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       # taz.de -- Dritte Fußball-Bundesliga: Die Löwen straucheln
       
       > Die Leistung von Eintracht Braunschweig schwankt. Eigentlich fehlt nicht
       > viel für den Aufstieg. Doch dann ist da plötzlich diese Unsicherheit.
       
   IMG Bild: Keine durchgängig gute Leistung: Spieler von Eintracht Braunschweig
       
       Braunschweig taz | Das Team war zerstritten, es gab Gerüchte um
       disziplinarische Verfehlungen, manche Auftritte erinnerten an
       Arbeitsverweigerung: In der vergangenen Saison ist Eintracht Braunschweig
       [1][verdient aus der Zweiten Bundesliga abgestiegen]. Im Sommer dann folgte
       der große Umbruch – mit dem neuen Trainer Michael Schiele und neuen,
       hungrigen Spielern. Keine großen Namen, sondern Teamplayer waren gefragt.
       Und die Idee schien zu greifen.
       
       Nach anfänglichen Problemen fing sich die Mannschaft und legte ab Herbst
       2021 eine Siegesserie hin, die sie auf die vordersten Ränge der Liga
       katapultierte. Kampf, Leidenschaft und wirklich schöne Spielzüge nährten
       bei den Fans die Hoffnung auf einen direkten Wiederaufstieg. Doch nach der
       Winterpause gab es Rückschläge. Überzeugenden Siegen gegen Viktoria Berlin
       oder Duisburg standen Punktverluste gegen Verl oder Freiburg II gegenüber.
       Und das scheint sich wie ein roter Faden durch die weitere Saison zu
       ziehen.
       
       Am vorletzten Wochenende zeigte die Eintracht bei Verfolger Mannheim eine
       exzellente Leistung, ließ den Waldhöfern kaum eine Chance und siegte mit
       3:0. Beim zweiten Verfolgerduell innerhalb von sieben Tagen gegen
       Saarbrücken trat nun jedoch das andere Gesicht der Braunschweiger zutage.
       
       Umständlicher Spielaufbau, eine schwer zu erklärende Unsicherheit und kaum
       Torchancen, so lassen sich die 90 Minuten gegen taktisch hervorragend
       eingestellte Saarbrückener zusammenfassen. Die schossen ihrerseits gefühlt
       auch nur dreimal aufs Tor der Heimmannschaft, trafen aber zweimal und
       zeigten sich so um Längen effektiver. Das Murren von den Rängen – rund
       14.500 Zuschauer sahen das Spiel im Stadion – das immerhin am Ende doch
       noch in totale Unterstützung des eigenen Teams umschlug, mag ein Grund für
       die eklatante Heimschwäche der Löwen sein.
       
       ## Aufstieg innerhalb von zwei Jahren
       
       In der Heimtabelle liegt das Team nur auf Platz acht, auswärts auf Platz
       zwei. Das ergibt unter dem Strich den vierten Platz mit bisher einem Punkt
       Abstand auf die Relegation. Immer noch eine ordentliche Ausbeute, zumal der
       Verein das offizielle Ziel ausgegeben hat, innerhalb von zwei Jahren
       aufsteigen zu wollen.
       
       Trotzdem bleibt die Frage, warum die Mannschaft solche
       Leistungsschwankungen zeigt. Ein wenig erinnert die Situation an Borussia
       Dortmund zwei Etagen höher. [2][Auch der Bundesligist BVB] erzielt zum Teil
       spektakuläre Siege, steht in der Tabelle ordentlich da, verliert aber auch
       immer wieder völlig überraschend gegen eigentlich unterlegene Gegner. Mit
       dem drittteuersten Kader der 3. Liga – Saarbrücken liegt hier übrigens auf
       Platz 15 – sollte auch bei Braunschweig eigentlich mehr Konstanz möglich
       sein.
       
       Sinnbildlich für die beiden Gesichter des niedersächsischen Vereins steht
       Torwart Jasmin Fejzić. Der in Bosnien-Herzegowina geborene Keeper ist mit
       kurzer Unterbrechung seit 2015 im Verein, seit Jahren die Nummer eins,
       Fanliebling und mittlerweile Kapitän des Teams. Auf der Linie und im
       direkten Eins-gegen-Eins gehört er zu den Besten der Liga, wenn er nicht
       gar der Beste ist. Bei der Strafraumbeherrschung und insbesondere mit dem
       Ball am Fuß hat Fejzić allerdings Luft nach oben. So auch im Spiel gegen
       Saarbrücken, wo gleich zwei seiner Zuspiele fast zu hundertprozentigen
       Torchancen führten. Das Raunen auf den Rängen war sicher bis auf den Platz
       zu hören.
       
       Eigentlich scheint es, als würde es in Braunschweig für die vorderen Plätze
       reichen. Für ganz oben fehlt vielleicht noch das eine oder andere
       Puzzleteil.
       
       13 Mar 2022
       
       ## LINKS
       
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   DIR Marc Halupczok
       
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