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       # taz.de -- Dortmunder Beamte erschießen 16-Jährigen: Vier weitere Polizisten beschuldigt
       
       > Nach dem Tod von Mouhamed D. in Dortmund wird nun gegen vier weitere
       > Beamte ermittelt. Innenminister Reul sieht eine „neue Lage“.
       
   IMG Bild: Überzogene Polizeigewalt? Der Ort des Geschehens in Dortmund am 12. August
       
       BERLIN taz | Die Ermittlungen im Fall der [1][tödlichen Polizeischüsse auf
       den 16-jährigen Mouhamed D. in Dortmund] weiten sich aus. Die
       Staatsanwaltschaft Dortmund prüft nun auch den Vorwurf des Totschlags gegen
       den verantwortlichen Beamten. Zusätzlich wird gegen vier seiner
       Kolleg:innen ermittelt. Das geht aus einem aktuellen Bericht des
       Innenministeriums an den Landtag Nordrhein-Westfalen vor, welcher der taz
       vorliegt.
       
       Am 8. August hatte ein Betreuer der Jugendhilfeeinrichtung von Mouhamed D.
       die Polizei gerufen, weil er den Senegalesen D. in Suizidgefahr sah. Der
       16-Jährige soll sich im Innenhof ein Messer an den Bauch gehalten haben.
       Als die Beamten eintrafen, soll D. laut Bericht auf Deutsch und Spanisch
       angesprochen worden sein, aber nicht reagiert haben.
       
       Auf Anordnung des Dienstgruppenleiters sei dann Pfefferspray eingesetzt
       worden, worauf D. aber nur insofern reagiert habe, dass er sich auf die
       Polizeibeamten zubewegte – anfangs von fünf bis sechs Metern Entfernung
       aus. Darauf setzten zwei Beamte einen Taser ein, was ebenso wirkungslos
       blieb. Als der 16-Jährige schließlich zwei bis drei Meter von einem Beamten
       entfernt gewesen sein soll, habe dieser [2][mit seiner Maschinenpistole auf
       ihn geschossen.] Er starb später trotz Notoperation im Krankenhaus.
       
       Gegen den Beamten, der schoss, wurde bereits zuvor wegen Körperverletzung
       mit Todesfolge ermittelt. Nun werden laut Bericht gegen ihn auch
       Ermittlungen wegen Totschlags geprüft. Zudem wird auch gegen die vier
       anderen Beamten ermittelt, die mit Pfefferspray oder Taser gegen Mouhamed
       D. vorgingen. Der Verdacht lautet hier auf gefährliche Körperverletzung im
       Amt. Gegen den Einsatzleiter, der die Anweisungen für den Einsatz der
       Waffen gab, wird zudem wegen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung
       im Amt ermittelt.
       
       ## Bodycams ausgeschaltet
       
       Laut des Berichts schweigen bisher alle beschuldigten Polizist:innen zu
       den Ermittlungen. Demnach waren auch nicht elf Polizeibeamt:innen an
       dem Einsatz beteiligt, wie bisher bekannt, sondern zwölf – vier davon in
       zivil.
       
       Nach aktuellen Ermittlungen soll der Taser nicht gewirkt haben, weil beim
       ersten Versuch D. nur ein Pfeilelektrode traf, statt zwei, und sich kein
       Stromkreis schloss. Beim zweiten Versuch habe „keine genügende Spreizung“
       stattgefunden, weshalb wohl nur eine „Schmerzwirkung“ stattgefunden habe.
       Auch sei Mouhamed D. schließlich von vier Schüssen der Maschinenpistole
       getroffen worden und nicht von fünf, wie anfangs angenommen.
       
       Das Polizeipräsidium Dortmund hatte bereits nach dem Einsatz
       disziplinarrechtliche Maßnahmen gegen die beteiligten Beamten eingeleitet.
       Die Ermittlungen zu dem Einsatz führt die Polizei Recklinghausen. Auch das
       Bundeskriminalamt ist inzwischen beteiligt, das etwa den aufgezeichneten
       Notruf auswertet.
       
       Mouhamed D. war im April als unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter nach
       Deutschland gekommen und erst zwei Wochen vor dem Polizeieinsatz nach
       Dortmund gezogen. Der 16-Jährige befand sich kurz vor dem Polizeieinsatz in
       psychiatrischer Behandlung und soll kein Deutsch verstanden haben.
       
       Die Polizei stand nicht nur wegen der tödlichen Schüsse in der Kritik. Auch
       waren die Bodycams sämtlicher beteiligter Polizeikräfte nicht
       eingeschaltet. Dies sei im raschen Einsatzgeschehen nicht möglich gewesen,
       hieß es zunächst. Später lautete die Erklärung, das Filmen bei
       Suizideinsätzen untersagt sei, weil dies „höchstpersönlichen
       Lebensverhalte“ betreffe. Auf Demonstrationen wurde dagegen der Vorwurf
       [3][rassistischer Polizeigewalt] erhoben und Aufklärung über den Einsatz
       eingefordert.
       
       NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte am Donnerstag, dass mit der
       Ausweitung der Ermittlungen eine „neue Lage“ bestehe. Das zeige aber auch,
       „dass hier genau hingeschaut wird“. Staatsanwaltschaft und Polizei würden
       den Fall „sauber aufklären“. Reul betonte aber auch, dass es sich weiterhin
       um einen Anfangsverdacht gegen die Beamten handle.
       
       Julia Höller, die innenpolitische Sprecherin der NRW-Grünen, erklärte, die
       neuen Erkenntnissen besorgten sie. Es gebe neue Fragen, die nun „weiter
       konsequent aufgeklärt“ werden müssten. „Sollten sich die schwerwiegenden
       Vorwürfe erhärten, sind selbstverständlich entsprechende Konsequenzen für
       die Beschuldigten und für die Arbeit der Polizei zu ziehen.“
       
       1 Sep 2022
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Konrad Litschko
       
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