URI:
       # taz.de -- Umgang mit Hitze in Berlin: Jetzt gibt’s richtig heiße Tipps
       
       > Ausgefallene Ampeln, mehr Getränke im Knast, weniger Wasser für den
       > Rasen: wie die Hauptstadt mit der großen Hitze umgeht.
       
   IMG Bild: Macht ganz viel Hitze weg: die Vattenfall-Kältezentrale am Potsdamer Platz
       
       Berlin taz | Am zweiten und vorerst letzten Tag in der Region mit
       Temperaturen oberhalb der 36-Grad-Marke hat die Hitze ganze Berufsgruppen
       vor besondere Herausforderungen gestellt. So kritisierte die Gewerkschaft
       der Polizei (GdP), dass PolizistInnen wegen etlicher Ampelausfälle den
       Verkehr regeln mussten. „Man sollte nicht vergessen, dass unsere Kollegen
       Menschen sind, die jetzt stundenlang in brütender Hitze auf dem Asphalt
       stehen“, warb GdP-Landeschef Stephan Weh für Empathie.
       
       Zumal das Ampelversagen nach Ansicht der Gewerkschaft selbst
       temperaturbedingt war: „Es kann nicht sein, dass im Jahr 2022 derart viele
       Lichtzeichenanlagen gleichzeitig ausfallen, weil draußen mal 35 Grad
       Celsius sind“, so Weh. Er forderte, das Land Berlin müsse endlich in
       Systeme investieren, die Hitze und Kälte standhielten – etwa in
       Kühlungsanlagen an den Ampeln. Eine Polizeisprecherin bestätigte, dass es
       stadtweite Ausfälle gegeben habe.
       
       Auch sonst war die Verwaltung nicht überall vorbereitet: Schon am Dienstag
       musste die Registrierung von Flüchtlingen aus der Ukraine im
       Ankunftszentrum auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel um 14 Uhr
       abgebrochen werden. Am Mittwoch war sogar schon mittags Schluss: Das
       Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) ist dort in Zelten tätig,
       die sich extrem aufheizen. „Der Unterkunftsbereich bleibt natürlich
       weiterhin geöffnet“, teilte das LAF auf Twitter mit.
       
       In den Gefängnissen der Stadt hat man sich dagegen auf die schweißtreibende
       Ausnahmesituation eingestellt: Nach Angaben der Senatsjustizverwaltung
       werden für die rund 3.400 Häftlinge derzeit zusätzliche Getränkepulver
       bereitgestellt. Außerdem gebe es bei länger anhaltenden Temperaturen über
       30 Grad ein zusätzliches nährstoffhaltiges Getränk pro Woche – Ayran zum
       Beispiel. Diensträume und Arbeitsbereiche mit hoher Sonneneinstrahlung
       würden mit Schutzfolien oder Jalousien ausgestattet, hieß es. Zudem werde
       möglichst viel in den Morgenstunden gelüftet, tagsüber seien Ventilatoren
       im Einsatz. Auch die Möglichkeit zu duschen sei ausgeweitet worden.
       
       ## Kaltes Wasser in die Wände
       
       An anderer Stelle wird mit Hightech gekühlt: Die größte Kältezentrale
       Deutschlands, die Vattenfall seit 25 Jahren in der Nähe des Potsdamer
       Platzes betreibt, läuft dieser Tage auf Hochtouren. 12.000 Büros und 1.000
       Wohnungen werden durch die Zentrale mit 6 Grad kaltem Wasser versorgt, das
       dort für Kältesysteme wie Kühldecken oder Kühlwände verwendet wird. Laut
       Vattenfall werden die Kompressionskältemaschinen, die zum Einsatz kommen,
       mit erneuerbarem Strom betrieben.
       
       Derweil mahnt der Landesverband der Kleingärtner, Wasser im Garten
       zielgerichtet und sparsam einzusetzen. „Wir müssen uns in unseren
       Gewohnheiten umstellen“, sagte Gert Schoppa, Präsident der Berliner
       Gartenfreunde, „weg vom Flächenwässern, um unnötige Verdunstung zu
       vermeiden.“ Allen RasenliebhaberInnen sei versichert: Die Pflänzchen
       treiben schnell wieder aus.
       
       20 Jul 2022
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Claudius Prößer
       
       ## TAGS
       
   DIR Polizei
   DIR JVA
   DIR Hitze
   DIR Benedikt Lux
   DIR Benedikt Lux
   DIR Lesestück Recherche und Reportage
   DIR Schwerpunkt Klimawandel
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Wassermangel in Berlin: Senat will Wassergesetz verschärfen
       
       Der Verbrauch von Trinkwasser steigt seit einigen Jahren wieder. Darauf
       will die Umweltverwaltung nun auch mit einer Gesetzesänderung reagieren.
       
   DIR Grüner Umweltexperte über Wassernot: „Wasser ist noch wichtiger als Gas“
       
       Es könnte eng werden mit der Berliner Wasserversorgung, sagt Benedikt Lux
       (Grüne). Das Land brauche deswegen die Möglichkeit, Wasser zu rationieren.
       
   DIR Hitze in Europa: Puuuuuuuh!
       
       Während der Römer weiter Krawatte und Jackett trägt, zeigt der Londoner
       gerne Bierbauch. Andere Hitze-Folgen sind dramatischer. Unsere
       Korrespondenten berichten.
       
   DIR Hitzewelle in Europa: Der neue Hot Take
       
       Die Klimakrise konfrontiert uns immer häufiger mit gefährlicher Hitze.
       Medien präsentieren das noch zu oft als willkommenen Freizeitspaß.