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       # taz.de -- Stadtentwicklung in Hamburg: Geldsegen von den Mietern der Stadt
       
       > Die städtische Saga schüttet in den kommenden Jahren 350 Millionen an den
       > Hamburger Haushalt aus. Mieterverbände und die Linke kritisieren das.
       
   IMG Bild: Die Saga soll überschüssige Gelder lieber in Sanierungen stecken, sagt die Linke
       
       Hamburg taz | Das städtische Wohnungsbauunternehmen Saga soll in den
       kommenden vier Jahren insgesamt 350 Millionen Euro an den Hamburger
       Haushalt ausschütten – deutlich mehr,als in den vergangenen Jahren. Das hat
       der Senat am Mittwoch in einer Sitzung des Haushaltsausschusses bestätigt.
       Dabei sind Hamburgs Mieter*innen schon jetzt stark belastet. Die Linke
       und die Mietervereine kritisieren die Ausschüttung scharf.
       
       Nachdem [1][die Saga in den vergangenen drei Jahren insgesamt rund 75
       Millionen an den städtischen Haushalt ausgeschüttet hat], sollen es in den
       nächsten vier Jahren satte 350 Millionen sein – davon jeweils 25 Millionen
       in den Jahren 2023 und 2026 sowie jeweils 150 Millionen in den Jahren 2024
       und 2025.
       
       Dabei erhöht die Saga wie auch andere Vermieter*innen kontinuierlich
       die Mieten, während dringend benötigte Sanierungen auf der Strecke bleiben.
       Zudem werden die Mieter*innen [2][im Zuge der Energiekrise mit deutlich
       steigenden Betriebskosten rechnen müssen].
       
       Einen „Schlag ins Gesicht“ für die Mieter*innen nennt die
       Bürgerschaftsabgeordnete Heike Sudmann (Die Linke) die geplante
       Überweisung. Die Mieter*innen würden „mit den horrenden
       Energierechnungen allein gelassen, während die Saga genug Geld hat, um
       mehrere Hundert Millionen Euro an die Stadt zu zahlen“.
       
       ## Summen „total willkürlich“
       
       Rolf Bosse, Geschäftsführer des Mietervereins zu Hamburg, nennt die Summen,
       die die Saga künftig ausschütten soll, „total willkürlich“ und fordert,
       dass die Stadt der Saga ihre Gewinne lassen möge, und zwar „für die
       Schaffung und den Erhalt von Wohnraum und die Stabilisierung der Mieten“.
       
       Sylvia Sonnemann, Geschäftsführerin von „Mieter helfen Mietern“ (MHM)
       fordert, die Gelder, wenn schon, dann „wenigstens zweckgebunden“ an den
       Senat zu überweisen. Denn die [3][Zielzahlen für den sozialen Wohnungsbau
       seien auch deshalb nicht erreicht worden], weil die Fördermittel viel zu
       gering seien.
       
       Zudem fordert Sonnemann die Saga auf, die Gewinne zu nutzen, um „nicht die
       vollen Mieterhöhungmöglichkeiten auszuschöpfen“ und die zu erwartenden
       Schwierigkeiten der Mieter*innen abzufedern. Das betreffe vor allem
       Personen, „die knapp über Hartz IV liegen, denen die Nebenkosten nicht vom
       Amt gezahlt werden“.
       
       Rolf Bosse führt die hohen Gewinne darauf zurück, dass „die Mieten die, die
       Saga aufruft deutlich über dem liegen, wie sie sein müssten“. Das bestätigt
       auch Sylvia Sonnemann: „Die Mieterhöhungen finden trotz Krise ganz
       regelmäßig statt“, berichtet sie, und zwar „turnusgemäß alle 15 Monate“.
       
       Die Finanzbehörde entgegnet, dass es sich bei den Ausschüttungen nicht um
       Gewinne aus der laufenden Geschäftstätigkeit der Saga handele: „Die
       einmalig erhöhten Ausschüttungen von 150 Millionen Euro für 2023 und 2024
       ergeben sich aus Sondereffekten insbesondere im Zuge der
       Saga-GWG-Verschmelzung“, sagt der Pressesprecher der Finanzbehörde, Claas
       Ricker.
       
       Bei den Geldern handele es sich dementsprechend „insbesondere nicht um
       Erträge aus Mieten“. Für den Kauf des Schwesterunternehmens GWG musste die
       Saga in den Jahren davor hohe Summen an den Senat überweisen.
       
       Derweil gibt es aus Sicht der Mietervereine und der Linken in den rund
       137.000 Wohnungen der Saga deutlichen Sanierungsbedarf. So hat laut der
       Linken-Politikerin Sudmann in einem 14-stöckigen Mietshaus der Saga seit
       Mai das Licht im Treppenhaus Tag und Nacht gebrannt. Das Problem sei erst
       nach fünf Monaten behoben worden.
       
       Außerdem kritisiert die Linken-Politikerin, dass in der Lenzsiedlung im
       Bezirk Eimsbütttel die Wasserleitungen seit Jahren marode seien und nicht
       ausgetauscht würden. Rolf Bosse sagt hierzu: „30 Prozent der Saga-Wohnungen
       befinden sich in einem unsanierten, schlechten energetischen Zustand.“ Er
       ergänzt: „Da muss was getan werden.“
       
       [4][Die Saga widerspricht] und weist darauf hin, dass sie im Jahr 2021 rund
       530 Millionen Euro in die „Pflege und Entwicklung ihrer Bestände sowie die
       Schaffung neuen Wohnraums“ investiert habe und sich damit im
       Branchenvergleich auf hohem Niveau befinde.
       
       7 Oct 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Verkauf-von-Immobilien-in-Hamburg/!5713029
   DIR [2] /Energiekrise-in-Berlin/!5877891
   DIR [3] /Warten-auf-ein-neues-Zuhause-in-Hamburg/!5856765
   DIR [4] https://www.saga.hamburg/unternehmensgruppe/ueber-uns/vorstand
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Franziska Betz
       
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