 Euro.“
       
       „Und die Gewerbesteuer? Auch 1.200?“
       
       „Sie sind der Fachmann, mein Herr. 1.200 und keinen Euro mehr“, lacht er.
       
       „Sehr faires Angebot. Bitte v[3][ergessen Sie die Alkoholsteuer nicht.]“
       
       In dem Moment zeigt sich mein Arbeitskollege Nedim im Türrahmen.
       
       „So! Alles erledigt“, grinst der [4][Monteur höchst zufrieden] und reicht
       mir die Rechnung über 14.500 Euro, die ich sofort an Nedim weiterleite.
       
       Wegen eines plötzlichen Schwächeanfalls muss ich meinem Arbeitskollegen
       helfen, sich zu setzen.
       
       „Super Deal hast du gemacht, Nedim. Toll. Nur 14.500 Euro. Tschüss.“
       
       12 Nov 2022
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Osman Engin
       
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