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       # taz.de -- Ukrainisches Getreide für den Libanon: Alles für das Huhn
       
       > Das ukrainische Schiff vor der Küste Libanons hat Mais geladen. Als
       > Nahrungsmittel für Menschen eignet es sich nur bedingt.
       
   IMG Bild: An Bord der Razoni: 26.527 Tonnen Mais. Das Getreide ist als Hühnerfutter bestimmt
       
       Popcorn, gegrillte Kolben, Maismehlpfannkuchen – Gerichte, die beim Anblick
       von einem Maiskolben einfallen. Kann sich damit eine Lebensmittelkrise
       lösen? Kaum. Zwar kann auch Mais zu Mehl verarbeitet werden. Doch Maismehl
       oder -stärke eignen sich nicht zur Ernährung breiter Massen. Auch nicht im
       Libanon. Dorthin geht seit dem Angriff Russlands [1][das erste Schiff mit
       Getreide] aus der Ukraine.
       
       Getreide, heißt es, käme in den Libanon, der doch so dringend auf
       Lebensmittel angewiesen sei. Das Schiff hat 26.527 Tonnen Mais geladen, und
       wie nun herauskam: Es ist bestimmt als Hühnerfutter. Eier bieten kreative
       Möglichkeiten: Omelette oder Teig. Doch für das traditionelle libanesische
       Flachbrot oder die Frühstückspizza Manoushe werden nur Hefe und Mehl
       gebraucht. Natürlich könnten auch die Hühner selbst zur Nahrung für
       Menschen werden, nur ist Fleisch aktuell für die meisten Menschen
       unerschwinglich.
       
       Seit drei Jahren leben die Leute im Libanon mit starker Inflation.
       Tankfüllungen sind teurer als der Monatslohn, der Staat liefert keinen
       Strom, Kühlketten für Lebensmittel sind unterbrochen. Weil Benzin und Strom
       teuer sind, steigen auch die Lebensmittelpreise. Die [2][Bäckereien
       rationieren das vom Staat subventionierte Brot], angeblich aufgrund von
       Lieferengpässen beim Getreide. Das Wirtschaftsministerium beschuldigt die
       Bäckereien, sie würden hamstern.
       
       Das subventionierte Brot wird auf dem Parallelmarkt weiterverkauft, was
       einen zusätzlichen Engpass generiert. Der dringend nötige Weizen war auf
       einem anderen Frachter, der im libanesischen Tripoli geankert hatte: Die
       „Laodicea“ hatte Weizenmehl und Gerste an Bord – bestimmt für Syrien.
       Dessen Machthaber [3][Baschar al-Assad ist ein enger Verbündeter von
       Wladimir Putin].
       
       Obwohl die Ukraine sagt, Russland habe das Getreide geklaut, ließen die
       libanesischen Behörden das Schiff durch – mit offizieller Genehmigung von
       Richter und Generalstaatsanwaltschaft, für die vermutlich etwas abfiel vom
       begehrten Weizenmehl. Korruption gehört zum Alltag im Libanon.
       
       4 Aug 2022
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Julia Neumann
       
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