# taz.de -- Norwegen scheut Konflikt mit Moskau: Fracht für Barentsburg
> Norwegen hebt Transport-Sanktionen für die russische Siedlung auf
> Spitzbergen auf, um ein Grenzabkommen mit Russland nicht zu gefährden.
IMG Bild: Der Hafen der russischen Enklave Barentsburg auf Spitzbergen
Stockholm taz | Norwegen macht einen Rückzieher bei einem Detail der
[1][Sanktionen gegen Russland]. Zwei Container mit Lebensmitteln und
technischer Ausrüstung für die russische Spitzbergen-Siedlung Barentsburg
sind auf dem Weg zur Arktisinsel. Zwei weitere sollen in den kommenden
Tagen folgen. Den Transport der vier Container über die
russisch-norwegische Landgrenze bei Kirkenes hatte Oslo seit Ende Mai unter
Hinweis auf die EU-Sanktionen gegen Russland gestoppt.
Norwegen hat diese Sanktionen zum großen Teil übernommen und sah deshalb
ein Hindernis, diese Fracht auf dem seit Jahren üblichen Weg über
norwegisches Territorium zum Hafen von Tromsø und von dort mit dem unter
norwegischer Flagge fahrendem Versorgungsschiff „Norbjørn“ nach Spitzbergen
zu transportieren.
Zwar hätte Russland im Prinzip wohl die Möglichkeit gehabt, diese vier
Container auch mit einem russischen Schiff von [2][Murmansk] nach
Spitzbergen zu transportieren, verwies aber auf Rechte aus dem
Spitzbergen-Vertrag von 1920, die Norwegen mit seinem Transportverbot
verletze und warf Oslo eine völkerrechtswidrige Blockade vor.
Moskau zog auch Parallelen zur gegenwärtigen Teil-Blockade des Bahntransits
zwischen Belarus und Kaliningrad durch Litauen, die gegen ein 2002 mit der
EU geschlossenes Abkommen verstieße. Nach Medieninformationen plant die EU
offensichtlich, auch diesen Transitweg wieder zu öffnen.
## Russland drohte bereits
Die Frage der Spitzbergen-Transporte hatte sich in den letzten Tagen
zugespitzt, weil Moskau als Reaktion auf das Vorgehen Norwegens mit einer
Kündigung des 2010 geschlossenen Abkommens über die Seegrenze zwischen
Russland und Norwegen im Nordmeer drohte – ein Abkommen, über das beide
Länder 40 Jahre lang verhandelt hatten und dessen Aufkündigung Oslo wohl
auf jeden Fall vermeiden wollte. Damit wären nämlich auch Fischfang- und
Rohstoffrechte infrage gestellt worden.
Man habe den Konflikt nach einem längeren Dialog mit russischen Behörden
lösen können, erklärte die norwegische Außenamtssprecherin Ane
Haavardsdatter Lunde: „Wir sind zufrieden, dass wir eine Lösung gefunden
haben und hoffen, dass Russland das auch ist.“
7 Jul 2022
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## AUTOREN
DIR Reinhard Wolff
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