# taz.de -- Deutsche Waffenlieferungen an Ukraine: Scharfe Geschütze gegen Ampel
> Vorwürfe, Deutschland würde die Ukraine militärisch im Stich lassen, sind
> nicht haltbar angesichts großer Mengen an bereits gelieferter Ausrüstung.
IMG Bild: Flugabwehrgeschütz
Kurz vor seinem wohlverdienten Abschied aus Deutschland feuert Andrij
Melnyk noch einmal aus vollen Rohren. „Diese katastrophale
Verweigerungspolitik der SPD & der Ampel, die Ukraine ausgerechnet in
diesem kritischen Moment militärisch im Stich zu lassen, wird verheerende
Folgen für die Zukunft haben“, twittert der ukrainische Botschafter.
Sollte der Bundeskanzler „auch nach den [1][jüngsten Erfolgen der Armee]
nicht SOFORT umsteuern“, wäre das „eine Bankrotterklärung Deutschlands, die
in die Geschichte eingeht“. Eine recht eigenwillige Sicht der Dinge, denn
mit der Realität hat der Vorwurf, Deutschland lasse die Ukraine militärisch
im Stich, wenig zu tun.
Tatsächlich liefert die Bundesrepublik erhebliche Mengen an Waffen und
Ausrüstung, um der Ukraine im Kampf gegen den russischen Überfall
beizustehen. Nur die Unterstützungsleistungen der USA und Großbritanniens
sind noch größer. Von keinem anderen Land in der EU kommt so viel
militärisches Gerät, einzig Polen reicht an Deutschland heran.
Seit Mitte Juni veröffentlicht die Bundesregierung eine Übersicht der
[2][deutschen Unterstützungsleistungen an die Ukraine], die regelmäßig
aktualisiert und ergänzt wird. Laut Verteidigungsministerium liefert die
Bundesrepublik das, „was verfügbar, entbehrlich, rasch umsetzbar und in der
Ukraine effektiv einsetzbar ist“ – und das ist nicht wenig. Die Palette ist
breit und umfasst sowohl leichte wie auch schwere Waffen. Sie reicht von
inzwischen 20 Gepard-Flakpanzern bis zum Artillerieortungsradar Cobra.
## Dreistelliger Millionenbereich
54 gepanzerte Truppentransporter mit Bewaffnung sind ebenso dabei wie 3
Bergepanzer, 500 Fliegerabwehrraketen, 2.700 Fliegerfäuste, 50
Bunkerfäuste, 10 Antidrohnenkanonen, 4 elektronische Drohnenabwehrgeräte,
100 Maschinengewehre, 10 Panzerhaubitzen, 7.944 Panzerabwehrhandwaffen,
14.900 Panzerabwehrminen, 100.000 Handgranaten und 21,8 Millionen Schuss
Handwaffenmunition.
Das ist nur eine kleine Auswahl des bislang gelieferten Materials, das
entweder aus Beständen der Bundeswehr oder aus Lieferungen der Industrie
stammt, die aus Mitteln der 2 Milliarden Euro schweren Ertüchtigungshilfe
der Bundesregierung finanziert werden. In Vorbereitung ist unter anderem
die Lieferung von 43 Aufklärungsdrohnen, 10 Autonomen Überwasserdrohnen, 16
Brückenlegepanzern und weiteren 10 Gepard-Panzern sowie 12 Bergepanzern.
Der Gesamtwert der im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 5. September 2022 von
der Bundesregierung erteilten Einzelgenehmigungen für die Ausfuhr von
Rüstungsgütern in die Ukraine beträgt 733.623.190 Euro. Doch diese Zahl ist
etwas irreführend. Denn zum einen beruhen die Wertangaben für gebrauchtes
Material aus Bundeswehrbeständen auf dem Zeitwert, der bedeutend unterhalb
dem jeweiligen Neu- oder Wiederbeschaffungswert liegen kann.
Zum anderen sind dabei nicht jene Panzer berücksichtigt, die im Rahmen des
– nur äußerst schleppend anlaufenden – [3][„Ringtauschs“] an andere Länder
wie Polen, die Slowakei oder die Tschechische Republik gegeben werden
sollen, damit die aus ihren Beständen Panzer sowjetischer Bauart an die
Ukraine liefern.
Nicht unterschätzt werden sollte übrigens Deutschlands Beitrag zur
medizinischen und sonstigen Versorgung der ukrainischen Armee. Das reicht
von einem Feldlazarett, 1.200 Krankenhausbetten, 18 Paletten
Sanitätsmaterial, 500 Stück Wundauflagen zur Blutstillung und 60
OP-Leuchten bis zu 10.000 Schlafsäcken und 403.000 Rationen
Einpersonenpackungen zur Verpflegung.
12 Sep 2022
## LINKS
DIR [1] /Rueckzug-russischer-Truppen/!5877788
DIR [2] https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/krieg-in-der-ukraine/lieferungen-ukraine-2054514
DIR [3] /Ringtausch-von-Panzern-fuer-Ukraine/!5867124
## AUTOREN
DIR Pascal Beucker
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