URI:
       # taz.de -- Neuer Polizeibeauftragter in der Hauptstadt: Das ist seine Chance
       
       > Seit dem 1. August hat Berlin mit Alexander Oerke erstmals einen
       > unabhängigen Polizeibeauftragten. Das notwendige Handwerkzeug hat er.
       
   IMG Bild: Alexander Oerke, unabhängiger Polizeibeauftragter von Berlin
       
       Berlin taz | Endlich ist er da. [1][Berlins erster unabhängiger Bürger- und
       Polizeibeauftragter] hat am 1. August seine Arbeit aufgenommen. Für alle
       Menschen dieser Stadt, die ein Problem mit der Polizei oder anderen
       Behörden haben, gibt es nun einen festen Ansprechpartner: Alexander Oerke,
       vormals stellvertretender Richter beim 1. Senat des Oberverwaltungsgerichts
       Berlin-Brandenburg.
       
       Die Erwartungen an ihn sind groß, aber das notwendige Handwerkszeug hat er:
       16 Stellen sind für die neue Behörde bewilligt worden. Das Amt ist damit
       deutlich besser ausgestattet als die Polizeibeauftragten anderer
       Bundesländer, und das Gesetz, das die Aufgaben regelt, räumt ihm relativ
       weitreichende Ermittlungsbefugnisse ein. Auf Oerke kommt es nun an, daraus
       etwas Vorzeigbares zu machen.
       
       Die Amtszeit des Polizeibeibeauftragten beträgt sieben Jahre, Oerke ist 60.
       Als Richter hätte er nicht mehr so lange arbeiten müssen und sich auf sein
       Surfboard an der Ostsee verabschieden können. Oerke hat sich dagegen
       entschieden. Anders ausgedrückt: Dass er sich initiativ um einen Posten
       beworben hat, der nicht ausgeschrieben war, lässt auf hohe Motivation
       hoffen. [2][Alle eingehenden Fälle wolle er selbst sichten und bei der
       Weiterbearbeitung im Auge behalten, hat er zur taz gesagt.]
       
       Aber auch das hat Oerke gesagt: Er werde es vor allem mit Einzelfällen zu
       tun haben. „Einzelfälle“, das ist ein Begriff der Polizeibeobachter
       aufhorchen lässt – Polizeisprech, wenn Unfomierte mit [3][rechtswidrigen
       Handlungen] aufgefallen sind. Hinter dem Begriff steht eine in der Behörde
       weit verbreitete Haltung: Ein bedenklicher Vorfall, ja, aber grundsätzliche
       Probleme? Nicht bei uns!
       
       Insofern ist die Bemerkung wichtig, die Oerke gleich hinterhergeschoben
       hat: „Wenn sich im Laufe meiner Tätigkeit aber zeigt, das bestimmte
       Einzelfälle immer wiederkehren und da strukturell etwas im Argen liegt,
       werde ich dem natürlich auch nachgehen.“
       
       ## Racial Profiling im Fokus
       
       Im Klartext heißt das, dass sich der Polizeibeauftragte schon bald mit
       Racial Profiling beschäftigen dürfte. Mittlerweile gilt es als Tatsache,
       dass Polizei- und auch Fahrscheinkontrollen oft nur aufgrund äußerer
       Merkmale wie der Hautfarbe durchgeführt werden. Viele People of Colour
       beschweren sich deshalb schon gar nicht mehr. Es wäre gut, wenn sie Oerkes
       Bemerkung als Aufforderung verstehen würden, ihm entsprechende Vorkommnisse
       zu melden.
       
       Eine Akte auf dem Schreibtisch von links nach rechts zu schieben, sei nie
       sein Lebenstraum gewesen, hat Oerke zur taz gesagt. Er wolle etwas bewegen.
       „Am Ende meiner Amtszeit möchte ich gern sagen können: Ich habe hier eine
       Behörde aufgebaut, die wichtig und unverzichtbar ist und die allseits in
       ihrer Funktion akzeptiert wird.“ Die Chance, das zu zeigen, hat er – ab
       sofort.
       
       13 Aug 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Polizeibeauftragter-in-Berlin/!5795783
   DIR [2] /Unabhaengiger-Polizeibeauftragter-ueber-Berlin/!5870297
   DIR [3] /Bodycams-versus-Smartphones/!5865891
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Plutonia Plarre
       
       ## TAGS
       
   DIR Polizei Berlin
   DIR Barbara Slowik
   DIR Polizei
   DIR Ampel-Koalition
   DIR Polizei Berlin
   DIR Schwerpunkt Stadtland
   DIR Polizei Berlin
   DIR Polizei Berlin
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Unabhängiger Polizeibeauftragter: Wann kommt der Polizeibeauftragte?
       
       Der SPD-Abgeordnete Uli Grötsch soll Polizeibeauftragter werden und auch
       Fällen von Polizeigewalt nachgehen. Doch noch fehlt ein Gesetz.
       
   DIR Berliner Polizei-Beauftragter: Whistleblower besser schützen
       
       Der neue Polizeibeauftragte Alexander Oerke schlichte lieber im Stillen,
       erzählt er im Interview. Zu Vorfällen äußerte er sich noch nicht
       öffentlich.
       
   DIR Interner Polizeikritiker über Mobbing und Racial Profiling: „Ich habe halt verschissen“
       
       Seit 24 Jahren ist Oliver von Dobrowolski Polizist. Bundesweit bekannt ist
       er als kritische Stimme, kaum einer wird in der Behörde so angefeindet.
       
   DIR Soziologin zu Polizei-Rassismus-Studie: „Dann konfrontieren wir die Polizei“
       
       Die Wissenschaftlerin Christiane Howe forschte zu Migration und Sexarbeit.
       Jetzt verantwortet sie eine Rassismus-Studie über die Berliner Polizei.
       
   DIR Rechtsextremismus Polizei Berlin: „Es geht um Selbstreflexion“
       
       Svea Knöpnadel ist Extremismusbeauftragte der Polizei Berlin. Ein Gespräch
       über Korpsgeist, Racial-Profiling-Studien und Prävention.