# taz.de -- Ringtausch von Panzern für Ukraine: Zurück auf null
> Die alte Diskussion über Waffenlieferungen für die Ukraine beginnt von
> vorne – diesmal nur mit schlechteren Argumenten.
IMG Bild: Die Verteidigungsministerin Lambrecht
Die Ankündigung der Verteidigungsministerin klang definitiv. Drei Monate
und vier Tage ist es her, dass sie erstmals von [1][einem Ringtausch
zugunsten der Ukraine] sprach. „Die nächsten zwei Wochen“ würden die
entscheidenden im Kampf gegen die russische Invasion, sagte Christine
Lambrecht damals. Also müsse es jetzt schnell gehen: In „wenigen Tagen“
erhalte die Ukraine Panzer sowjetischer Bauart. Die Bundesrepublik ersetze
sie den vorherigen Eigentümern dann mit deutschem Material.
Eine Ankündigung, die der Ministerin und [2][mit ihr auch dem Kanzler jetzt
auf die Füße fällt]: Einige ehemalige Ostblockstaaten haben der Ukraine
mittlerweile zwar tatsächlich alte Panzer vermacht. Ersatz aus Deutschland
ist bisher aber nirgendwo angekommen. Die Frage, ob sie überhaupt schon
eine einzige Vereinbarung getroffen hat, beantwortet die Bundesregierung
nicht. Das Ringtauschkonzept droht zu scheitern, überraschend ist das
nicht.
Als Lambrecht im April mit ihrer Ankündigung in die Offensive ging, hatten
die Fachleute aus ihrem Haus noch nicht mal Kontakt mit dem slowenischen
Verteidigungsministerium aufgenommen, mit dem der erste Ringtausch
vereinbart werden sollte. Die Verteidigungsministerin war vorgeprescht,
ohne etwas in der Hand zu haben – offenbar um den Rufen aus Öffentlichkeit,
Koalition und Nato endlich etwas entgegensetzen zu können. Kurzfristig war
dieser Versuch erfolgreich. [3][Der Druck auf die SPD, sich stärker für
Waffenlieferungen zu öffnen], sank.
Gleichzeitig sanken aber wohl auch die Chancen, tatsächlich zu
erfolgreichen Abschlüssen zu kommen. Auch Verhandlungen über einen
Ringtausch atmen nicht nur den Geist der Ukrainesolidarität. Sie werden von
Interessen begleitet: Deutschland will möglichst wenige und möglichst alte
Panzer abgeben, die Verhandlungspartner wollen möglichst viele und
möglichst neue bekommen. Durch Lambrechts Gang an die Öffentlichkeit stieg
der Erfolgsdruck. Der eigenen Verhandlungsposition hilft so was nicht
unbedingt.
Drei Monate später ist die Bundesregierung jedenfalls zurück am
Ausgangspunkt, und die alte Diskussion über Waffenlieferungen beginnt von
vorne – diesmal nur mit schlechteren Argumenten aufseiten von Lambrecht und
Scholz: Einige komplexe Waffensysteme, Panzerhaubitzen und Flugabwehrpanzer
hat Deutschland mittlerweile ja geliefert. Die ukrainische Armee kann nach
kurzer Ausbildung damit umgehen. Warum das mit Kampf- und Schützenpanzern
nicht genauso funktionieren sollte, erschließt sich jetzt nicht mehr.
26 Jul 2022
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## AUTOREN
DIR Tobias Schulze
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