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       # taz.de -- Reisen im Jahr 2022: Weniger Buchungen nach Kriegsbeginn
       
       > Klimakrise, Pandemie und jetzt der Krieg in der Ukraine. Gereist wird in
       > unruhigen Zeiten nur verhalten, wie eine aktuelle Auswertung nun darlegt.
       
   IMG Bild: Gestiegene Energiekosten wirken sich auf den Ticketpreis für Flugreisen aus
       
       Berlin taz | [1][Der Ukraine-Krieg] wirkt sich auf die Urlaubslust der
       Deutschen aus, wie eine aktuelle Auswertung des Reiseportals „Holidaycheck“
       zeigt. So hatten die Buchungen seit Ende Januar zunächst verstärkt
       zugenommen und befanden sich auf einem ähnlich hohen Niveau wie zu
       Vor-Corona-Zeiten. „Analog zum gesamten Reisemarkt wurde mit Beginn des
       Krieges ein merklicher Einbruch im Vergleich zur Vorwoche für alle
       Destinationen spürbar“, schreibt „Holidaycheck“ in einer Pressemitteilung.
       
       Denn der Krieg in der Ukraine mit seinen noch nicht absehbaren Folgen für
       die Sommerreisesaison schürt, zusätzlich zur noch weiter andauernden
       Coronapandemie, neue Unsicherheiten. Es ist sicher kein guter Zeitpunkt für
       eine Ostseekreuzfahrt mit Höhepunkt Sankt Petersburg. Und was ist mit
       beliebten Urlaubszielen wie Bulgarien, der Schwarzmeerküste oder der
       Türkei?
       
       „Ob und wie der Krieg die Reiselust der Deutschen beeinflussen wird, vermag
       niemand zu sagen“, so Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands
       (DRV). Martin Lohmann, wissenschaftlicher Leiter des
       Tourismusforschungsinstituts NIT, beschäftigt sich seit 1986 mit den
       Auswirkungen von Krisen auf das Reiseverhalten. Er behauptet, dass in den
       vergangenen 50 Jahren Kriege und Terroranschläge die Verbraucher aus
       Deutschland kaum vom Reisen abgehalten haben. Nur die Zielgebiete hätten
       sich verändert.
       
       ## Flugtickets werden teurer
       
       Gleichwohl ist klar, dass die Entwicklungen im Osten Europas die
       Möglichkeiten zu reisen und die Nachfrage nach Reisen in den kommenden
       Wochen und Monaten beeinflussen wird.
       
       Der Krieg in der Ukraine legt nicht nur den Flugverkehr von und nach
       Russland lahm. Deutschland sowie alle weiteren EU-Staaten haben russische
       Maschinen aus ihrem Luftraum verbannt. Im Gegenzug hat Russland ein
       Flugverbot für die meisten europäischen Airlines verhängt. Reisende müssen
       umständlichere Verbindungen über Drittstaaten hinnehmen und mehr Zeit und
       Geld einplanen. Denn [2][die gestiegenen Energiekosten] wirken sich auf den
       Ticketpreis aus.
       
       Wie sich der Krieg konkret auf die Flugpreise in diesem Jahr auswirke, sei
       derzeit allerdings noch unklar, sagt DRV-Sprecherin Kerstin Heinen dem
       RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Ob die Preise jetzt, später oder gar
       nicht steigen, könne man noch nicht konkret sagen. Der Einfluss auf die
       Preisgestaltung der Fluggesellschaften sei dafür zu individuell.
       
       Heinen erklärt: Einige Airlines betreiben Fuel Hedging, eine Absicherung an
       den Finanzmärkten. Dabei wird der Kaufpreis für Kerosin für einen gewissen
       Zeitraum festgelegt. Damit könnten die Verbraucherpreise zunächst stabil
       bleiben, zumindest für die Dauer dieser Verträge.
       
       Doch lange Umwege nach Fernost, fehlende Passagiere und hohe Ölpreise: Die
       Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine gehen auch an der Lufthansa
       nicht spurlos vorbei. Der [3][Lufthansa-Konzern] stimmt seine Kunden auf
       steigende Ticketpreise ein. Wichtige Treiber seien der Ölpreis sowie
       steigende Gebühren an Flughäfen und bei den Flugsicherungen, sagte
       Finanzvorstand Remco Steenbergen bei der Bilanzvorlage des Konzerns in
       Frankfurt.
       
       ## Gleich zu Hause bleiben?
       
       Wer dann doch lieber zu Hause bleiben will, kann eine bereits gebuchte
       Reise stornieren, wenn „unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände“ deren
       Durchführung oder die Beförderung zum Urlaubsort „erheblich
       beeinträchtigen“. Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts ist dafür ein
       Indiz. Für die Ukraine wurde sie ausgesprochen, für Russland jedoch nur für
       die Grenzregionen im Süden, für andere Osteuropäische Staaten gar nicht.
       Wer dort einen Urlaub gebucht hatte und ihn nun lieber nicht antreten
       möchte, kann zwar zurücktreten, muss aber mit Stornokosten rechnen.
       
       Je näher die Abreise rückt, umso höher fallen sie in der Regel aus. Auch
       eine Reiserücktrittskostenversicherung hilft in diesem Fall nicht. Sie
       springt nur ein, wenn man beispielsweise vor der Abreise krank wird. Angst
       hingegen wird nicht als Rücktrittsgrund akzeptiert.
       
       Wer noch nicht gebucht hat, kann sich – meist gegen Aufpreis – mit den
       Flex-Tarifen der Reiseveranstalter und Airlines etwas mehr Spielraum
       verschaffen. Solche Reisen können in der Regel kurzfristig noch abgesagt
       oder umgebucht werden. Auch viele Hotels kommen ihren Gästen entgegen,
       manche Häuser akzeptieren eine Absage noch am Anreisetag, ohne Geld zu
       verlangen.
       
       Sicher ist: Deutschland bleibt Nummer 1 bei den Urlaubsreisen der
       Deutschen. Da weiß man, wie man hinkommt, was man hat.
       
       15 Mar 2022
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Edith Kresta
       
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