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       # taz.de -- Wettstreit um russische Eiskunstläuferin: Tauziehen auf Eis
       
       > Diana Davis war als Russin bei den Olympischen Spielen auf dem Eis. Nun
       > soll sie für die USA starten, heißt es. Aber kann das stimmen?
       
   IMG Bild: Bei den Olympischen Spielen in Peking traten Diana Davis and Gleb Smolkin noch für Russland an
       
       Es war ein schwieriger Tag für den in Russland so heiß geliebten
       Eiskunstlaufsport. Da kam aus Thailand, wo die Internationale Eislauf-Union
       ISU getagt hat, die Meldung, [1][dass ab 2024 an internationalen
       Wettbewerben nur teilnehmen darf, wer älter ist als 17 Jahre.]
       
       Die Kinderschar aus der Eiskunstlaufschule der russischen Trainerin Eteri
       Tutberidse, deren federleichte Körper sich so schön in der Luft drehen
       können, darf dann nicht mehr um Goldmedaillen laufen. Hätte eine solche
       Regel schon im Februar gegolten, die damals erst 15-jährige [2][Kamila
       Walijewa,] deren positive Dopingprobe die große Geschichte der Olympischen
       Winterspiele geliefert hat, hätte in Peking gar nicht erst an den Start
       gehen dürfen.
       
       Doch dann kamen da noch weitere Meldungen, welche die russischen
       Eiskunstlauffans verstört haben. Aus den USA schwappten Gerüchte nach
       Russland, [3][nach denen Eteri Tutberidse, deren menschenverbrauchende
       Trainingsmethoden] während der Spiele in die Kritik geraten waren,
       Trainerin in den USA werden wolle. Das hat die ehemalige Eistänzerin, die
       in den 1990er Jahren als Showläuferin durch die USA getingelt ist, schnell
       dementiert.
       
       Ein anderes Gerücht indes ließ sich nicht so schnell aus dem Weg räumen.
       Demnach möchte Tutberidses Tochter Diana Davis künftig für die USA starten.
       Russlands Sportmedien stürzten sich begierig auf die Nachrichten, die von
       den Eiskunstlaufbloggern des Youtube-Kanals The Skating Lesson via Twitter
       in die Welt gesetzt worden ist.
       
       ## Begehrt vom Westen und Russland
       
       Diana Davis ist 2003 in Las Vegas zur Welt gekommen. Ihre Mutter lebte
       seinerzeit noch in den USA. Als Diana drei Jahre alt war, zog die Familie
       nach Russland. Diana Davis wurde zur Eiskunstläuferin erzogen, zunächst in
       Russland, dann wieder in den USA, wo sie mit ihrem Partner Gleb Smolkin in
       Michigan trainiert. Die beiden sind für das Team des Russischen Olympischen
       Komitees bei den Spielen in Peking an den Start gegangen und wurden 14. im
       Eistanzwettbewerb. Ob sie für den ersten Platz des russischen Teams im
       Mannschaftswettbewerb eine Goldmedaille erhalten werden, hängt vom Ausgang
       des Dopingverfahren um Kamlia Walijewa ab.
       
       Davis, die sowohl die russische als auch die US-Staatsbürgerschaft hat, ist
       längst zum Objekt des Kampfs des Westens gegen Russland geworden. Als sie
       Mitte März ein Foto auf Instagram postete, das sie vor dem goldenen
       Springbrunnen am Hotel Mirage in Las Vegas zeigt, erntete sie heftigen
       Protest von ihrer russischen Gefolgschaft. „Ich bin stolz, in einer so
       schönen Stadt geboren zu sein“, hatte sie unter das Bild geschrieben.
       Stolz? Als Russin? Bald änderte sie die Bildbeschreibung. Sie ist nicht
       mehr „stolz“, heute findet sie es nur noch „großartig“, aus Las Vegas zu
       kommen.
       
       Kein Wunder also, dass die von einem zwar oft gut informierten, aber nicht
       allzu reichweitenstarken Blog verbreitete Meldung, wonach Davis künftig für
       die USA starten wolle, sich in Russland so schnell verbreitet hat. Die
       einhellige Meinung in allen gängigen Sportmedien: Fake News. Derweil wird
       in den USA munter weiterspekuliert, ob denn ein gemeinsamer Start mit Gleb
       Smolkin für die USA einfach so möglich sei. Bei Weltmeisterschaften könne
       er für die USA starten, wenn zuvor der russische Verband zugestimmt habe.
       Die Russen ließen umgehend mitteilen, dass ein derartiges Anliegen bis
       jetzt nicht an sie herangetragen worden sei.
       
       In den USA denkt man schon an den nächsten Schritt und überlegt, wie es das
       Paar unter der US-Flagge zu den Winterspielen nach Mailand 2026 schaffen
       könnte. Dafür bräuchte Davis’ Partner nämlich die US-Staatsbürgerschaft.
       Wie er die bekommen soll? Ganz einfach, meinen zumindest die Blogger von
       The Skating Lesson. Die beiden müssten nur heiraten.
       
       7 Jun 2022
       
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