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       # taz.de -- Alkohol im Ukraine-Krieg: Kein Aprilscherz
       
       > Nach mehrwöchigem Verbot ist in der Hauptstadt Kiew wieder Alkohol
       > erhältlich. Ob das gut oder schlecht ist – daran scheiden sich die
       > Geister.
       
   IMG Bild: In Kiew füllen sich die Alkohol-Regale in den Supermärkten wieder
       
       Kiew taz | Die Behörden [1][in der ukrainischen Hauptstadt Kiew] haben nach
       einem vierwöchigen Verbot zum 1. April den Verkauf alkoholischer Getränke
       wieder genehmigt. Allerdings nur zwischen 11 und 16 Uhr. Die Aufhebung des
       Verbots, das seit dem 5. Tag des russischen Großangriffs auf die Ukraine
       galt, betraf auch die Gastronomie. Jetzt können sich Restaurantbesucher
       wieder alkoholische Getränke bestellen. Nur: der Ansturm bleibt bislang
       aus. Es gibt auch noch nicht besonders viele Gäste in den Restaurants und
       Cafés, die in der ukrainischen Hauptstadt jetzt langsam wieder ihre Arbeit
       aufnehmen.
       
       Angela, eine Kellnerin in einem der bereits wieder eröffneten kleinen
       Restaurant mit kaukasischer Küche erzählt, dass in den ersten zwei Stunden
       nach der Aufhebung des Verbots noch kein einziger Kunde Alkohol bestellt
       habe, nicht einmal ein Glas Wein. „Wir hatten heute erst zehn Gäste“,
       erzählt sie. „Zu uns kommen jetzt vor allem Ausländer. Vielleicht sind das
       Journalisten.“ Über eine Preiserhöhung bei Alkohol weiß die junge Frau
       bislang nichts.
       
       Anders die Situation [2][in den hauptstädtischen Supermärkten]. Der
       Verkäufer Petro räumt seit dem frühen Morgen Bierflaschen in die Regale,
       die sofort aus dem Verkauf genommen worden waren, als das Gesetz in Kraft
       trat. „Dass das Verbot aufgehoben wurde, ist erst am Vorabend bekannt
       gegeben worden. Wir konnten uns noch nicht vorbereiten. Jetzt stellen wir
       die Sachen wieder raus“, erzählt der Mann. Er lacht: „Schauen wir mal, ob
       da gleich jemand hysterisch Hamsterkäufe tätigt.“ Und ernst fügt er dann
       noch hinzu: „Mir scheint, die Menschen haben jetzt andere Sorgen.“
       
       Die Meinung, dass jetzt nicht die Zeit für Alkohol und Partys sei, ist
       ziemlich weit verbreitet. In den sozialen Netzwerken reagieren die Kiewer
       auf die Nachricht über die Aufhebung des Alkoholverbots eher zurückhaltend.
       Die meisten Kommentare gehen in Richtung „nicht die beste Idee“. „Kiew darf
       jetzt nicht nachlassen, denn die Gefahr von Angriffen ist überall noch
       groß, selbst wenn die ukrainische Armee die Städte im Großraum Kiew
       befreit“, meint zum Beispiel der Aktivist Waleri.
       
       ## Haushalt konsolidieren
       
       „Ich verstehe, dass man den Staatshaushalt konsolidieren muss. Aber wenn
       man bedenkt, wie viele Waffen aktuell im Umlauf sind und wie groß das
       Bedürfnis ist, jetzt nach einem Monat in der Hölle den Stresspegel zu
       senken, dann sollte man mit so einer Entscheidung sehr vorsichtig sein“,
       kommentiert Sergei aus Kiew die Neuerung auf seiner Facebookseite. „Das ist
       einfach Quatsch und keine gute Entscheidung“, so der Tenor in den
       Kommentaren zu diesem Post.
       
       „Vermutlich ist das ein Aprilscherz. Ich hoffe, dass sie es am 2. April
       wieder verbieten. Für solche Änderungen ist es noch zu früh“, meint Olesja
       aus Kiew.
       
       Doch obwohl viele Menschen in der ukrainischen Hauptstadt die Entscheidung
       der lokalen Behörden eher kritisch sehen, statt sich zu freuen, gibt es
       auch andere Meinungen. „Ich habe den ganzen Monat sehr hart gearbeitet.
       Heute habe ich mir mal frei genommen und mir eine ukrainischen Calvados
       gekauft, fast wie in den Kriegsromanen von Erich Maria Remarque. Ich muss
       einfach mal ein bisschen runterkommen“, erklärt Roman, der im Supermarkt
       vor dem Schnapsregal steht.
       
       Auch Andrei hat beschlossen, sich an diesem Tag mal wieder Alkohol zu
       kaufen, allerdings aus einem anderen Grund. „Ich werde unbedingt eine
       Flasche Sekt und eine Flasche Wein kaufen“, sagt er. Und fügt hinzu „Man
       muss auf den Sieg vorbereitet sein. Nach dem Sieg werden wir trinken.“
       
       Die Autorin war Teilnehmerin eines Osteuropa-Workshops der [3][taz Panter
       Stiftung]. 
       
       Aus dem Russischen [4][Gaby Coldewey]
       
       1 Apr 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Luftalarm-in-Kiew/!5844506
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       ## AUTOREN
       
   DIR Anastasia Magasowa
       
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