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       # taz.de -- Gewaltvorwürfe gegen die BVG: Das ist längst nicht mehr egal
       
       > Erneut gibt es Vorwürfe von rassistischer Gewalt durch BVG-Mitarbeitende.
       > Polizist zwingt eine Zeugin ihr Video zu löschen – vermutlich zu Unrecht.
       
   IMG Bild: Immer wieder gibt es Kritik, dass Sicherheitsleute der BVG rassistisch und gewalttätig seien
       
       Berlin taz | Die Botschaft des legendären „Is mir egal“-Videos der BVG ist
       sympathisch: Da toleriert der Kontrolleur alles, solange man einen
       Fahrschein hat. Dass die Realität oft weniger spaßig ist, wissen die Opfer
       von Racial Profiling und Gewalt durch BVG-Mitarbeitende. Das Phänomen ist
       so augenfällig, dass es sogar eine Initiative namens #BVGWeilWirUnsFürchten
       gibt – deren Petition [1][über 38.000 Unterschriften] hat.
       
       Dieser Tage sind wieder zwei Vorfälle ans Licht gekommen, die keine gute
       Werbung für das Verkehrsunternehmen abgeben. Am Sonntag sorgte ein
       [2][Bericht des Guardian] für Aufmerksamkeit, wonach der Schwarze
       Opernsänger Jeremy Osborne im Oktober 2020 von Kontrolleuren rassistisch
       beleidigt und tätlich angegriffen worden sein soll. Osborne verklage jetzt
       die BVG. „In no city have I felt as unsafe as Berlin“, zitiert ihn die
       Zeitung.
       
       Der zweite Vorfall spielte sich am vergangenen Donnerstag am U-Bahnhof
       Kottbusser Tor ab; die 18-jährige Betül Torlak vom Landesvorstand der
       Partei „Die Urbane“ berichtete davon am Montag in einem [3][auf Twitter
       kursierenden Video], in dem sie der Linken-Abgeordnete Ferat Koçak dazu
       interviewt. Der taz erzählte Torlak: Am Bahnsteig der U1 sei ihr gegen
       17.30 Uhr aufgefallen, wie zwei Sicherheitsleute der BVG einen jungen
       Schwarzen Mann aus einem Zug zogen, schlugen, sodass er zu Boden ging, und
       an der Hose über den Bahnsteig schleiften. „Ich habe sie gefragt, was sie
       da tun, und angefangen, mit meinem Handy zu filmen.“
       
       Als kurze Zeit darauf die Polizei eintraf, filmte Torlak erneut. „Ein
       Beamter kam auf mich zu und fragte mich laut, was ich mache.“ Dann habe er
       verlangt, dass sie das Video lösche, da nun seine Stimme auf der Aufnahme
       sei – nach Paragraf 201 Strafgesetzbuch (StGB) sei sie dazu verpflichtet.
       Er habe ihr das Handy und ihren Personalausweis abgenommen. Als sie
       zustimmte, das Video zu löschen, habe der Beamte Apps und Ordner ihres
       Handys kontrolliert, ob sie dies wirklich getan habe.
       
       ## Gerichte sind anderer Meinung
       
       Das Problem ist mit Racial Profiling eng verknüpft: [4][Filmen Zeug*innen
       Polizeieinsätze], bekommen sie oft Scherereien mit Beamten, die auf 201
       StGB verweisen. Der Paragraf verbietet, das „nichtöffentlich gesprochene
       Wort eines anderen“ aufzunehmen oder weiterzugeben. Ob er auf Polizisten im
       Dienst anwendbar ist, ist umstritten. Mehrere Gerichtsurteile besagen, dass
       deren Äußerungen gegenüber Bürger*innen per se „öffentlich“ sind.
       
       Ein Polizeisprecher sagte, das Video mit Torlaks Aussage sei an die interne
       Beschwerdestelle weitergeleitet worden, der involvierte Beamte werde dazu
       befragt. Sollte es sich so zugetragen haben, wie sie sagt, „hätte er die
       Löschung der Daten nicht verlangen dürfen“. Es sei erlaubt, Polizeieinsätze
       zu filmen. Die BVG wollte sich zum Fall nicht äußern, weil Torlak
       Strafanzeige gegen die BVGler gestellt hat – vor allem, um die Videos der
       Überwachungskameras zu sichern, die sonst nach 48 Stunden gelöscht werden.
       Man toleriere aber weder Diskriminierung noch Gewalt, betonte ein Sprecher
       – und gehe „selbstverständlich“ jedem Vorwurf nach.
       
       25 May 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.change.org/p/bvgweilwirdichf%C3%BCrchten-stoppt-diskriminierung-und-gewalt-durch-kontrolleur-innen-der-bvg-s-bahn-berlin-bvg-kampagne-ramonapop-evakreienkamp
   DIR [2] https://www.theguardian.com/world/2022/may/22/in-no-city-have-i-felt-as-unsafe-as-berlin-opera-singer-sues-metro-over-racism-claims
   DIR [3] https://twitter.com/der_neukoellner/status/1528331187470618624
   DIR [4] /Aktion-Go-Film-the-Police/!5816907
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Susanne Memarnia
       
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