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       # taz.de -- Berliner Senatorin verzichtet auf Titel: Kreck ist nicht mehr Professorin
       
       > Berlins linke Justizsenatorin arbeitet weiter für ihre einstige
       > Hochschule. Nach viel Kritik will sie ihren Professorinnentitel aber
       > nicht mehr führen.
       
   IMG Bild: Jetzt erst mal nicht mehr Frau Professorin: Berlins Justizsenatorin Kreck
       
       Berlin dpa | Berlins Justizsenatorin [1][Lena Kreck (Linke)] will ihren
       Titel als Professorin vorerst nicht mehr führen. Das gelte „bis auf
       Weiteres“, teilte die Senatsjustizverwaltung am Freitag mit. Spätestens
       nach Rückkehr an ihre frühere Hochschule werde sie „die Bezeichnung wieder
       aufnehmen“.
       
       Die 41-jährige Juristin hatte vor ihrer Ernennung zur Senatorin Ende 2021
       an der Evangelischen Hochschule Berlin eine Professur „Recht und
       Gesellschaft“ inne. Zuletzt war kontrovers diskutiert worden, ob sie nach
       dem Wechsel in die Politik die akademische Bezeichnung noch führen darf.
       
       Kreck, die nebenbei weiter für die Hochschule arbeitet, bejahte das und
       verwies auf Prüfungen der Rechtslage durch Juristen ihres Ressorts. Die
       Berliner Wissenschaftsverwaltung verneinte das hingegen und verwies auf das
       Hochschulgesetz.
       
       Demnach darf eine Person den Titel nach Ausscheiden aus der Hochschule oder
       bei Ruhen des Dienstverhältnisses nur dann führen, wenn sie zuvor
       mindestens fünf Jahre lang als Professor tätig war. Kreck wirkte seit 2019
       als Professorin an der Berliner Hochschule. Das sind weniger als fünf
       Jahre, nach ihrer Einschätzung müssen bei der Frage aber noch andere
       rechtliche Regelungen beachtet werden.
       
       „Ich bin der Auffassung, dass ich mich nach meiner Ernennung zur Senatorin
       berechtigterweise Professorin genannt habe“, erklärte Kreck am Freitag.
       „Ich nehme aber zur Kenntnis, dass es dazu auch andere Meinungen gibt.“
       
       In der Erklärung Krecks hieß es weiter: „In den aktuellen Krisenzeiten gibt
       es für eine Senatorin Wichtigeres, als Debatten in eigener Sache über
       verschiedene Rechtsauffassungen zu Berufsbezeichnungen zu führen.“ Die
       Menschen in Berlin erwarteten völlig zurecht, dass sich eine Senatorin auf
       ihre politischen Aufgaben konzentriere. „In den Bereichen Justiz, Vielfalt
       und Antidiskriminierung haben wir noch sehr viel vor, darauf werde ich
       meine ganze Energie richten.“
       
       ## Kreck will weiter Abschlussarbeiten betreuen
       
       Zumindest etwas Energie zweigt Kreck aber weiterhin für ihre
       Hochschultätigkeit ab. Nach Angaben eines Sprechers ihrer Senatsverwaltung
       betreut die Senatorin dort Abschlussarbeiten von Studierenden. Außerdem
       plane sie, im Wintersemester gemeinsam mit einem anderen Dozenten ein
       Blockseminar zum Justizvollzug in Berlin.
       
       In Krecks Lebenslauf auf der Internetseite ihrer Senatsverwaltung steht:
       „Sie ist auch weiterhin akademisches Mitglied der Hochschule.“ Bestimmte
       Nebentätigkeiten sind Senatorinnen und Senatoren erlaubt.
       
       Die CDU sieht nach Krecks Entscheidung vom Freitag offene Fragen.
       „Regierungsmitglieder haben eine besondere Vorbildfunktion“, erklärte der
       rechtspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander J. Herrmann.
       Schnellstmöglich müsse geklärt werden, inwieweit Kreck ihren akademischen
       Titel zu Unrecht getragen habe. „Nach der Titel-Aberkennung von Frau Giffey
       wird dieser Senat nun durch einen weiteren Schummel-Verdacht überschattet.
       Wir werden daher Akteneinsicht in die Senatsprotokolle nehmen“, so
       Herrmann.
       
       2 Sep 2022
       
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