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       # taz.de -- Nato-Beitritt Finnlands: Nachdenken? Fehlanzeige
       
       > Das Drängen Finnlands in die Nato ist angesichts des Ukrainekriegs
       > verständlich. Nur hat es an einer offenen Debatte über mögliche Risiken
       > gefehlt.
       
   IMG Bild: Finnische Soldaten nehmen am 4. Mai 2022 an der Armeeübung Arrow 22 teil
       
       Drei Viertel der FinnInnen waren zuletzt für eine Nato-Mitgliedschaft
       Finnlands, für das sich am Donnerstag nun auch [1][der Staatspräsident und
       die Regierungschefin des Landes ausgesprochen haben]. Eine historische
       Mehrheit für eine historische Weichenstellung. Vor dem Ukrainekrieg hatte
       sich nie mehr als ein Fünftel der Bevölkerung für diesen Schritt begeistern
       können.
       
       Berücksichtigt man, wie lebendig [2][das Trauma der Kriege der Sowjetunion
       gegen Finnland] nach wie vor ist, ist der Meinungsumschwung angesichts der
       russischen Invasion in der Ukraine verständlich. Und selbst wenn keine
       Gründe ersichtlich sind, warum Russland Finnland angreifen sollte, musste
       das Beispiel Ukraine ein Anlass für Überlegungen sein, ob der künftigen
       Sicherheit Finnlands mit einer Nato-Mitgliedschaft besser gedient ist.
       
       Doch wie sah es mit diesen Überlegungen eigentlich aus? Die anfänglich
       versprochene Debatte hat es nie gegeben. Es wäre sicherlich falsch gewesen,
       die Nato-Option überhaupt nicht in Betracht zu ziehen. Aber ist das
       Gegenteil, nämlich diese sofort zur zwingenden Konsequenz zu erklären,
       nicht ebenso problematisch? Und genau das ist geschehen.
       
       Angesichts einer geopolitischen Situation, die es schwierig macht, einen
       klaren Kopf zu behalten und einen weitsichtigen Beschluss zu fassen,
       wechselte die Regierung, die bei ihrem Amtsantritt versprochen hatte, sich
       für Abrüstung und ein Atomwaffenverbot starkzumachen, [3][sofort die Spur
       und erklärte den Nato-Atomwaffenschirm als alternativlos für Finnlands
       Sicherheit]. Zeit zum Nachdenken? Fehlanzeige.
       
       Die bisherige sicherheitspolitische Lage in Nordeuropa und im Ostseeraum
       wird sich mit den neuen Nato-Mitgliedern Finnland und Schweden erheblich
       verändern. Die Länge der Grenze, an der sich Nato-Staaten und Russland in
       Zukunft direkt gegenüberstehen, verdoppelt sich. Das Resultat könnten eine
       wachsende Instabilität und ein erhöhtes Spannungsniveau werden. Keine
       guten Aussichten für Finnland und den Norden.
       
       12 May 2022
       
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