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       # taz.de -- Sportmuseum in Köln: Wo ist Olympia in der Olympiaschau?
       
       > Es gibt einen Ort, an dem olympische Geschichte museal aufbereitet werden
       > soll. Doch genau dort sieht man eher Fußball- und NBA-Trikots.
       
   IMG Bild: Wasser vor der Tür, Fußball auf dem Dach: das Deutsche Sport- und Olympiamuseum in Köln
       
       Man kommt herein ins [1][Deutsche Sport- und Olympiamuseum] in Köln,
       gespannt darauf, wie eine Tour durch die fünf olympischen Ringe didaktisch
       wohl aufbereitet wird, und dann das: Empfangen wird man von einem
       Formel-1-Auto, daneben hängt ein Rennanzug von Michael Schumacher.
       
       Der nächste Eyecatcher ist wiederum einem Profisportler gewidmet, der in
       seiner Karriere zig Millionen Dollar verdient hat: Dirk Nowitzki. Immerhin
       ist Basketball olympisch und derzeit auch in aller Munde. Angela Merkel,
       der der fränkische Dunk-Master ein Trikot gewidmet hat, das nun hinter Glas
       hängt, ist es nicht mehr. Der Verweis auf die ständige Instrumentalisierung
       des Sports durch die Politik ist wenigstens erhellend.
       
       Neben mir sind am Vormittag nur noch zwei weitere zahlende Gäste in dem
       [2][Bau am Rhein] unterwegs. Der Ticketverkäufer ist eine rheinische
       Frohnatur. Er wünscht gutes Gelingen. Früher waren hier Zollhallen
       untergebracht. Dickes, altes Gemäuer, das den Charme einer Trutzburg
       versprüht. Nebenan lockt das Schokoladenmuseum, und da braucht es schon
       Überredungskunst oder eine Ansage der Klassenlehrerin, um die Frage „Süßes
       oder Saures?“ zu klären. So sind dann auch mehrere Schulklassen mit
       unklarer Motivation unterwegs. Die Schüler lärmen und werden erst mit dem
       Versprechen, auf dem Dach Fußball spielen zu können, wieder zur Räson
       gebracht.
       
       Oben auf der olympisch-musealen Resterampe gibt es zwei Kunstrasenplätze,
       auch der Blick über den Rhein hinüber nach Deutz ist ganz nett, aber
       deswegen bin ich ja nicht gekommen. Oder doch? Ich schieße nach meiner Tour
       de Force ein paar Fotos und gehe wieder auf die Olympiastrecke, die im
       weitesten Sinne aus einem Zeitstrahl mit Daten, Fakten und Artefakten
       besteht; Carl Schuhmann wird erster deutscher Olympiasieger im Pferdsprung;
       Alvin Kraenzlein wird zum ersten Star der Olympischen Spiele; Alfréd Hajós
       gewinnt den olympischen Kunstpreis und zwei Goldmedaillen im Schwimmen.
       
       ## Blauer DDR-Bob, Surfbretter, alte Fußballstiefel
       
       Schön und gut, aber wie werden die Kids diese Informationen aufnehmen? Die
       Antwort: Gar nicht. Sie rauschen vorbei und begucken den großen blauen
       DDR-Bob, die Surfbretter und alte Fußballstiefel.
       
       Im Foyer sind die jungen Ausflügler schon wieder mit Kicken bzw. am Kicker
       beschäftigt. Sie werden ihren Eltern erzählen, dass es ganz cool war, weil
       sie so viel Fußball spielen konnten. Unbeachtet bleiben auch die schönen
       Kunstplakate von den Olympischen Sommerspielen in München. Ich wünschte
       mir, man könnte sie in einem Museumsshop als Nachdrucke käuflich erwerben,
       aber einen Shop gibt es nicht.
       
       Was für eine vertane Chance! Warum steht kein Buch, keine Postkarte, kein
       Textil aus der über 120-jährigen olympischen Geschichte als
       Merchandising-Produkt zur Verfügung? Warum ist nicht eine kleine oder feine
       Bibliothek angeschlossen? Warum wird Olympia so lieblos und wenig
       instruktiv präsentiert? Warum glaubt man, den Nachwuchs nur mit dem
       Dominanzsport Fußball ködern zu können? Dieses Museum ist eine
       Enttäuschung, wenngleich die Bemühungen des „Vereins Deutsches
       Sportmuseum“, der in den 80er Jahren mit Containern in Köln-Weiden einmal
       angefangen hat und 1998 an den Rhein gezogen ist, bestimmt nicht klein
       waren.
       
       Olympia als museales Ereignis hat es in Deutschland schwer. Der Münchner
       [3][Paul Barth], Medaillengewinner bei den [4][Münchner Spielen] im Judo,
       hatte über 1.300 Exponate gesammelt, in Berlin-Marzahn lebte [5][Wolfgang
       Turowski] seinen DDR-Olympiafimmel aus. Ein kleinerer Teil der Sammlung von
       Barth wird im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg, der größere im
       Stadtmuseum München aufbewahrt. Turowskis Exponate betreut der
       [6][Stadtsportbund Marzahn]. Einlass nur nach Voranmeldung.
       
       16 Sep 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://sportmuseum.de/
   DIR [2] /Archiv-Suche/!1793318&/
   DIR [3] https://www.tz.de/muenchen/stadt/olympia-1972-in-muenchen-medaillengewinner-paul-barth-sammelt-fuer-ein-museum-8625371.html
   DIR [4] https://www.bavariathek.bayern/virtuelles-museum/geschichten-aus-bayern/olympia-72.html
   DIR [5] https://www.die-hellersdorfer.berlin/2019/09/03/friedensfahrt-hat-ihn-gepr%C3%A4gt/
   DIR [6] https://www.berliner-woche.de/marzahn/c-sport/das-sportmuseum-marzahn-hellersdorf-ist-nach-umfangreicher-umgestaltung-jetzt-viel-moderner_a351632
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Markus Völker
       
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