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       # taz.de -- Amtsinhaber Hilbert gewinnt OB-Wahl: Dresden bleibt gelb
       
       > Keine grüne OB für Sachsens Landeshauptstadt: FDP-Mann Hilbert kann sich
       > im zweiten Wahlgang durchsetzen – und bleibt Rathauschef. Die AfD wird
       > Dritte.
       
   IMG Bild: Zum Wohl: Dresdens alter und neuer Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) mit Ehefrau Su Yeon Hilbert
       
       Leipzig taz | Der FDP-Politiker Dirk Hilbert bleibt für weitere sieben
       Jahre Rathauschef von Dresden. Im [1][zweiten Wahlgang der
       Oberbürgermeisterwahl] hat er mit 45,3 Prozent der Stimmen deutlich gegen
       Grünen-Kandidatin Eva Jähnigen gewonnen. Diese erreichte 38,3 Prozent. Zwar
       erhielt Hilbert, der als überparteilicher Kandidat für den Verein
       „Unabhängige Bürger für Dresden“ antrat und von FDP und CDU unterstützt
       wurde, neun Prozentpunkte weniger Zustimmung als noch bei der
       Oberbürgermeisterwahl 2015 (54,2 Prozent). Damals allerdings trat auch noch
       keine:r von der AfD an.
       
       Der AfD-Kandidat Maximilian Krah landete mit 12,2 Prozent [2][weit
       abgeschlagen] auf Platz drei. Damit erzielte er ein noch schlechteres
       Ergebnis als im ersten Wahlgang Mitte Juni (14,2 Prozent). Krah sitzt für
       die AfD im Europaaparlament. Am 24. Juni war bekannt geworden, dass er im
       April von seiner EU-Fraktion suspendiert wurde – wegen „grob
       fraktionsschädigendem Verhalten in Form der wiederholten Verletzung von
       Treue- und Loyalitätspflichten“.
       
       Krahs schlechtes Abschneiden bei der OB-Wahl in Dresden ist [3][eine
       weitere Klatsche für die AfD,] die nicht nur im Westen Deutschlands,
       sondern selbst in ihrem Lieblingsbundesland Sachsen immer schwächer wird.
       Bei den sächsischen Landratswahlen im Juni und Juli ist es der Partei nicht
       mal annähernd gelungen in einem Landkreis die meisten Stimmen zu erlangen.
       Die AfD-Kandidaten schnitten überall deutlich schlechter ab als die neuen
       Landräte.
       
       ## „Die Mitte hat in Dresden gewonnen“
       
       Neben Hilbert, Jähnigen und Krah traten im zweiten Wahlgang der Dresdner
       Oberbürgermeisterwahl noch Jan Pöhnisch von der Satirepartei Die Partei an
       sowie Marcus Fuchs, der Anführer der Querdenken-Bewegung in Dresden.
       Pöhnisch kam auf 2,2 Prozent, Fuchs auf 2 Prozent. Während Fuchs im
       Vergleich zum ersten Wahlgang schlechter abschnitt, konnte Pöhnisch sein
       Ergebnis verbessern.
       
       Auf seiner Wahlparty auf Schloss Eckberg sagte der wiedergewählte
       Oberbürgermeister Hilbert: „Die Mitte hat in Dresden gewonnen. Auf unser
       Ergebnis können wir richtig stolz sein. Es ist die erste erfolgreiche
       Wiederwahl eines Oberbürgermeisters in Dresden seit 1994. Und auch darauf
       können wir stolz sein. Dresden ist schon ein herausforderndes Pflaster. Wir
       haben es geschafft. Jetzt gilt es, die Ärmel hoch zu krempeln für die
       nächsten sieben Jahre.“ In seiner Rede rief Hilbert den Dresdner Stadtrat
       dazu auf, in der kommenden Woche ein Papier zu unterschreiben, um mit dem
       Wohnungskonzern Vonovia bezahlbares Wohnen zu vereinbaren. Es solle keine
       „Verhinderungspolitik“ in der Verwaltung geben.
       
       Eva Jähnigen, Hilberts größte Konkurrentin, schrieb am Sonntagabend auf
       Twitter: „Fast ist uns das Unvorstellbare gelungen, in einer ostdeutschen
       Großstadt eine GRÜNE Oberbürgermeisterin zu stellen. Ich gratuliere Dirk
       Hilbert zu seiner Wiederwahl. Unser Ergebnis ist ein klarer Auftrag für
       mehr Engagement bei Klimaschutz, Wohnen & Verkehrswende.“
       
       ## Wahlbeteiligung noch niedriger
       
       Der SPD-Landtagsabgeordnete Albrecht Pallas, der im ersten Wahlgang mit
       15,2 Prozent auf dem dritten Platz landete und im zweiten Wahlgang Eva
       Jähnigen unterstützte, gratulierte Dirk Hilbert auf Twitter, schrieb aber
       auch: „Dirk Hilbert hat in den letzten Tagen und Wochen vor der Wahl einige
       Versprechungen gemacht. Wir als SPD Dresden werden ihn immer daran erinnern
       und dafür sorgen, dass sie nicht nur leere Slogans auf Wahlplakaten
       bleiben.“
       
       Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) [4][twitterte am
       Sonntagabend]: „Glückwunsch an Dirk Hilbert! Dem alten und neuen Dresdner
       Oberbürgermeister gratuliere ich ganz herzlich zu seiner Wiederwahl. Auch
       für die kommenden Jahre viel Erfolg und alles Gute.“
       
       Auch die Dresdner CDU, die nach dem desaströsen Ergebnis bei der
       Oberbürgermeisterwahl 2015 diesmal gar keine:n Kandidat:in aufgestellt
       hatte, gratulierte Hilbert zur Wiederwahl und dankte „allen Wählerinnen und
       Wähler, die eine gute bürgerliche Politik für die Dresdnerinnen und Dresden
       an der Stadtspitze weiter möglich machen“.
       
       Trotz seines schlechten Abschneidens schrieb AfD-Kandidat Maximilian Krah
       auf Twitter, dass die Oberbürgermeisterwahl nicht das Ende sei, sondern der
       Anfang der AfD-Kampagne für Dresden.
       
       Die Wahlbeteiligung war beim zweiten Wahlgang der OB-Wahl mit 41,3 Prozent
       noch niedriger als beim ersten. Da gaben 47,4 Prozent der wahlberechtigten
       Dresdner:innen ihre Stimme ab.
       
       11 Jul 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Oberbuergermeister-Wahl-in-Dresden/!5858555
   DIR [2] /Landratswahl-in-Sachsen/!5865215
   DIR [3] /Landratswahl-in-Sachsen/!5865215
   DIR [4] https://twitter.com/c_lindner/status/1546206244754579457?ref_src=twsrc%5Egoogle%7Ctwcamp%5Eserp%7Ctwgr%5Etweet
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Rieke Wiemann
       
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