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       # taz.de -- Vorstellung des Grundrechtereports: Das Kopftuch als Hindernis
       
       > Anhand von 39 Einzelfällen zeigen Bürgerrechtler:innen in ihrem
       > Report, wo Deutschland gegen Grundrechte verstößt. Einen Lichtblick gibt
       > es.
       
   IMG Bild: Aufgespürte Diskriminierung: „KT“ steht für Kopftuch und ist ein Hindernis bei der Wohnungssuche
       
       Berlin taz | Es ist ein kleines Jubiläum. Seit 25 Jahren präsentieren
       Bürgerrechtsorganisationen – von der Humanistischen Union bis Pro Asyl –
       jährlich den „Grundrechtereport“, eine Art alternativen
       Verfassungsschutzbericht, diesmal mit 39 Einzelfällen.
       
       Angeprangert wurde etwa die staatliche Bremer Wohnungsbaugesellschaft
       Brebau. Sie hatte in ihrem internen IT-System die
       Wohnungs-Interessent:innen [1][mit positiv und negativ konnotierten Kürzeln
       versehen.] „KT“ stand zum Beispiel für „Kopftuch“, „WE“ für „westlich
       integriert“. Nachdem die diskriminierende Praxis bekannt wurde, traute sich
       aber fast niemand der Betroffenen zu klagen. Für die Journalistin Ferda
       Ataman, die den Grundrechtereport in diesem Jahr vorstellte, zeigt sich
       hier Reformbedarf. „Wir brauchen ein Verbandsklagerecht, um das Allgemeine
       Gleichbehandlungsgesetz durchzusetzen“.
       
       Kava Spartak von der afghanischen Flüchtlingshilfsorganisation Yaar
       kritisierte den [2][Umgang mit den afghanischen Ortkräften der Bundeswehr].
       Sie seien zu großen Teilen immer noch im Land und hätten Angst vor der
       Vergeltung der Taliban. Er forderte: „Wenn die Bundeswehr im Ausland Leute
       für sich arbeiten lässt, muss von vornherein klar sein, dass diese
       Ortskräfte bei einem Abzug wie die eigenen Soldaten behandelt werden – und
       nach Deutschland kommen können“.
       
       Grundrechtlicher Lichtblick im diesjährigen Report war mal wieder eine
       Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, konkret der Beschluss zum
       Klimaschutz im Frühjahr 2021. In das zahnlose Staatsziel Umweltschutz habe
       das Gericht die Pariser Klimaziele hineininterpretiert und diese über
       Umwege sogar einklagbar gemacht, freute sich die Berliner Rechtsprofessorin
       Rosi Will.
       
       Der Grundrechtereport erscheint jährlich als Taschenbuch und ist im
       Buchhandel erhältlich.
       
       18 May 2022
       
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