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       # taz.de -- Das Rennen um Boris Johnsons Nachfolge: Auf Nummer sicher
       
       > Großbritanniens Tories vermeiden das Risiko. Für Boris Johnsons Nachfolge
       > schicken die Abgeordnete zwei erfahrene Regierungsmitglieder ins Rennen.
       
   IMG Bild: Zwei kühle Köpfe bei den Tories: Liz Truss und Rishi Sunak
       
       Die Aufregung ist vorbei, jetzt geht es um Sachfragen. Nachdem die
       Parlamentsfraktion der regierenden Konservativen in Großbritannien ihren
       [1][Premierminister Boris Johnson] spektakulär zum Rücktritt gezwungen hat,
       geht sie bei der Nachfolge auf Nummer Sicher. Zur Wahl stehen die zwei
       wichtigsten Minister der Johnson-Regierung bis zu ihrer Implosion Anfang
       Juli: [2][Finanzminister Rishi Sunak] und Außenministerin Liz Truss.
       
       Dieses Rennen wurde schon lange erwartet, wenn auch nicht schon jetzt in
       diesem Sommer 2022, sondern einfach für die Zeit, wenn die Ära Johnson
       irgendwann zu Ende gehen würde. Die bühnenreife Art, wie die Tories in
       aller Öffentlichkeit Johnson absägten, sein flamboyanter Rücktritt und die
       bunte Riege von Möchtegern-Nachfolgern, die sich daraufhin präsentierte –
       all das ist jetzt Geschichte. Die Abgeordneten haben sich gerade noch
       rechtzeitig darauf besonnen, so wenig Risiko wie möglich einzugehen.
       
       Viel wird in die Rivalität Sunak-Truss hineininterpretiert, wahrscheinlich
       zu viel: Rishi Sunak als Kandidat des technokratischen Establishments, Liz
       Truss als Wahrerin der populistischen Brexit-Flamme. Dieses Framing nützt
       sicher auch beiden im kommenden parteinternen Wahlkampf.
       
       Aber zugleich kommt Liz Truss aus einer linken Aktivistenfamilie und war
       beim EU-Referendum 2016 gegen den Brexit; ihre politische Wendigkeit ist
       legendär. Rishi Sunak entstammt einer indischstämmigen Migrantenfamilie aus
       Ostafrika; dass der Exfinanzminister in den eigenen Reihen mal als
       Sozialist und mal als Minister der Reichen verunglimpft wird, spricht gegen
       eine schnelle Kategorisierung.
       
       Bevor sich internationale Beobachter und auch die konservative Parteibasis
       festlegen, wen sie präferieren und warum, müssen jetzt einfach mal alle
       abwarten, was die beiden nun tatsächlich im parteiinternen Wahlkampf sagen
       und wen sie jeweils um sich scharen. Beide haben schillernde und
       vielseitige persönliche und politische Biographien – genau das qualifiziert
       sie ja schließlich für den wohl undankbarsten Job in der britischen
       Politik.
       
       [3][Sunak und Truss] haben viel Erfahrung nicht nur in zwei
       Schlüsselministerien, sondern auch in der eigenen Partei, deren Innenleben
       eher einem wilden Haifischbecken als einer gesitteten politischen
       Vereinigung gleicht. Sie wissen beide genau, wie man Kampagnen fährt und
       auch wieder beendet, wie man Machtstreben und Amtsführung trennt und wann
       es opportun ist, das politische Klima anzuheizen oder abzukühlen.
       Großbritannien hat jetzt eine ungewohnte und stellenweise etwas
       durchgedrehte politische Hitzeperiode hinter sich. Jetzt ist die Zeit für
       einen typisch britischen kühlen Sommer gekommen.
       
       21 Jul 2022
       
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