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       # taz.de -- Maßnahme gegen hohe Inflation: EZB plant Zinserhöhung
       
       > Die Zinsen im Euro-Raum sollen zunächst um 0,25 Prozentpunkte steigen.
       > Das Anleihe-Ankaufprogramm will die Zentralbank zum 1. Juli beenden.
       
   IMG Bild: Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main
       
       Berlin/Frankfurt rtr | Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt für ihre
       nächste Sitzung im Juli die [1][erste Zinserhöhung seit elf Jahren] an. Sie
       beabsichtige eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte, gab die EZB am Donnerstag
       bekannt. Im September dürfte dann nachgelegt werden, bei anhaltend hoher
       Inflation sogar stärker als im Juli. Als wichtige Voraussetzung dafür
       kündigte sie das Ende für das milliardenschwere Anleihe-Ankaufprogramms APP
       an – und zwar bereits zum 1. Juli. Der Leitzins liegt derzeit bei null
       Prozent, der als Strafzins bekannte Satz für Einlagen von Geschäftsbanken
       bei der EZB bei minus 0,5 Prozent.
       
       Die Frankfurter Währungshüter hinken anderen großen Notenbanken wie [2][der
       amerikanischen Fed] oder der Bank of England beim geldpolitischen Schwenk
       hinterher. Diese hatten schon vor Monaten die Zinswende eingeleitet. Höhere
       Zinsen machen den Euro attraktiver für Anleger, was dessen Kurs anschieben
       und damit Importe von Rohstoffen und Energie billiger machen kann. Das
       wiederum kann die Inflation dämpfen. Die Teuerungsrate in der Euro-Zone
       liegt derzeit mit 8,1 Prozent auf einem Rekordhoch.
       
       Höhere Zinsen machen zudem Kredite für Konsum und Investitionen teurer. Das
       dürfte die Nachfrage dämpfen, was wiederum die Inflation begrenzen könnte.
       Allerdings droht damit die ohnehin angeschlagene Konjunktur – die unter den
       Pandemie-Folgen, dem russischen Krieg gegen die Ukraine und
       Materialengpässen leidet – einen weiteren Dämpfer zu erhalten. Auch wird
       die Schuldenaufnahme für die Euro-Länder bei einem Zinsanstieg teurer, was
       vor allem die Haushalte hochverschuldeter Staaten wie Griechenland und
       Italien belasten dürfte.
       
       9 Jun 2022
       
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