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       # taz.de -- Reförmchen im DFB: Die Mannschaft ist tot
       
       > 100 Tage im Amt: DFB-Chef Berrnd Neuendorf möchte ein Markenzeichen
       > abschaffen und sacht mit Fifa-Chef Gianni Infantino über Katar reden.
       
   IMG Bild: Die Sorgen des Präsidenten: Zahl der Frauenfußballerinnen sinkt dramatisch, beklagt Neuendorf
       
       Frankfurt taz | Einen bunten Strauß an Themen hat [1][Bernd Neuendorf]
       schon früher angepackt. Aus seiner Tätigkeit als Staatssekretär in
       Nordrhein-Westfalen mit Verantwortung für Familie, Jugend, Kultur und Sport
       kennt der neue Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eng miteinander
       verwobene Arbeitsfelder. Insofern kommen dem gebürtigen Bonner seine ersten
       100 Tage in der Fußball-Hauptstadt Frankfurt wie ein Déjà-vu vor. Sein
       Motto zum Amtsantritt: „Wir wollen nicht mehr die Getriebenen sein, sondern
       eine treibende Kraft.“
       
       Tatsächlich ist beim DFB, auch bedingt durch den Umzug in die neue
       Akademie, eine vorsichtige Aufbruchsstimmung zu spüren. Neuendorf würde von
       einer „gewissen Stabilität“, nicht aber von Ruhe sprechen. Denn eine
       „produktive Unruhe“ sei gewollt, um neue Ideen durchzubringen. Ein ernster
       Gedanke ist es, den umstrittenen Begriff „Die Mannschaft“ für die
       A-Nationalmannschaft der Männer endgültig einzumotten. Zuletzt hatte der
       mächtige DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke eine Abschaffung
       angeregt.
       
       Neuendorf kündigte nun an, zeitnah eine „repräsentative Umfrage“ in Auftrag
       zu geben. Er sei kein Freund einer „never-ending story“, sagte der
       60-Jährige: „Dann haben wir eine Entscheidung und können uns auf das
       Sportliche konzentrieren.“ Wenn auch die DFB-Gremien dem Ansinnen folgen,
       ist die DFB-Auswahl bald also eine Bezeichnung los, die im Ausland
       beliebter schien als hierzulande. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit sieht der
       SPD-Mann ansonsten darin, den deutschen Fußball wieder besser in der
       Politik zu vernetzen.
       
       ## „Frontalangriff auf europäisches Sportmodell“
       
       Den Rest der Woche werde er deshalb in Berlin verbringen, um gemeinsam mit
       dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) wichtige Themen zu besprechen.
       Da gehe es auch um die hohen Energiekosten, die für manchen der knapp
       25.000 Fußballvereine existenzbedrohend werden können. Ausdrücklich lobte
       Neuendorf die Regierung dafür, dass sie sich gegen das Projekt einer
       europäischen Super League stellt, die aus seiner Sicht „ein Frontalangriff
       auf das europäische Sportmodell“ wäre. Demnächst wird eine Klage vorm
       Europäischen Gerichtshof behandelt.
       
       Einen Spagat erfordert die Katar-Thematik. Von den
       „Sportschau“-Enthüllungen übers im Norden des Emirats gebaute und über die
       Fifa gebuchte Basiscamp der DFB-Auswahl hatte Neuendorf bis zur
       Veröffentlichung angeblich keine Kenntnis. Die mit
       Menschenrechtsorganisationen im Austausch befindliche Generalsekretärin
       Heike Ullrich fliegt für diese Themen regelmäßig nach Katar. Neuendorf:
       „Unabhängig vom Quartier werden wir als DFB ein eigenes Prüfverfahren
       einleiten, wenn wir mit Dienstleistern zusammenarbeiten, um
       Arbeitnehmerrechte zu wahren.“
       
       Doch letztlich bleibt die Gemengelage heikel, und so kann Neuendorf die
       Euphorie des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino für die Wüsten-WM (21.
       November bis 18. Dezember) nicht teilen. Die Umstände seien fragwürdig. „Es
       ist eine Veranstaltung, bei der man sagt, dass es die größte und tollste
       Veranstaltung aller Zeiten wird – da würde ich mal ein Fragezeichen
       dahinter machen.“ Weil Neuendorf aber den Platz von Peter Peters im
       Fifa-Council einnehmen soll, will er kein Zerwürfnis mit dem Schweizer
       Strippenzieher riskieren.
       
       „Ich registriere, dass an der einen oder anderen Stelle Kritik laut wird an
       Infantino. Er ist in Teilen umstritten. Wichtig ist, persönlich mit ihm in
       den Austausch zu kommen“. Eine Vorverurteilung anzustellen, ohne in den
       Dialog zu treten, sei „nicht redlich und nicht fair“. Neuendorf will sich
       international dafür einsetzen, dass zumindest die europäischen Teams „eine
       Position absprechen und Flagge zeigen“.
       
       [2][Positiv ist für den größten Sportverband die Mitgliederstatistik]. 7,17
       Mitglieder bedeuten eine Höchstmarke, davon spielen 2,21 Millionen aktiv
       Fußball. Ein Plus von 21,5 Prozent und der höchste Wert seit vier Jahren.
       In erschreckendem Maße sinken jedoch die Zahlen bei Frauen und Mädchen,
       denn nur noch 187.000 Spielerinnen sind registriert. „Da haben wir
       Probleme. Die Zahlen sind alarmierend“, gestand Neuendorf, der auch kein
       Patentrezept parat hat, wie etwa mehr Mädchen mit Migrationshintergrund
       gelockt werden könnten. Kurzfristig hofft der DFB-Chef auf einen Impuls
       durch die Frauen-EM in England.
       
       21 Jun 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Neuendorf
   DIR [2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/215107/umfrage/mitgliederzahl-deutscher-fussball-bund/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Frank Hellmann
       
       ## TAGS
       
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