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       # taz.de -- Moldaus Premierin über Ukraine-Krieg: „Ernsthafte Herausforderungen“
       
       > Regierungschefin Natalia Gavrilita fordert vom Westen finanzielle
       > Unterstützung, um Flüchtlingen aus der Ukraine noch besser helfen zu
       > können.
       
   IMG Bild: Ankunft ukrainischer Flüchtlinge aus der Republik Moldau auf dem Frankfurter Flughafen Ende März
       
       taz: Frau Gavrilita, Moldau ist als kleines Nachbarland der Ukraine vom
       Krieg besonders betroffen. Wie geht es Ihrem Land? 
       
       Natalia Gavrilita: Seit Beginn des Krieges sind etwa eine Viertelmillion
       Menschen aus der Ukraine nach Moldawien gekommen. [1][Die Republik Moldau]
       hat nur 2,6 Millionen Einwohner. Der Zustrom von Flüchtlingen hat die
       ohnehin schon großen Herausforderungen noch vergrößert: Pandemie,
       Energiekrise, zweistellige Inflation und ein schwaches institutionelles
       Umfeld, das durch jahrelange politische Instabilität verursacht wurde. Aber
       ich bin stolz auf die außerordentliche Mobilisierung der moldauischen
       Gesellschaft nach Kriegsbeginn – Tausende von Freiwilligen haben den aus
       der Ukraine kommenden Menschen jede erdenkliche Hilfe angeboten.
       
       Der Hafen von Odessa, das wichtigste Tor zur Republik Moldau, ist nicht
       funktionsfähig, so dass das Land keine Produkte über die traditionellen
       Routen einführen kann. Was heißt das für Sie? 
       
       Die anhaltende russische Invasion in der Ukraine stellt unsere Lieferketten
       vor ernsthafte logistische Herausforderungen, und wir müssen bestimmte
       Waren möglicherweise aus anderen Ländern beziehen als vor dem Krieg.
       Deshalb ist es wichtig, dass die Europäische Union uns bei der Einfuhr von
       Produkten aus anderen Ländern unterstützt und dafür europäische Häfen wie
       den Hafen von Constanta nutzt. Es ist auch wichtig, unseren Produzenten zu
       helfen, mehr in die EU zu exportieren und die Liste der Produkte, die gemäß
       dem Assoziationsabkommen exportiert werden können, wesentlich zu erweitern.
       
       Sollte die EU sonst noch etwas tun? 
       
       Um ganz offen zu sein: Wir brauchen eine sehr flexible und umfassende
       direkte finanzielle Unterstützung, insbesondere in Form von Zuschüssen und
       Budgethilfe. Natürlich sind wir verpflichtet, jede Hilfe nach den höchsten
       Transparenzstandards zu verwenden. Wir haben von der EU und den
       Mitgliedstaaten – wie auch von den Vereinigten Staaten – nachdrückliche
       Botschaften der Unterstützung erhalten. Wir sprechen auch mit dem IWF, der
       EU und anderen Partnern über den weitergehenden Finanzierungsbedarf zur
       Bewältigung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Krieges in der
       Ukraine.
       
       Gibt es etwas, was Sie speziell von der deutschen Regierung erwarten? 
       
       Es wäre eine große Hilfe, wenn weitere EU-Mitgliedsstaaten bereit wären,
       [2][Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen, die sich derzeit in Moldau
       befinden]. Diese Umverteilung würde uns eine gewisse Atempause verschaffen
       und es uns ermöglichen, uns gut um die in Moldau verbliebenen Flüchtlinge
       zu kümmern.
       
       Auch die Separatisten in Transnistrien erneut ihre Unabhängigkeit erklärt.
       War das Strategie? 
       
       [3][Die Region Transnistrien] strebt seit 30 Jahren nach Unabhängigkeit,
       und solche Erklärungen wurden bereits früher abgegeben, als die Republik
       Moldau verschiedenen europäischen Gremien beitrat oder auf ihrem
       europäischen Weg voran kam. Die Mehrheit der moldauischen Bevölkerung will
       die EU-Integration vorantreiben. Unser Ziel ist es, dass die Republik
       Moldau ein vollwertiges EU-Mitglied wird, auch mit der Region
       Transnistrien, und so Wohlstand und den Schutz der Freiheiten und Rechte
       aller Bürger gewährleistet.
       
       Der Krieg in der Ukraine k ö nnte die Lage in Transnistrien eskalieren
       lassen. Sehen Sie eine Chance, das Problem langfristig zu l ö sen? 
       
       Bisher ist die Lage in der Region Transnistrien stabil, und wir alle
       hoffen, dass dies auch so bleiben wird. Unsere Position bleibt unverändert:
       Jede Lösung muss unsere territoriale Integrität in vollem Umfang
       respektieren. Und natürlich sind wir weiterhin bereit, konkrete Schritte zu
       erörtern, um das Vertrauen zwischen den beiden Ufern des Dnjestr zu
       stärken.
       
       W ürde sich die Situation verschlimmern, wenn Russland Odessa angreift? 
       
       Ich hoffe aufrichtig, dass ein solches Szenario nicht eintritt. Da Odessa
       in unmittelbarer Nähe zu unserer Grenze liegt, müssten wir wahrscheinlich
       mit einem stärkeren Zustrom von Schutzsuchenden rechnen, was unsere ohnehin
       schon überlasteten Kapazitäten weiter belasten würde.
       
       2 Apr 2022
       
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