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       # taz.de -- Zahlen von Schwangerschaftsabbrüchen: Mehr Abtreibungen in Deutschland
       
       > Das Statistische Bundesamt meldet 25.800 Abtreibungen im ersten Quartal
       > 2022 in Deutschland. Auch in den USA steigen die Zahlen erstmals seit
       > Jahren.
       
   IMG Bild: Positiver Test: Im ersten Quartal 2022 haben sich laut Stattistik 25800 Frauen für eine Abtreibung entschieden
       
       Wiesbaden afp/ap/taz | Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland
       ist zuletzt wieder gestiegen. Für das erste Quartal dieses Jahres wurden in
       Deutschland rund 25.800 [1][Abtreibungen gemeldet], wie das Statistische
       Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Im Vergleich zum selben
       Zeitraum des Vorjahres entspricht das einer Zunahme um 4,8 Prozent. Zuvor
       war die Zahl der Abbrüche noch leicht zurückgegangen.
       
       Im Jahr 2021 war die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche demnach insgesamt um
       [2][5,4 Prozent niedriger als im Vorjahr.] Im Jahr 2020 wurden 0,9 Prozent
       weniger Fälle gemeldet als 2019. Ob es einen Zusammenhang mit der
       Coronapandemie gibt, sei noch nicht eindeutig zu bewerten.
       
       Ab dem Jahr 2005 ist die Gesamtzahl der Abbrüche kontinuierlich zurück
       gegangen, bis sie 2017 erstmals wieder anstieg und seitdem auf höherem
       Niveau zurück geht. Allerdings hat auch die Zahl der Frauen im gebärfähigen
       Alter abgenommen. Anteilig ist die Zahl der Abtreibungen etwa gleich
       geblieben.
       
       Zudem stieg nach Berechnungen der taz im vergangenen Jahr die Zahl der
       späten Schwangerschaftsabbrüche um knapp 20 Prozent gegenüber 2020 an.
       Dabei handelt es sich um Abtreibungen nach dem dritten Monat, wenn die
       Beratungsregelung nicht mehr greift.
       
       Laut Statistikamt waren 70 Prozent der Frauen, die im ersten Quartal dieses
       Jahres [3][einen Schwangerschaftsabbruch] vornehmen ließen, zwischen 18 und
       34 Jahre alt. Drei Prozent der Frauen waren jünger als 18 Jahre. Mit rund
       41 Prozent hatte fast die Hälfte der Frauen vor der Abtreibung noch kein
       Kind zur Welt gebracht. In vier Prozent der Fälle erfolgte der
       Schwangerschaftsabbruch der Statistik zufolge aus medizinischen Gründen
       oder aufgrund von Sexualdelikten.
       
       ## Zahlen auch in den USA gestiegen
       
       In den Vereinigten Staaten ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche
       zwischen 2017 und 2020 zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder gestiegen.
       In einem Bericht der Forschungsgruppe Guttmacher Institute vom Mittwoch
       hieß es, 2020 seien in den USA mehr als 930 000 Abtreibungen vollzogen
       worden. 2017 waren es noch 862 000. Damals wurde der niedrigste Stand
       erreicht, seit der Oberste Gerichtshof den Eingriff 1973 landesweit
       legalisierte.
       
       Etwa eine von fünf Schwangerschaften endete im Jahr 2020 mit einem Abbruch,
       hieß es in dem Bericht. Diese Zahl verdeutliche den Bedarf und
       unterstreiche, wie verheerend eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs
       für den Zugang zu einer absolut lebenswichtigen medizinischen Leistung sein
       werde, sagte die Professorin für Gesundheitsrecht an der George Washington
       University, Sara Rosenbaum.
       
       Die Abtreibungsrate lag im Jahr 2020 bei 14,4 pro 1000 Frauen im Alter von
       15 bis 44 Jahren, 2017 waren es 13,5 pro 1000 Frauen. Insgesamt wurden im
       Jahr 2020 weniger Frauen schwanger und ein größerer Anteil von ihnen
       entschied sich für einen Abbruch.
       
       Medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche, die Kombination aus zwei
       Medikamenten, die auch als Abtreibungspille bezeichnet wird, machten im
       Jahr 2020 54 Prozent der Abtreibungen in den USA aus. Es war das erste Mal,
       dass diese Form des Abbruchs mehr als die Hälfte der Abtreibungen
       erreichte, erklärte das Institut. Dem Bericht zufolge könnte die
       Coronapandemie die Zahlen in einigen US-Staaten gedrückt haben. In anderen
       schränkte die Pandemie nach Einschätzung von Experten möglicherweise den
       Zugang zu Verhütungsmitteln ein oder hinderte Frauen daran, alle mit einer
       Schwangerschaft verbundenen Arztbesuche wahrzunehmen.
       
       Doch die Zahl der Abtreibungen stieg bereits an, bevor das Coronavirus sich
       ausbreitete. Ein Faktor, der dazu beitrug: Einige Staaten erleichterten den
       Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen über das Versicherungssystem Medicaid.
       
       15 Jun 2022
       
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