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       # taz.de -- Bahn transportiert zu wenig Getreide: Ukrainebauern bitten um Exporthilfe
       
       > Da die Häfen blockiert sind, kann die Ukraine nur einen Bruchteil ihres
       > Weizens verkaufen. Nun will sie von der EU mehr Waggons für den
       > Bahntransport.
       
   IMG Bild: Ein ukrainischer Landwirt trägt eine schusssichere Weste bei der Arbeit auf seinem Feld
       
       Berlin taz | Die ukrainische [1][Landwirtschaft] bittet die Europäische
       Union dringend um Unterstützung, Getreide per Bahn ins Ausland zu
       transportieren. „Wir brauchen noch mehr Engagement der EU-Länder und mehr
       Hilfe, um diese Logistik effizient zu gestalten“, sagte Roman Slastjon,
       Geschäftsführer des Branchenverbands Ukrainian Agribusiness Club (UCAB).
       Nötig seien etwa mehr Waggons für Getreide und mehr Personal, das
       vorgeschriebene Dokumente an der Grenze ausstellt.
       
       Die Ukraine kann derzeit fast nur auf der Schiene Getreide exportieren,
       weil das russische Militär die Häfen des Landes kontrolliert oder
       blockiert. Auch deshalb rechnet die Ernährungs- und
       Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) damit, dass die
       Zahl von unterernährten Menschen weltweit 2022/23 um 8 bis 13 Millionen
       steigen könnte. Die Ukraine lieferte vor dem Krieg 12 Prozent der globalen
       Weizenexporte. Besonders abhängig davon sind Nordafrika und der Nahe Osten.
       Wegen der befürchteten Lieferausfälle sind die Nahrungsmittelpreise stark
       gestiegen.
       
       Dabei wird die Ukraine in diesem Frühling nach neuen Schätzungen des UCAB
       trotz des Kriegs auf immerhin 14 Millionen Hektar oder 75 Prozent der
       ursprünglich geplanten Anbaufläche vor allem Getreide aussäen. Doch wenn
       die Ernte nicht die VerbraucherInnen etwa in Afrika erreicht, kann sie dort
       auch nicht die für viele Arme zu hohen Lebensmittelpreise senken.
       
       Normalerweise gelangen 98 Prozent der ukrainischen Agrarexporte über Häfen
       am Schwarzen oder Asowschen Meer per Schiff auf den Weltmarkt. Weil das
       derzeit nicht möglich ist, wird nun vermehrt Ware per Bahn etwa in den
       rumänischen Schwarzmeerhafen Konstanza gefahren und dort auf Schiffe
       verladen. Bulgarien hat gerade zugesagt, dass auch über seinen Hafen Warna
       ukrainische Agrarexporte laufen können.
       
       Aber die Bahn kann laut UCAB theoretisch höchstens 20 Prozent des normalen
       Getreide- und 50 Prozent des Sonnenblumenöl-Exportvolumens aus der Ukraine
       herausfahren: mit 560 beziehungsweise 130 Waggons pro Tag. Im April waren
       es dem Verband zufolge insgesamt lediglich 305 Wagen. „Im März konnten wir
       nur 200.000 Tonnen Getreide exportieren, was nichts ist“, sagte Kateryna
       Ribatschenko, Geschäftsführerin des ukrainisch-schwedischen Großbetriebs
       Agro-Region Ukraine.
       
       ## Verschiedene Spurweiten
       
       „Von europäischer Seite fehlt es manchmal an Kapazitäten, um diese Waggons
       aufzunehmen, manchmal fehlen Waggons, manchmal gibt es nicht genug Platz in
       den Häfen, um die Waggons zu entladen und auf die Schiffe zu laden“, klagte
       Slastjon. Zudem ist die Bahn teurer. „Es kostete 20, 25 US-Dollar pro
       Tonne, Getreide aus der [2][Nord- oder Zentralukraine nach Odessa] zu
       bringen. Es jetzt mit der Bahn beispielsweise nach Konstanza zu
       transportieren, kostet uns 100 Dollar“, so Ribatschenko. Das liegt auch
       daran, dass das ukrainische Schienennetz eine andere Spurweite als etwa
       Rumänien hat.
       
       29 Apr 2022
       
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       ## AUTOREN
       
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